südlich Ornes abgeschlagen. Mit Einbruch der Dunkelhelt flaute das
Artilleriefeuer auf der ganzen Front allmählich ab. Weitere Infanterieangriffe
erfolgten nicht mehr.
Diese zweite Niederlage vor Verdun drückte sich in ihrer Schwere
noch mehr als die erste durch eine unverhältnismäßig hohe Gefangenenzahl
aus; der Feind meldete in seinen Berichten II 000 meist unverwundete
Gefangene von allen fünf am Kampf beteiligten Divisionen.
Fehler waren sicherlich von allen Stellen gemacht worden. Mein
Zeeresgruppenkommando, das zwar seit Bildung des neuen Oberkommandos
der 5. Armee nicht mehr unmittelbar die Verantwortung trug,
mußte sich vorwerfen, den Winsatz einer ungeeigneten Division zugelassen
und nicht genug für die rechtzeitige Zeranziehung der nötigen Kuftstreitkräfte
getan zu haben. Die artilleristische Abwehr war trotz der Prfahrungen
des 24. OFtober noch zu einseitig, nicht beweglich genug organisiert.
Im Abschnitt eines Generalkommandos war sogar ungeachtet bestimmter
Befehle der Armee den Divisionen immer noch nicht das unmittelbare
VDerfügungerecht über die Artillerie eingeräumt worden. Die Reserven
standen in den meisten Fällen zu weit rückwärto und wurden zu spät
vorgeführt. Auch eine Anzahl höherer Stäbe hlelt sich von den Brennpunkten
des Rampfes zu weit entfernt, um sicher befehlen und straff
führen zu können. Indessen diese und noch manche anderen Versäumnisse
genügten doch nicht, um die Gründe für die beiden schweren Rückschläge
erschöpfend zu erklären. Die Psyche der Truppe beischte ernsteste Beachtung.
Sahlreiche mündliche und schriftliche Berichte und eingehende
Nachforschungen ließen keinen Zweifel, daß die Truppe zum großen Teil
in threr seelischen widerstandsbraft nicht voll auf der Zöhe ihrer freilich
unendlich schweren Aufgabe gestanden hatte. Hier galt es im Zinblick
auf die une auch in Zukunft ganz sicher noch bevorstehenden heißen Abwehrschlachten
auf der Westfront die nötlgen Schlußfolgerungen klar und
entschlossen zu ziehen. In einem ausführlichen Bericht an die O. S. L.
sprach sich mein Oberkommando wie folgt aue:
„Die moralische Verfassung und Widerstandskraft des heutlgen
Soldatenmaterials muß wahrheitsgemäß und ohne Selbsttäuschung
eingeschätzt werden. Nur auf dieser Grundlage kann beurteilt werden,
welches Maß von rziehung und Ausbildung notwendig ist, um die
Truppen wieder auf einen höheren Stand zu bringen. Nur so kann
251