298 krasbreich- (Okt. 10—11.)
der Vertreter der Demokratie zu bleiben. „Der Titel, den ich in Anspruch
nehme, ist der, der leidenschaftliche Diener der Demokratie zu sein. Was die
Gewalt anbelangt, so wollen wir alle, daß sie dem Verdienstvollsten zugesprochen
werde. Ehe auch ich sie erhalte, verlange ich, sie zu verdienen, und
ich werde sie von meinen Mitbürgern erhalten, wenn ich je derselben würdi
bin.“ Seine Rede schließt dahin: „Meine theuren Mitbürger! Wenn ic
Europa in's Auge fasse und zu entdecken suche, was es am meisten wünscht
und am meisten fürchtet, so kommt mir der Gedanke, daß es ein Frankreich
wäre, welches in die politischen Hände der Agenten des Ultramontaniomus,
der Theokratie und des Syllabns fallen würde. Wenn ich sehe, daß Europa.
diese Furcht hat, ach, meine Herren, lassen Sie mich auch meine rigenen Kerfürchtungen
kundgeben. Ich habe nicht die Furcht, daß das aufgeklärte allgemeine
Stimmrecht den gegen seine Souveränetät gerichteten Angriffen nicht
die ihnen gebührende Gerechtigkeit zu Theil werden läßt, aber ich habe die Furcht,
daß das überraschte und eingeschüchterte allgemeine Stimmrecht nicht überall
den Lehren der Vergangenheit genügende Rechuung trägt. Meine theuren
Mitbürger; am Tage nach der Abstimmung darf die besiegte nicht allein diese
oder jeue politischr, der Republik feindlich gesinnte Partei sein, sondern die
Partei, welche alle übrigen führt, welche sie deckt, sie disciplinirt und zum
Kampf führt, die, welche wir für . großen Feind erklärt haben. Wir
sagten: Der Elericaliemus er ist der Feind; an dem allgemeinen Stimmrecht
ist eo nun, der Welt zu beweisen: Der Clericalismus — er ist der
VBesiegte."
10. Oktober. Mac Mahon erläßt sein zweites, verbessertes
Wahlmanifest, in dem er sich nicht mehr so in den Vordergrund
stellt, wie in dem ersten:
„Franzosen! Ihr steht auf dem Punkte abzustimmen. Die Gewaltthötigkeiten
der Opposilion haben alle Täuschungen zerstreut. Keine Verleumdung
kann mehr die Wahrheit entstellen. Nein, die republikanische Verfassung
ist nicht in Gefahr. Nein, die Regierung, welche Hochachtung sie
auch vor der Neligion hegen mag, gehorcht nicht vorgeblichen clericalen Einflüssen,
und nichts könnte zu einer den Frieden bloßstellenden Politik hinreißen.
Nein, ihr seid von keiner Umiehr zu den Mißbräuchen der Verganpenheit
bedroh ht. Der Kampf ist zwischen Ordnung und Unordnung: da
batt ihr auch schon entschieden. Ihr wollt nicht durch feindliche Wahlen
Land in eine unbekannte Zukunft von Krisen und Conflicten schleudern.
3#8. wollt die Ruhe nach innen und außen gesichert, das Einvernehmen der
öffentlichen Gewalten, die Sicherheit der Arbeit und der Geschäfte. Ihr
werdet für die Candidaten stimmen, die ich enrer freien Wahl empfehle.
Franzosen! Die Stunde ist gekommen. Geht ohne Furcht zur Wahl, erscheint
auf meinen Ruf und ich, welchen die Verfassun auf einen oen
gestellt. hat, den mir die Mlicht im Stich zu lassen verbietet, ich stehe für
Orduung und Frieden ein.“
11. Oktober. Die Vorstände der Linken des Senats antworten
dem zweiten Wahlmanifest des Marschalls ihrerfeits mit folgendem
neuen Manifest:
„Theure Mitbürger! In der letzten Stunde wird man einen äußersten
Versuch machen, auf eure Abstimmung einen Druck zum Besten der offiziellen
Candidaturen zu üben. Wenn man euch sagt, daß die republikanischen Einrichtun
*7 nicht in Gefahr sind, so werdet ihr fragen, warum das Ministerium
Broglie-Fourton nur Gegner der Republik zu Vertretern hat, warum