Volltext : Diplomatische Aktenstücke.

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Nr.  61.

Herr  Bienvenu-Martin,  stellvertretender  Minister  des  Aeussern,

an  Herrn  Jules  Cambon,  französischen  Botschafter  in  Berlin,
  mitgeteilt  an  Bord  der  «  France  »  (für  den  Ministerpräsidenten),
  und  an  die  Herren  Botschafter
Frankreichs  in  London,  St.  Petersburg,  Wien  und
Rom.
Paris,  den  27.  Juli  1914.

Die  drei  Schritte  des  deutschen  Botschafters  in  Paris  scheinen
  kennzeichnend  zu  sein:  —  Am  Freitag  liest  er  eine  Note
vor,  in  der  sich  die  deutsche  Regierung  bestimmt  zwischen
Oesterreich  und  die  Mächte  stellt,  indem  sie  das  österreichische
Ultimatum  an  Serbien  billigt  und  hinzufügt,  dass  «  Deutschland
dringend  wünscht,  dass  der  Konflikt  örtlich  beschränkt  bleibe,
da  jede  Intervention  einer  andern  Macht  durch  das  Spiel  ihrer
Bündnisse  unberechenbare  Folgen  hervorrufen  müsse  ».  —  Am
zweiten  Tage,  am  Sonnabend,  nachdem  die  Wirkung  erzielt
worden  war  und  die  Mächte  infolge  der  Ueberraschung,  der
Kürze  der  Frist  und  der  Gefahren  eines  allgemeinen  Krieges,
Serbien  geraten  hatten,  nachzugeben,  kommt  Herr  von  Schoen
wieder  um  seinen  Schritt  abzuschwächen,  indem  er  vorgibt,
über  den  hervorgerufenen  Eindruck  erstaunt  zu  sein  und  sich
dagegen  verwahrt,  dass  man  Deutschland  Absichten  zuschreibe,
die  es  nicht  habe,  weil,  wie  er  sagt,  weder  von  einem  vorherigen
  Einverständnisse  noch  von  einer  nachherigen  Drohung
die  Rede  sein  könnte  ;  —  am  dritten  Tage,  am  Sonntag,  als  der
Erfolg  erreicht  worden  war,  da  Serbien  tatsächlich  sozusagen
allen  Anforderungen  Oesterreichs  nachgegeben  hatte,  erscheint
der  deutsche  Botschafter  zweimal,  um  die  friedlichen  Absichten
Deutschlands  und  seinen  dringenden  Wunsch  auf  Mitwirkung
an  der  Erhaltung  des  Friedens  zu  betonen,  nachdem  er  den
österreichischen  Erfolg  vorgemerkt  hatte,  der  die  erste  Phase
der  Krise  abschliesst.

Augenblicklich  bleibt  die  Lage  beunruhigend  infolge  der
unverständlichen  Weigerung  Oesterreichs,  die  serbische  Unterwerfung
  anzunehmen,  sowie  seiner  Mobilisationsvorkehrungen
und  seiner  Drohungen,  in  Serbien  einzufallen.  Die  mit  der  Unterstutzung
  Deutschlands  von  Anfang  an  eingenommene  Stellung