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Außenforts ein, nachdem die Innenstadt in deutscher
Hand war. Am 8. fiel Fort de Barchon, am 11. Fort
Evegnee, nach eingetroffener Verstärkung der Belagerungsartillerie,
darunter deutsche 42 cm-Haubitzen
und österreichische 30,5 cm-Mörser, am 13. Fort Pontisse,
am 14. Fort Fléron, am 16. das letzte Fort,
Hollogne. General Leéman geriet in Fort Loncin in
Gefangenschaft.
Ver Aufmarscht.
Nachdem mit Lüttich der Schlüssel zum Aufmarschraum
in Belgien gewonnen war, konnte der eigentliche
deutsche Aufmarsch beginnen. Der Plan dazu
war vom Generalstabschef Graf Alfred von Schlieffen
entworfen worden. Er ging von dem Gedanken aus,
daß ein Zweisrontenkrieg Deutschlands gegen Frankreich
und Rußland jahrelang dauern und darum unter
allen Umständen vermieden werden müsse. Er zielte
darum auf schnellste Niederwerfung Frankreichs.
Diese war allein möglich, wenn das deutsche Heer
durch Belgien in Nordfrankreich eindrang.
Es wurden sieben Armeen aufgestellt:
Die 1. Armee unter Generaloberst v. Kluck um Aachen
(II., III., IV., IX., XI. Armeekorps, 4. Reservekorps).
Die 2. Armee unter Generaloberst v. Bülow südlich
von Aachen bis Eupen (Garde, Garde-Reservekorps,
VII., X. Armeekorps, 7. u. 10. Reservekorps).
Die 3. Armee unter Generaloberst Freiherrn v. Hausen
um Malmedy (XII., XIX. Armeekorps, 12. Reservekorps).
Die 4. Armee unter Herzog Albrecht von Württemberg
um St. Vith (VIII., XVIII. Armeekorps, 8. und
18. Reservekorps).
Die 5. Armee unter dem deutschen Kronprinzen
zwischen Saarbrücken und Luxemburg (V., VI., XIII.,
XIV. Armeekorps, 5. und 6. Reservekorps).
Die 6. Armee unter dem Kronprinzen Rupprecht
von Bayern in Lothringen (I., II., III. bayerisches,
XXI. Armeekorps, 1. bayerisches Reservekorps, bayerische
Kavalleriedivision).
Die 7. Armee unter Generaloberst v. Heeringen bei
Straßburg (XIV., XV. Armeekorps, 14. Reservekorps).
Vor dem rechten Flügel des Heeres: 1. und 2. Kavalleriekorps
unter General v. d. Marwitz.
Während die im Elsaß und in Lothringen aufmarschierenden
Armeen 7 und 6 gegen die franz. Sperrlinie
vorgingen, sollten die in der Linie Diedenhofen-Aachen
aufmarschierenden Armeen 5—1 in einer riesenhaften
Schwenkung von Westen nach Süden die
franz.-belg. Nordarmeen üÜber die belg.-franz. Grenze
zurück und schließlich, sie in den Rückzug der Südarmeen
verstrickend, Über die Schweizer Grenze werfen.
Diesem Plan entsprechend trat die 1. deutsche Armee
(v. Kluck) zuerst an und überschritt am 6./7. Aug. 1914
bei Lüttich die Maas, erreichte am 20. Brüssel, am
23. Valenciennes, am 1. Sept. Compieègne. Ihr schloß
sich die 2. Armee unter v. Bülow an: sie überschritt am
20. bei Ardenne u. Namur die Maas, warf die Armee
Lanrezac am 24. über die Oise, nahm am 80. St. Quentin.
Hausens 3. Armee folgte am 23. bei Dinant über
die Maas, bog sofort nach Süden um u. rückte am 31.
Aug. in Rethel, am 4. Sept. in Reims, am 6. in Chalons
ein. An sie schloß sich die 4. Armee des Herzogs
Albrecht von Württemberg an. Dieser erzwang am
28. Aug, den Maasübergang bei Sedan und erreichte
über Vouziers am 6.
Kronprinzen 5. Armee endlich überschritt mit ihrem
1 Bgl. die Karte Bd. L S. 172f3.
ept. Vitry. Des deutschen 3
I. Kriegsgeschichte
rechten Flügel bei Stenay die Maas u. schwenkte durch
den Argonner Wald ebenfalls nach Süden ein; sein
linker Flügel mußte sich damit begnügen, näher an
Verdun, den Angelpunkt der franz. Vertkidigung u. zugleich
Drehpunkt des deutschen Angriffsflügels, heran-Prücken.
Kronprinz Rupprecht rückte an die Sperrlinie
oul-Epinal heran, Heeringens 7. Armee säuberte
das Oberelsaß vom Feinde. Am 5. Sept. hatte das
deutsche Nordheer die allgemeine Linie Compiègne-Meaux-La
Ferté-Vitry- nördlich Bar le Duc-Consenvoye
erreicht. Die Marschleistungen dieses gewaltigen
Aufmarsches zur Entscheidung waren überwältigend,
die Berechnungen Schlieffens vollauf erfüllend,
aber der Gegner war trotz harten Kämpfen bei Valenciennes—-Mons,
Charleroi, St. Quentin, Sedan einer
Entscheidung bisher geschickt ausgewichen. Gelegenbeiten,
erhebliche Teile des feindlichen Heeres einzuesseln,
wie sie sich südlich von Charleroi u. bei Sedan
boten, nutzte die deutsche Oberste Heeresleitung nicht
aus — in Ermangelung einer die Führung des Stoßflügels
straff handhabenden Zwischenstelle (Heeresgruppenführung)
war die weit zurück (in Luxemburg)
liegende Oberste Heeresleitung außerstande, die Entscheidungsschlacht
so einheitlich zu leiten, wie es der
Gegnertat. Der franz. Aufmarschplan wurde wie folgt
ausgeführt. Es wurden fünf Armeen ausgestellt:
Die 1. Armee unter General Dubail (7., S., 13.,
14., 19., 21. Armeekorps, 8. Kav.-Div. nebst mehreren
Reservedivisionen) im Raume Montbéliard-Luncville.
Die 2. Armee unter General de Castelnau (9., 15.,
16., 18., 20. Armeekorps, 3 Reserve-, 2 Kavalleriedivisionen)
im Raume Luneville-Pont à Mousson.
Die 3. Armee unter General Ruffey (2., 4., 5., 6.
Armeekorps, 3 Reserve., 2 Kavalleriedivisionen) im
Raume zwischen Mosel und Audun.
Die 4. Armee unter General de Langle de Cary
(12., 17. Armeekorps und Kolonialkorps) nordwestlich
vom Donon zwischen Montmedy und Sedan.
Die 5. Armee unter General Lanrezac (I., 3., 10.,
18. Armeekorps, die marokkanische und 2 Kavalleriedivisionen)
zwischen Charleville und Maubeuge.
Heeresreserve: 9. Armeekorps bei Hirson.
Den Oberbefehl führte General Joffre.
Im vollen Gegensatz zu dem deutschen Plan verlegte
der französische seine größte Stärke nach Süden
zu, an die gegen das Elsaß gerichtete Front, einmal
wohl, weil im Norden mit der Hilfe belgischer und
englischer Truppen gerechnet wurde, dann aber auch in
der Absicht, von Belfort aus durch die Burgundische
Pforte einen starken Angriffsstoß gegen das deutsche
Reichsland auszuführen. Mit einem solchen Versuch
fingen auch die französischen Kampfhandlungen an.
m B. August, noch bevor der Krieg erklärt war,
überschritten Kompagnien der Franzosen unter Verletzung
der deutschen Grenze den Vogesenkamm, besetzten
den Schluchtpaß und die Orte Markirch, Metzeral,
Gottesthal, bald darauf den Paß von Saales
und den Donon, den höchsten Berg der Nordvogesen,
der die Umgegend weithin beherrscht. Hierauf kam es
am 7. August bei Altkirch zu einem ernsten Treffen, bei
dem die Franzosen von Belfort aus mit dem 7. Armeekorps
und einer Division der Festungsbesatzung gegen
die Sicherungstruppen vorgingen. Diese wurden auf
die Haupttruppen nördlich u. westlich von Mülhausen
urückgenommen. So konnten die Franzosen, ohne
ernstlichen Widerstand zu finden, in den Sundgau einrücken,
am 8. Mülhausen besetzen und zur selben Zeit
von Belfort aus Thann-Sennheim erreichen.