Die Ranbfriege Cudwigs XIV. Die Türkenkriege Osterreichs. §§5 438—39. 287
lichsten Königs“, auf den scheußlichen Gedanken, um dem Feinde den Krieg
am Rhein unmöglich zu machen, das ganze gesegnete Land in der Pfalz und
am Mittelrhein (§ 248) in eine Wüste zu verwandeln. Hohnlachend
sprengte der französische General Melac die prächtigen Türme des Heidel-
berger Schlosses und die Stadtmauern; die halbe Stadt ward in Asche ge-
legt. Dann folgten die Städte und Dörfer an der Bergstraße. Die armen
Bewohner wurden, wenn sie das Ihre retten wollten, erschlagen. Uberall
fand man die Leichen elender erfrorener Menschen. Die Bürger von Mann-
heim mußten erst mit an der Abtragung ihrer Festungswerke arbeiten, dann
aGscherte man ihre Stadt ein und trieb sie hungernd und nackt in die Win-
terkälte hinaus; ein ähnliches Schicksal traf Frankenthal, Ladenburg, Kreuz-
nach u. a. Damals sanken Worms und Speyer, die alten, ehemals herr-
lichen kaiserlichen Städte, in Asche samt ihren Domen, und in Speyer
streuten französische Soldaten hohnlachend die Asche so vieler großer Kaiser
in die Winde. Dann kamen die Gegenden von Trier, Köln, Jülich an die
Reihe, wo man die Bauern sogar zwang, ihr eigenes Getreide unterzupflü-
gen. — Nach so viel Schmach begann man sich endlich im Reich zu regen.
Der Kaiser schloß mit Wilhelm III. von England, mit Holland, Spanien,
Savoyen, Dänemark und den meisten deutschen Fürsten die große Allianz,
deren Seele wieder jener Oranier war. Dennoch behauptete Ludwig durch
seine großen Generale im Felde das Ubergewicht. Unter den deutschen
Truppen herrschte Uneinigkeit und Thatlosigkeit, obwohl der Reichsfeldherr
Ludwig von Baden ein tüchtiger Führer war. Als dann endlich 1697
der Friede zu Ryswijk (nahe dem Haag) zustande kam, mußte das deutsche
N die Bedingungen annehmen, die äö die fremden Mächte stellten.
Frankreich behielt die „Réunionen" im Elsaß, ebenso Saarlouis: alles andere,
also auch das Herzogtum Lothringen, weiter Freiburg, Breisach, Luxemburg,
Mömnpelgard u. a. gab es beraus--7 Dem Frieden war aber, im Einver-
ständnis des Kaisers mit Ludwig XIV., die sogenannte Ryswijker Klausel
angehängt, wonach der kirchliche Zustand bleiben sollte, wie er während der
feindüichen Besetzung gewesen; so blieben viele protestantische Gemeinden in
er Pfalz ihrer Kirchen beraubt, und der katholische Gottesdienst trat da-
selbst wieder ein. Ludwig XIV. aber hatte zu solchen, im ganzen für
Deutschland günstigeren, Friedensbedingungen sich verstanden, weil seine
Kassen erschöpft, seine Augen aber bereits auf die künftige Erwerbung der
spanischen Monarchie gerichtet waren. — In allen drei Raubkriegen hatte
Deutschland sich völlig ohnmächtig nach außen hin bewiesen und hatte ge-
zeigt, wie leicht die Beute da ist, wo Gemeinsinn und das Gefühl für nationale
Ehre erloschen sind.
3. Bie Türkenkriege Osterreichs.
§ 439. Glücklicher als am Rhein waren die deutschen Waffen im Osten,
gegen den andern Erbfeind, wie man ihn damals nannte, die Türkei. Seit
diese Konstantinopel erobert (§ 240), dann Ungarn überflutet hatten, dessen
letzter König Ludwig gegen sie bei Mohacs gefallen war (§ 281), gehörte
ihnen die Hauptstadt des Landes, Ofen Pesth und ihre Grenze hing bis
gegen Raab und Komorn, so daß König Ferdinand, Kaiser Karls V. Bru-
der, wenig mehr als den Titel eines Königs von Ungarn von seinem Schwa-
ger erbte und bald sogar den Türken einen regelmäßigen Tribut zahlen
mußte. Die Türkengefahr war stehend in der ganzen Reformationszeit. Auch
das 17. Jahrhundert brachte fortwährende Kriege an der Südostgrenze des