NMas deutsche Reich und seine einzelnen Glieder. (Juni 24.) 121
gemacht, daß die Herren doch auf einem himmelweit von dem unfrigen verschiedenen
Standpunkt in wirtschaftlicher und finanzieller Beziehung stehen.
In diesen Dingen müssen Sie denn doch den Männern aus der Volksvertretung
ein gewisses Gewicht beilegen.
Eine andere Frage: was nennt die Militärverwaltung dringlich! Sie
hat auch die Erhöhung der Offiziersgehälter für dringlich gehalten in dieser
Sommersession. Ja, meine Herren, das hat mich einigermoßen kühl gemacht.
Wenn die Herren den Maßstab der Dringlichkeit und unbedingten Notwendigkeit
anlegen, und ich gehe nun mit diesem Maßstabe an die Militärvorlage,
— wird mich das nicht in dem Glauben erschüttern müssen, daß nun wirklich
nicht mehr gefordert wird, als unbedingt dringlich und notwendig ist
für den Augenblick:? Wer zu viel will, schadet selbst dem wenigen, was er
glaubt erreichen zu müssen. Ich bin der Meinung, daß die Militärverwaltung
durch die Häufung der Vorlagen denselben geschadet hat.
Nun, meine Herren, komme ich zu dem Punkt, der für mich der entscheidende
ist und auch der entscheidende bleiben wird. In dieser Beziehung
habe ich allerdings die Anmaßung, mir auch ein Urteil zuzutrauen, nämlich
über den finanziellen Punkt. Ich bedaure es, daß man uns ausdrücklich
hingestoßen hat auf einen Vergleich mit anderen Ländern; ich werde diesen
Vergleich heute in einigen Beziehungen machen. Der Herr Schatzsekretär hat
in der Auseinandersetzung über die finanziellen Verhältnisse in der Budgetkommission
ausdrücklich die Meinung ausgesprochen, es sei unbequem, daß
wir neue Steuern brauchen, — und nach seiner persönlichen Meinung sind
neue Steuern notwendig, und wir würden uns darüber in den nächsten
Sessionen zu unterhalten haben; aber Deutschland könne es aushalten, zumal
im Vergleich mit anderen Ländern. Wir haben sehr viele Zahlen aus Frankreich
bekommen, aber manche nicht. Es thut mir leid, daß ich jetzt darauf
eingehen muß; aber von dem Herrn Schatzsekretär ist das in den Vordergrund
gestellt worden ebenso wie vom Herrn v. Kardorff in der ersten Lesung
dieser Vorlage. Ist es denn richtig, daß der Militäretat in Frankreich in
dem Maße gewachsen ist wie bei uns? Ich verneine die Frage. insoweit es
sich um die finanziellen Verhältnisse handelt. Ich sehe von dem Extraordinarium
ab; ich weiß nicht, wie viel in Frankreich im Extraordinarium
steht, was eigentlich zum Ordinarium gehört. Ich kann aber — (Zuruf vom
Ministertisch) — der Herr Kriegsminister bestätigt das auch von sich; ich
glaube aber, Sie können das überhaupt nicht kontrollieren, — ich nehme an,
— namentlich das letzte Budget in Frankreich ist sehr sorgfältig aufgestellt —,
daß die Ordinarien im großen und ganzen sich entsprechen. Frankreich gibt
mehr aus für seine Armee, das ist zweifellos, die Zahlen find höher; aber
sind die Ausgaben in letzter Zeit gewachsen? Ich will Ihnen einmal seit
1870 die Zahlen des Ordinariums vorlesen. Kriegsministerium, 1878: 430
Millionen, 1879: 442 Millionen, 1880: 460 Millionen, 1882: 457 Millionen,
1883: 467 Millionen, 1884: 484 Millionen, — das ist der Höhepunkt, und
nun Fht der Kriegsetat wieder herunter, — 1885: 477 Millionen, 1886:
459 Millionen, 1887: 444 Millionen, 1888: 429 Millionen, 1890: 445 Millionen.
Die Ausgaben der Armee sind allerdings in den letzten zwölf Jahren,
bis zum Jahre 1884, in die Höhe gegangen; von da gehen sie wieder einen
ganz gehörigen Schritt herunter, um 40 Millionen Mark. (Zuruf.) — Nein,
Mark, es ist umgerechnet. Meine Herren, wir haben seit 1879/80 das Ordinarium
von 315 bis 379, also um 63 Millionen Mark erhöht, während
Frankreich in dieser Zeit in den letzten sechs Jahren in seinem Ordinarium
heruntergegangen ist. Also, ich würde doch bitten, daß man uns nicht ausdrücklich
darauf hinstößt, unsere finanziellen Verhältnisse aus der letzten Zeit
mit denjenigen anderer Länder zu vergleichen. Wir haben auch ¾ Milliarden