Full text : Fürst Bülows Reden. 2. Band 1903-1906. (2)

370  Anhang.

mir  eine  Freude  gewesen,  mich  von  einem  so  hervorragenden  Gelehrten,
wie  Sie  es  sind,  verstanden  und  unterstützt  zu  wissen.
Mit  dem  Ansdruck  ausgezeichnetster  Hochachtung  bin  ich

ergebenst
(gez.)  Bülow.

V.  Trinkspruch  in  Dresden.

Auf  der  Rückreise  von  Wien  besuchte  der  Reichskanzler  am  23.  September  1903
die  Städteausstellung  in  Dresden.  Bei  einem  Frühstück,  das  zu  Ehren  des  Reichskanzlers
  im  Ausstellungsgebände  stattfand,  dankte  Oberbürgermeister  Beutler  dem
Reichskanzler  für  seinen  Besuch;  er  hoffe,  Graf  Bülow  werde  von  den  Bestrebungen
der  Ausstellung  befriedigt  sein.  Er  gab  dem  Vertrauen  Ausdruck,  daß  städtische
Wohlfahrt  und  kommunale  Bestrebungen  bei  der  Regierung  Unterstützung  und
Förderung  finden  würden.

Graf  Bülow  antwortete:

Ich  danke  Ihnen  für  Ihre  so  freundliche  Begrüßung,  danke  für
alles  Schöne,  was  ich  hier  gesehen  habe,  und  danke  vor  allem  für  die
Ehre,  die  Sie  mir  durch  die  Ubertragung  des  Ehrenvorsitzes  der  Deutschen
Städteausstellung  erwiesen  haben.  Es  ist  mir  eine  besondere  Freude
gewesen,  durch  meinen  Besuch  der  Ausstellung  Zeugnis  abzulegen  für
den  hohen  Wert,  den  die  Regierung  auf  die  Entwicklung  der  städtischen
Gemeinwesen  legt.  Das  glänzende  Bild,  das  die  Ausstellung  bietet,
muß  nicht  nur  bei  mir,  sondern  bei  jedem  Besucher  die  Hochachtung
vor  den  hervorragenden  Leistungen  der  deutschen  Städte  noch  verstärken.


Die  deutschen  Städte  sind  seit  den  Tagen  König  Heinrichs,
des  Städtegründers,  ein  Hort  deutschen  Handels  und  Wandels,  deutscher
Bildung,  deutscher  geistiger  Freiheit  gewesen.  In  einem  schönen  Gedicht
hat  Max  von  Schenkendorf  vor  fast  hundert  Jahren  die  Bedentung  der
deutschen  Städte  für  Geschichte  und  Leben  der  Nation  besungen.  Zu
jener  Zeit  fingen  die  deutschen  Städte  erst  an,  sich  von  den  schweren
Wunden  zu  erholen,  die  innere  und  äußere  Kämpfe  ihnen  geschlagen
hatten,  bis  zum  dreißigjährigen  Kriege  zurück.  Jetzt,  seit  der  Neugründung
  des  Deutschen  Reiches,  haben  des  Reiches  Städte  einen  Aufschwung
  genommen,  der  auch  die  Blütezeit  des  15.  und  16.  Jahrhunderts
übertrifft.