Metadata : Europäischer Geschichtskalender. Neue Folge. Dreiunddreißigster Jahrgang. 1917. Erster Teil. (58a)

Beufsches  Peich.  (Mai  2.)  469

2.  Mai.  Der  Abbruch  der  diplom.  Beziehungen  zwischen  Guatemala
  und  Deutschland  (s.  S.  463)  wird  amtlich  bestätigt.

Das  „WTB."“  teilt  mit:  Der  Gesandte  von  Guatemala  hat  dem
Staatssekretär  des  Ausw.  Amts  im  Auftrage  seiner  Regierung  mitgeteilt,
daß  die  diplomatischen  Beziehungen  zu  Deutschland  abgebrochen  seien,  und
um  seine  Pässe  gebeten.  Die  Vertretung  der  deutschen  Knerressen  in  Guatemala
  hat  die  spanische  Regierung  übernommen.

2.  Mai.  Besetzung  der  deutschen  Schiffe  in  Brafilien.

Das  „WTB.“  teilt  mit:  Die  brasilianische  Regierung  hat  dem
Ausw.  Amt  durch  Vermittelung  der  Schweiz.  Regierung  mitgeteilt,  daß  sie
Maßregeln  habe  treffen  müssen,  um  eine  Schädigung  der  brasilianischen
  Häfen  durch  die  Zerstörung  deutscher  Schiffe  zu  verhindern.
In  einer  von  ihr  veröffentlichten  amtlichen  Note  wird  ausgeführt,  daß  die
deutschen  Besatzungen  Zerstörungshandlungen  gegen  diese  Schiffe  ausgeführt
hätten,  die  unter  der  Gerichtsbarkeit  und  dem  Schutze  der  br.  Behörden
ständen,  namentlich  seitdem  eine  deutsche  Vertretung  dort  nicht  mehr  bestehe.
  Es  seien  ferner  entgegen  den  Vorschriften  der  Hafenbehörden  Maschinenteile
  und  andere  Gegenstände  in  das  Meer  geworfen  worden,  auch  hätten
die  Schiffsbesatzungen  die  Absicht  bekundet,  einige  oder  alle  Schiffe  zu  versenken.
  Die  Ausführung  dieser  Absicht  könne  die  br.  Regierung  wegen  der
zu  erwartenden  Schädigung  der  Schiffahrt  und  der  Häfen  nicht  zulassen.
Sie  habe  daher  als  Polizei-  und  Sicherungsmaßregel,  die  nicht  den  Charakter
  einer  Beschlagnahme  trage,  dem  Marineminister  befohlen,  die  Schiffe
durch  Mannschaften  seines  Befehlsbereiches  besetzen  zu  lassen,  solange  die
gegenwärtige  Lage  dauere.  Die  Besetzung  habe  in  der  besten  Ordnung  stattgefunden,
  und  die  deutschen  Schiffsbesatzungen  seien,  ohne  daß  ihre  frühere
Lebensweise  geändert  worden  wäre,  an  Bord  belassen  worden.

2.  Mai.  (Reichstag.)  Fortsetzung  der  zweiten  Lesung  des
Reichshaushaltsplans  (kleinere  Etats).

Präsident  Dr.  Kaempf  eröffnet  die  Sitzung  mit  folgender  Ansprache:
Der  Zahl  unserer  Feinde  hat  sich  ein  neuer  mächtiger  Gegner  hinzugesellt.
Die  Ver.  Staaten  von  Amerika  haben  erklärt,  daß  sie  sich  Deutschland
  gegenüber  als  im  Kriege  befindlich  betrachten.  In  einer  Botschaft  an
den  Kongreß  vom  2.  April  versichert  Präsident  Wilson,  daß  er  gegen  Deutschland
  Krieg  führe  im  Interesse  der  Menschheit  und  aus  Gründen  der  Gerechtigkeit.
  Das  Recht,  dies  zu  versichern,  hat  er  verloren,  nachdem  er
keinen  Finger  gerührt  hat,  um  England  in  den  Arm  zu  fallen,  als  es  den
alles  Menschen=  und  Völkerrecht  verletzenden  Aushungerungskrieg  gegen
Deutschland  ankündigte  und  ins  Werk  setzte.  Er  hat  dies  Recht  verloren,
als  er  den  deutschen  Vorschlag  ablehnte,  für  bestimmte  Wege  das  Leben
amerik.  Bürger  auf  amerik.  Schiffen  sicherzustellen,  vorausgesetzt,  daß  sie  keine
Bannware  führten,  und  als  er  durch  seine  Ablehnung  seine  eigenen  Landsleute
  der  Todesgefahr  aussetzte.  Als  willenloses  Werkzeug  stellt  Präsident
Wilson  das  deutsche  Bolk  dar,  das  in  diesen  Krieg  getrieben  worden  sei
durch  eine  Gruppe  Ehrgeiziger.  Er  erzählt  aber  nichts  von  den  Einkreisungsmachenschaften,
  die  jahrzehntelang  gegen  uns  getrieben  wurden,  er  erzählt
nichts  von  dem  Vernichtungswillen,  dem  unsere  Feinde  erst  kürzlich  in
kräftiger  Weise  Ausdruck  gegeben  haben,  unsere  Feinde,  auf  deren  Seite
sich  Wilson  stellt.  Das  deutsche  Volk  hat  sich  am  4.  August  1914  wie  ein
Mann  erhoben.  Wir  kämpfen  noch  heute  zur  Verteidigung  unserer  Freiheit,
  unserer  Unabhängigkeit  und  des  Lebens.  Wir  haben  keinen  Streit