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40 Proz. des gesamten russ. Ernteertrages (bes. Weizen)
und etwa ein Drittel des russ. Viehes und besitzt
auch reiche Bodenschätze (Kohle, Eisen). — Die Loslösung
der U. vom gropßruss. Staatsganzen ist die bedeutungsvollste
Wirkung des Umsturzes in Rußland.
Bereits am 8. Febr. 1917 wandte sich ein -Bund
Ukraine an Wilson u. forderte unter Berufung auf das
von ihm vertretene Selbstbestimmungsrecht der Völker
eine Befreiung der U. Am 3. April 1917 bildete sich ein
ukrain. Nationalrat (Zentralrada) und eine Fraktion
des Arbeiter= u. Soldatenrates. Darauf forderte am 96.
April ein ukrain. Kongreß vollenationale u. territoriale
Autonomie der U. Der russ. Kriegsministecr Gutschkow
mußte wohl oder übel die Bildung von zwei ukrain.
Brigaden billigen. Am 13. Juli erließ die Zentralrada
in Kiew ein Manifest, in dem sie die Autonomie
der U. im Rahmen des russ. Gesamtreichs forderte;
die vorläufige Regierung in Petersburg antwortete
am 30. Juni mit einem Gegenaufruf und entsandte
Kerensti, Terestschenko und Zeretelli nach Kiew. wo
ein Kongeeß zustande kam (Generalsekretariat als besondere
Verwallung der U.). Da jedoch über die weiteren
Forderungen der Ukrainer keine Einigung erzielt
wurde, proklamierte die ierar am 20. Nov. die
aus den Provinzen Kiew, Podolien, Wolhynien, Tschernigow,
Poltawa, Charkow, Jekaterinosluw, Cherson,
Tauris bestehende Ukrainische Republik. Am 17.
Dez. erkannted eprovisorische Regierung in Petersburg
die ukrain. Republik und ihr Recht auf vollständige
Trennung von Rußland an, stellte aber an die Rada
ein 48stündiges Ultimatum, alle feindlichen Handlunen
gegen die Sowjettruppen zu unterlassen, widrigenfrus
sich Rußland im Lriegszustonde mit der U. befindlich
erachte. Die Rada forderte in ihrer Antwort vom
20. Dez. Ukrainisierung der ukrainischen Truppen und
Teilnahme an den Friedensverhandlungen, außerdem
Erledigung der finanziellen Frage. Nichteinmischung
der russ. Behörden und Kommandostellen in die Verwaltung
der ukrain. Front und Anerkennung der
ukrain. Republik. Am 19. Dez. erklärte die Nada die
U. zu einer demokratischen Republik als Teil der neuen
allruss. Republik und trat darauf in Brest Litowsk mit
einer selbständigen Friedensdelegation (unter Holubowitsch,
dann Sswarjuk) hervor. Am 9. Febr. 1918
kam der Friede der U. mit dem Vierbund zustande
s. S. 139f.); doch erfüllten sich die daran geknüpften
Loffuungen nicht. Zwar gelang es den Verbündeten,
die auf Bitten der von den Bolschewisten hart
bedrängten vorläufigen Regierung unter v. Eichhorn
in die U. einrückten, namhafte Mengen an Nahrungsmitteln
aus der U. herauszuholen, doch reichten diese
Mengen nicht mehr aus, die feindliche Aushungerung
illusorisch zu machen. wie man von dem = Brotfrieden
erwartete. Gegen ukrainische Umtriebe ging Eichhorn
durch Verhaftung des Kriegsministers Schukow#ski u. a.
energisch vor; er unterstützte den am 2. Mai zum Hetman
erwählten General Skoropadski loyal, wurde
aber am 30. Juli durch bolschewistische Sendlinge in
Kiew ermordet. Skoropadski trat mit den Verbündeten
in direkte Beziehungen, und die Verhältnisse besserten
sich zusehends, je weiter die deutschen Truppen nach
Osten vordrangen. Bis Anfang Sept. 1918 waren
aus der U. nach Deutschland gebracht worden 2181
Waggons Getreide, 4429 Waggons andere Lebensmitlel
und 905 Waggons Rohstoffe. Der Zusammenbruch
Deutschlands im Innern und an der Westfront
nötigte die deutschen Truppen zum Rückzug, Skoropadsti
wurde gestürzt und Lysogub bildete ein russen-Ulster
— Ungarn
freundliches Kabinett. An Stelle Skoropadskis trat
General Petljura, der 14. Dez. 1918 Kiew besetzte; er
konnte sich aber gegen die vordringenden Bolschewisten
nicht behaupten und wurde im Laufe des April bis
nach Galizien zurückgedrängt. Der von der bolschewistischen
Regierung in Kiew zum Gesandten in Berlin
ernannte bisherige großrussische Agent Radek wurde
von Deutschland nicht anerkannt. Vgl. Lewicky, Die
U., der Lebensnerv Rußlands (Stuttg. 1915); = Die
Ukraine-(Monatsschrift, hrsg. von der Deutsch-Ukrainischen
Gesellschaft, Hamb. 1918 f.).
Ulster, irische Provinz. — Politische Ereignisse s.
Bd. 1. S. 114 sowie Großbritannien, S. 217
Ultimatum, unwiderrufliche Forderung eines
Staates, deren Ablehnung oder Nichtbeantwortung
innerhalb der gestellten Frist den Abbruch der diplomatischen
Beziehungen und den Krieg zur Folge hat.
Unabhängiger Ausschuß für einen deutschen
Frieden, Sommer 1915 in Berlin begr., Juli 1916
an die Offentlichkeit getretene Vereinigung (Vorf.:
Prof. Dietrich Schäfer) mit dem Ziele, im deutschen
Volk die einmütige überzeugung von der Notwendigkeit
eines „deutschen Friedens= zu verbreiten. Der
Grundgedanke lautete: »Ein dauernder, die Zukunft
des Deutschen Reiches ausreichend sichernder
Friede kann nur gewährleistet werden durch Meh
rung unserer Macht, durch Erweiterung unseres Herrschaftsbereichs
Über die bestehenden Grenzen des Reiches
hinaus nach beiden Seiten, nach Ost und nach
West.-= Vgl. Bd II. S. 9.
Unabhängige Sozialdemokratische Partei
Deutschlauds (U. S. P. D.), dieradikale Richtung der
Sozialdemokratie Deutschlands, s. Sozialdemokratie.
„Undine-, deutscher Kl. Kreuzer, 2700 t, wurde
7. Nov. 1915 von einem brit. Unterseeboot an der
schwed. Küste versenkt.
Ungarn. Das Königreich U. war bereits seit
1867, dem Jahre des = Ausgleichs-, der es mit OÖsterreich
unter dem „Dualismus-= loser verband als bis.
er, der Schauplatz ununterbrochener innerpolitischer
ämpfe um die Unabhängigkeit des Landes. Die von
Graf Tisza (1861—1918) geführte 1867er Parkei
kämnrpfte gegen die hartnäckige, bis zur Obstruktion getriebene
Opposition der seit Kossuths Tode (1914)
unter Graf Karolyi stehenden 1848er Unabhängigkeitspartei.
Auch im Kriege tobte dieser Kampf, trotz
Tiszas diktatorischer Führung der Staatsgeschäfte,
fast ununterbrochen fort, um so heftiger, als sich der
soziale Kampf um die Reform des Wahlrechts damlt
verknüpfte und die Regierung gemäß 8 14 der Verfassung
in ÖOsterreich eine Einberufung der Delegationen
bis 1917 unmöglich machte. Die ganze Schwere
des Konflikts trat am schärfsten bei den Verhandlun.
en um Erneuerung des Ausgleichs 1917 hervor, die
Sch zum Schaden für die dadurch aufgehaltene, ja
unmöglich gemachte wirtschaftliche Konsolidierung des
mittelcuropäischen Bundes (s. Mitteleuropa) durch das
ganke Jahr hinzogen und, statt zu einer endgültigen
egelung, nur zu einem Provisorium führten.
Der Eintritt Rumäniens in den Krieg 1916 berührte
U. unmittelbar am stärksten; die glänzenden
Waffensiege unter Mackensen, Arz und Lalkenhayn
stärkten die bundestreue Haltung der Ungarn noch
einmal außerordentlich. Die Brussilowsche Massenoffensive
bedrohte zugleich abermals U. von Norden
her. Als die Gefahr vorüber war, gewannen allmählich
die Sonderinteressen die Oberhand. Tiszas hartnäckige
Weigerung, mit der Opposition zusammen ein