36 Der Vortrag des Verses.
förmlichen Tonhebung, den zweiten mit einer Senkung sprechen.
und so fort, wodurch eine förmliche, leiermäßige Melodie entsteht.
3. B.
„Ub' immer Treu und Redlichkeit
Bis an dein kühles Grab,
Und weiche keinen Finger breit
Von Gottes Wegen ab.“
Wenn ein Kind diese Verse spricht, so wird man hören,
wie dasselbe die Stimme bei dem ersten Verse bedeutend hebt
und bei dem zweiten eben so bedeutend sinken läßt und durch
das ganze Gedicht mit diesem Tonfalle fortfährt! Je kürzer die
Verse sind, desto mehr fällt der Reim in das Ohr und desto
leichter schleicht sich dieser unangenehme Tonfall ein. Dieser
muß aber auf das entschiedenste vermieden werden. Man übe
an solchen kurzen Versen, die nur zu leicht zu diesem Tonfall
verführen, das gleichmäßige Schwebenbleiben der Tonhöhe von
Vers zu Vers.
Ubunsg.
Weit in nebelgrauer Ferne
Liegt mir das vergangne Glück,
Nur an einem schönen Sterne
Weilt mit Liebe noch der Blick.
Aber wie des Sternes Pracht
Ist es nur ein Schein der Nacht.
Kinder der verjüngten Sonne,
Blumen der geschmückten Flur,
Euch erzog zu Lust und Wonne,
Ja euch liebte die Natur.
Schön das Kleid mit Licht gesticket,
Schön hat Flora euch geschmücket
Mit der Farben Götterpracht.
Holde Frühlingskinder, klaget,
Seele hat sie euch versaget,
Und ihr selber wohnt in Nacht.
Willkommen, schöner Jüngling,
Du Wonne der Natur,
Mit deinem Blumenkörbchen
Willkommen auf der Flur.
Ei, ei, da bist ja wieder
Und bist so lieb und schön,