36 Rechberg. Kommt Prokesch wieder? Darmstadt. Die kurhessische Verfassungsfrage.
ruhiger, sondern bisher auch sehr viel ehrlicher als sein Vorgänger, und er läßt mit sich
reden, ohne zu declamiren und zu zanken. Er sagt immer noch, daß Prokesch') wiederkomme;
E. E. vortreffliche Circulardepesche vom 16.) wird aber doch die Brauchbarkeit des Herrn
von Prokesch für seine hiesige Stellung nicht grade in helleres Licht setzen. ANach Mit-
tbeilungen, die Rechberg aus Wien bat, fängt sogar Graf Buol an, durch eine friedliche
Brille zu sehn.
Herr von GElinka ist dieser Tage in Kassel gewesen; er hat den Kurfürsten bereit
gefunden, an der Politikt, wie die „Motive des 8. Sebruar“" sie bejeichnen, fest zu balten,
wenn Preußen dasselbe tbäte. Der Kurfürst ist aber jsehr in Noth wegen der Schwierig-
keiten, welche ihm das Präsidium in der Verfal beit machen könne, wo
Ostreichs Beistand vielleicht nur für Hessens Stimme in andern Fragen zu haben ist. Der
Großberzog von Darmstadt hat sich gegen Glinka dahin ausgesprochen, daß er jedenfalls
mit Preußen gebe und gern etwas Besondres thun werde, um seinem Kaiserlichen
Schwager seine Ergebenbeit zu beweisen. So erjählt mir Herr von Glinka. Graf Solms-
Laubach darf ich E. E. als einen erprobten Sreund Preußens empfeblen, wenn er nach
Berlin kommt. Mit der Bitte mich der gnädigen Srau empfeblen zu wollen
40. Berich't vom 22. Mär'’ 1855 an Minishter v. Manteuffel,
betr. die kurbessische Verfass « ««—Vl·PoIchmgerllerI2
Der Schlußteil (Poschinger a. S. O. 8. 202) bat sohenden Wortlaut:
Es kann m. A. n. nicht ausbleiben, daß Osterreich am Bunde vermöge der Stellung
des Präsidiums einen stärkeren hemmenden Einfluß auszuüben vermag, als wir, und für
den, der am Bunde etwas erreichen will, auf diesem Selde ein wirksamerer Gegner ist, als
Dreußen. Sch fürchte daher, daß wir auf die Dauer den Kürzeren jiehen würden, wenn
wir am Hofe von Kafssel uns auf einen Wettstreit mit Österreich in der Art einlassen
wollten, daß auch wir unsere Stellung zu der Verfassungsfrage von dem Verhalten Hessens
in der orientalischen Sache abbängig machen wollten. Wir handeln, m. 11. u., nicht nur
rechtlicher, sondern auch auf die Dauer mehr zu unserem Vorteil, wenn wir uns auf ein
derartiges Sustem gar nicht einlassen, sondern nach wie vor der Kf. Regierung denjenigen
loyalen Beistand zusichern, welchen wir mit Rücksicht auf die rechtliche Lage der Ver-
fallungsangelegenbeit zu leisten imstande lind. Wir können dann mit um so mehr Necht
und vielleicht auch mit mehr Aussicht auf Erfolg den in Kassel etwa zutage tretenden
Aeigungen m einer unpreußischen Politik entgegentreten und sind noch immer in der
Lage, bei wirklicher Ausführung des zugesagten Beistandes denselben nach dem Ver-
balten der Kf. Regierung zu bemessen. Dabei würde es aber m. g. D. sich nicht emp-
feblen, von unserer Seite, sei es durch die K. Gesandtschaften, sei es bier am Bunde, mit
ostensiblen Anstrengungen zugunsten der Kf. Regierung besonders hervorzutreten. Das
Beste schiene mir allerdings für unser Interesse, wenn sich die ganze Sache, und damit
eine starke Handhabe der räsidialmacht, schnell aus der Welt schaffen ließe. Wie die
Sachen liegen, fürchte ich aber, daß ein Versuch, dies unjererseits zu bewirken, nur dazu
führen würde, die Widerstandskraft Österreichs, die an sich am Bunde sehr stark ist und
bei diesem Sall in den Überzeugungen anderer vielfach Unterstützung findet, für den Kf. Hof
in ein belleres Licht zu setzen.
1) Drokesch Lanoierte 3 “*7*n lE*7. om 15. Märt 1855 in Wien zufammengetretenen Srledenskonferen) als
2. , aelmchi * 1.