258 Gesinde.
des Blattes ist für die Gemeinden vorgeschrieben. Ueber Bekanntmachung
und Inkrafttreten gelten im Wesentlichen die oben unter II aufgeführten
Bestimmungen (RVerf. Art. 2, RVO. vom 26. Juli 1867 S. 24, Ges.
vom 10. December 1867 S. 571).
Gefinde. Die Bestimmungen über das G. enthält die revidirte Gesinde-
ordnung vom 2. Mai 1892 S. 145. Sie giebt die Begriffsbestimmung
für G. in §§ 2 und 4 und behandelt weiter die Eingehung des Vertrags
(§§ 5—29), insbesondere die Zwangseinführung und Strafen bei Ver-
weigerung des Dienstantritts (§§ 22—26) und die Strafen für Doppel-
vermiethung und Abspenstigmachen des G. (88 27, 28), die Pflichten
des G. (&88 30—46), insbes. das Durchsuchungsrecht (§ 42) und die
Strafen wegen Ungehorsams (§ 45), die Pflichten der Herrschaft (88 47
bis 66), insbes. die Weihnachtsgeschenke (8§ 50), Livree (8 51), Trink-
gelder (§ 57), Sonntagsruhe und Feierstunden (§§ 59—61), sowie die
Krankenpflege (§§ 62—64, §8§ 76 —80), ferner die Aushebung des Ver-
trags (58 67—99), insbes. die Gründe sofortiger Auflösung (88 84,
85), sowie die zwangsweise Wiedereinsührung, die Bestrafung bei eigen-
mächtigem Austritt und bei Annahme eigenmächtig ausgetretenen G.
(§§ 96, 97), endlich die Gesinderegister (§ 100), Dienstbücher, Dienst-
zeugnisse und Meldevorschriften (8§ 101—111). Die bürgerlichen Streitig-
keiten zwischen Herrschaft und G. gehören vor die Gerichte, vorbehältlich
jedoch des Rechts der Polizeibehörden, auf Antrag auch über Antretung,
Fortsetzung und Aufhebung des Dienstverhältnisses einstweilige Verfügung
zu treffen. Die Handhabung der polizeilichen Vorschriften und die Be-
schwerden über Ordnungswidrigkeiten gehören vor die Polezeibehörden,
und zwar in Städten kl. StO. vor die Bürgermeister, auf dem Lande
vor die Gemeindevorstände und Gutsvorsteher. Geldstrafen fließen in die
Armencasse des Dienstorts (§§ 112—115, A#O. vom 22. August 1874
S. 125 § 7). Nur auf Verlangen des G. darf das Dienstzeugniß auf
sein Verhalten erstreckt werden (MVO. vom 22. Februar 1893 in der
Zeitschr. f. V. XIV S. 272, SWB. S. 51). In die G.-Bücher der
weiblichen Dienstboten, die in den größeren Städten Dienste nehmen
wollen, sollen die Polizeibehörden Zettel einkleben, die auf die Dienst-
botenherbergen der inneren Mission aufmerksam machen (MO. vom
8. März 1887 in der Zeitschr. f. V. VIII S. 203). Der Vertrieb der
Gesindezeugnißbücher erfolgt durch das Gendarmeriewirthschaftsdepot, für
Städte kl. StO., Landgemeinden und Gutsbezirke durch Vermittlung der
Amtshauptmannschaft (VO. vom 18. Juli 1870 S. 269, MO. vom
7. Juni 1892 im SW B. S. 113). Anträgen nicht sächsischer Behörden
auf zwangsweise Wiedereinführung soll nur bei verbürgter Gegenseitig-
keit entsprochen werden (MVO. vom 1. März 1881). — Unbeschadet
der Verpflichtung der Dienstherrschaft zur Verpflegung erkrankten Ge-
sindes ist der Ortsarmenverband des Dienstortes auf die Zeit von
13 Wochen zur Gewährung von Krankenpflege (s. d. 2) ohne Ersatz-
anspruch an den endgültig verpflichteten Ortsarmenverband verpflichtet.
Zur Bestreitung der Curkosten können von den Gemeinden Dienstboten-
krankenkassen errichtet werden, s. Krankenversicherung B I. Als Anfangs-