Oefele: Festungen und Festungskrieg
angebahnte, gänzliche Trennung der Fern= und Nahverteidigung
durch Anlage von Balterien und Infanterie-
Nahkampfstützpunkten durchgeführt. Diese
Umwandlung konnte aber der großen Kosten wegen
nur allmählich erfolgen. Deshalb hatten Deutschland,
Österreich-Ungarn, Frankreich, Rußland und Italien
unächst die vorhandenen Bauten ohne wesentliche
ränderung der Formen nur verstärkt und waren
erst bei Neuanlagen zum neuen System Üübergegangen.
Dasistder Grund, warum in dem Festungssystem aller
Länder bei Beginn des Krieges neben der Panzerbefestigung
auch noch ältere Anlagen vorhanden waren.
Deutschland hat sich grundsänlich der zerstreuten Befestigung,
den sogenannten Befestigungsgruppen, zugewendet
und daber die Panzerung, abgesehen von wenigen
Ausnahmen, nur in Batterien angewendet. Osterreich
und Frankreich haben das gleiche System angenommen,
gleichzeitig aber in den Werken die Fern- und
Nahkampfpanzervermehrt, Frankreich besonders in den
Sperrforts. Nur Rußland hat noch lange die Einheitsforts
beibehalten und jegliche Panzerung abgelehnt;
erst der ostasiatische Krieg veranlaßte auch hier Neuerungen,
doch ließ die Kürze der Zeit bis zum Ausbruch
des gegenwärtigen Krieges keine praktischen Folgen zu.
Die gewaltigen Fortschritte der Waffentechnik, die
zu der unerwarteten Vervollkommnung der schweren
Geschütze auf deutscher Seite und zu Urer ungeahnt
wirkungsvollen Verwendung gleich zu Beginn des
Krieges führten, haben dem Angriff im Festungskrieg
wieder das Übergewicht verliehen. In dem Kampf zwischen
Artillerie und Fortifikation ist diese zur Zeit unterlegen,
denn selbst die derzeitigen Panzerbauten vermögen
der deutschen schweren Artillerie nicht mehr Widerstand
zu leisten. Deshalb geht das weitere Bestreben
im Festungsbau dahin, neue Mittel und Wege zu
sinden, um auch den neuesten Geschützen und “*
schossen mit Erfolg begegnen zu können. Wie dieses
Ziel zu erreichen ist, wird die Zukunft lehren. Es ist
aber nicht zu bezweifeln, daß die Kriegsstechmir die die
Waffe geschmiedel hat, unter allen Umständen auch
wieder die Schutzmittel dagegen schaffen wird, denn
in dem dauernden Wettkampf zwischen Waffe und
Deckung überholt immer wieder eins das andere, und
für die Lechnik gibt es kein ghatr Freilich, soviel steht
fest. die Stärke der neuen Befestigungen liegt nicht
nur in ihrer passiven Widerstandskraft, sondern vor
allem in ihrer taltischen Veranlagung. Bei ihrer Anlage
und Durchführung muß dccher sekortvorständlich
mit manchen alten überlieferungen gebrochen werden.
An Stelle der Festungen werden fortinkatorisch vorbereitete
Kampffelder und Kampfräume treten, in
denen je nach Geländebeschaffenheit und Zweck sich gegenseitig
kräftig unterstützende Einzelbefestigungen
nach rein taktischen Gesichtspunkten angeordnet sind.
Die Befestigungsbauten.
Die Befestigungsanlagen einer Festung der Gegenwart
bestehen aus den vorgeschobenen Werken und
den Zwischenfeldbefestigungen (Textfig. 1).
Die Befestigungswerke sind bei den Festungen,
bei denen die räumliche Trennung der Artillerie von
der Infanterie durchgeführt ist, entweder als Batterien
oder als Nahkampfstützpunkte gebaut, je nachdem sie
entweder nur der artilleristischen Fernwirkung oder
nur dem infanteristischen Nahkampf dienen. W— den
Festungen mit Einheitswerken und bei den Sperrbefestigungen
sind die Werke sowohl für die Fern. wie
auch für die Nahverteidigung eingerichtet.
Der Krieg 1914/17. 14.
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Größe, Form und Bauart dieser Werke sind sehr
verschieden und richten sich ausschließlich nach dem
Zweck. Sie sind so flach und unsichtbar ins Gelände
gelegt, daß sie darin möglichst verschwinden, die eigenen
Kampfmittel aber doch zur Wirkung kommen lassen.
Die größtmögliche Widerstandsfähigleit gegen die
feindliche Feuerwirkung ist durch ausgiebige Verwendung
von Eisenbeton und Panzer sowie durch zweckmäßige
Vereinigung dieser beiden Baustoffe, die weitestgehende
Sicherheit gegen den Sturm, die sogenannte
Sturmfreiheit, durch entsprechende Hindernisse erreicht.
Die Panzerung dient zum Schutz der Geschütze
und der Beobachtungsstellen. Die weittragenden
Flachbahngeschütze befinden sich meist einzeln oder zu
zweit in Panzertürmen. Diese sind in einen mit Beton
ausgemauerten Schacht eingebaut, dessen Deckel
die flach gewölbte Panzerkuppel budet. Gefeuert wird
aus Scharten am unteren Rand der Kuppel (Textfig.
2 u. 3). Die Panzertürme sind entweder dreh- oder
Krbbar, teilweise sogar dreh- und hebbar eingerichtet.
ei den drehbaren Türmen (Textfig. 2) steht die Panzerkuppel
als Dach eines aus Schmiedeeisen gebauten
Fig. A. Hebbarer Panzerturm.
Gehäuses auf einer meist elektrisch betriebenen Drehscheibe,
oder sie gleicht dem Hut eines Pilzes und dreht
sich auf einer sog. Pivotsäule (vgl. Textfig. 5). Die
hebbaren Türme (Textfig. 3) werden durch eine einfache,
gleichfalls elektrisch betätigte Hebeleinrichtung
zur Feuerabgabe gehoben und dann wieder versenkt.
Es gibt aber auch feststehende Panzerstände, bei denen
der Panzer in die Bekondecke oder -wand des Kampfraumes
eingemauert ist. Die Nahverteidigungsgeschütze
sind in ähnlichen, nur kleineren Panzerhohlräumen
untergebracht. Sieilseuergeschügesstehen nicht
unter Panzer, sondern sind tief und verdeckt in dem
ausbetonierten Schacht ausgestellt. Die gepanzerten
Beobachtungsständ= sind ebenfalls entweder 8 eingemauerte
Betonkasematten mit gepanzerter Vorderwand
und Decke oder fest vermauerte Panzertürm-19