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Die Regelung des Lebensmittelverkehrs. Dieser Unter—
schiedlichkeit, nicht jener Gleichheit sind die ersten Kriegsmaßz—
nahmen angepaßt gewesen. Bei den Lebensmitteln gab
man sich im Anfang des Krieges dem Gefühl der Sicherheit
hin, daß der Kampf nicht lange dauern würde und daß Lebensmittel
völkerrechtlich nicht Kriegskonterbande wären, die Mengenzufuhr
erschien also völlig gesichert. Andererseits machte sich bald
geltend, daß allein schon durch die Steigerung der Seefracht und
durch die Störungen, welche der Handel überhaupt erlitt, starke
Preiserhöhungen eintraten. Dies wurde umso unlsebsamer empfunden,
als gerade in den ersten Wochen des Krieges bei weiten
Schichten der Bevölkerung das Einkommen beträchtlich herunterging.
Da erscholl zuerst der Ruf nach einer Preisregelung,
man wollte den Handel aus der Funktion der Preisbildung ausschalten.
Dem wurde dann durch die Festsetzung der Höchstpreise
nachgegeben, während man die Mengenfrage zunächst ohne Regelung
und deshalb den Handel als Mengenverteiler unbehelligt ließ.
Allerdings machte sich von Anfang an eine Strömung geltend,
welche umgekehrt in erster Linie die Mengenfrage betont sehen
wollte, sie forderte, daß man die Preisbildung freiließe, um durch
das Hochgehen der Preise den Konsum der Lebensmittel an die
erwartete Einfuhrminderung anzupassen. Das Ziel war damit
richtiger erkannt als bei fener ersten Strömung, aber der Weg
wäre verhängnisvoll geworden. Diese zweite Forderung ließ nämlich
ganz außer acht, daß der Konsum an Lebensnotwendigkeiten — wie
oben bereits dargelegt — in seiner Größe zunächst nicht von den
Preisen maßgeblich bestimmt wird, sondern vom physiologischen
Nahrungsbedürfnis. Man hätte also das zu erstrebende Ziel einer
starken Konsumeinschränkung nur dann erreichen können, wenn die
Preise so hoch getrieben worden wären, daß vom Einkommen der
großen Masse unseres Bolkes, auch nach Vortfallen aller einigermaßen
entbehrlichen Bedürfnisse, nicht mehr genug zur Deckung
des Nahrungsbedarfs übrig blieb, während gleichzeitig die gut
gestellten Schichten sich kaum einer Einschränkung in ihrer Ernährung
zu unterwerfen brauchten — ein Zustand, der nicht nur in der Zeit
des Krieges, wo alle für alle einzustehen haben, sedem sozialen
Empfinden widersprochen, der auch unsere Kriegführung sicherlich
sofort lahmgelegt hätte. Irgendwie handeln mußte man also schon.
Und wieder einmal ergab sich die Richtigkeit des alten militärischen
Grundsatzes, daß falsch handeln besser ist als garnicht handeln.
Denn die Festsetzung der Höchstpreise, die sicherlich ohne gleichzeitige
Regelung des Mengenproblems ein Fehler war, erwies sich