Full text : Heinrich der Löwe Herzog von Bayern und Sachsen.

296  Drittes  Buch.  IV:  Befestigung  von  Heinrichs  Macht.

es  gegen  jeden  feindlichen  Angriff  zu  halten").  Nach  diesen  ersten  Schritten
zur  Sicherung  des  noch  in  sächsischem  Besitze  Befindlichen  bot  Heinrich  nicht
nur  die  ganze  sächsische  Vasallenschaft  auf'"),  sondern  sah  sich  auch  nach  fremder
  Unterstützung  um,  denn  dieses  Mal  sollte  ein  förmlicher  Vernichtungskrieg
die  eidbrüchigen,  nie  ruhigen  Slawen  treffen.  So  forderte  er  seinen  sonst  so
feindseligen  Vetter,  Markgraf  Albrecht  den  Bären,  zur  Hilfe  auf,  und  auch
an  Waldemar  richtete  er  die  Bitte  um  Beistand,  die  der  König  gern  erfüllte,
da  durch  den  Aufstand  der  Obotriten  seine  Herrschaft  über  Rügen  gleichfalls
bedroht  und  erschüttert  wurde.  Ja,  um  die  Freundschaft  des  Herzogs  recht
fest  und  unerschütterlich  zu  machen,  sah  er  sogar  über  den  Geburtsmakel  von
dessen  unehelicher  Tochter  Mathilde  hinweg  und  verlobte  das  noch  in  der
Wiege  liegende  Kind  mit  seinem  einjährigen  Sohne  und  präsumtiven  Thronerben
  Knut“““).  Es  zeigt  dieser  wahrlich  sehr  starke  Eifer  Waldemars,  sich
Heinrichs  Zuneigung  unverbrüchlich  zu  erwerben,  am  besten,  wie  hoch  dieser
bei  ihm  in  Ansehen  stand  und  wie  wohl  er  das  Bündnis  mit  dem  mächtigen
Sachsenherzoge  zu  schätzen  wußte.  Ein  überaus  starkes  Heer  aus  ganz  Sachsen
sammelte  sich  um  Heinrichs).

Von  zwei  Seiten  zugleich,  von  Westen  und  Osten,  sollte  der  Angriff  auf
das  Slawenland  erfolgen.  Während  daher  die  Flotte  des  Dänenkönigs  in
die  Peene  einlief,  unterstützt  durch  die  von  Waldemar  abhängigen  Rügierst),
drang  der  Herzog  von  Südwesten  in  Obotritien  ein.  Bei  Malchow  stieß  Graf
Adolf  mit  dem  ganzen  Aufgebote  der  kriegslustigen  Holsten  und  Stormam
zu  ihm.  Hier  in  Malchow,  kurz  nach  Uberschreitung  der  Slawengrenze,  ließ
der  Herzog  den  Wratislaw  aufhängen,  um  ihn  und  seinen  Bruder  für  den
Vertragsbruch  und  ihre  Umtriebe  zu  strafen  f##t).  Entschuldigen  läßt  sich  diese
Gewalttat  des  Herzogs  wohl  durch  seinen  Grimm  über  die  beständigen  Aufstände
  der  Obotriten,  über  die  schnelle  Zerstörung  seiner  so  fest  geglaubten
Einrichtungen,  aber  rechtfertigen  läßt  sie  sich  nimmermehr.  Pribislaw  hatte
noch  keinen  festen  Frieden  mit  Heinrich  geschlossens),  da  die  Verhandlungen
durch  des  letzteren  Anwesenheit  in  Mainz  und  Bayern  ins  Stocken  geraten
waren,  und  daß  ein  so  hart  Gefangener,  wie  Wratislaw,  auf  alle  Weise  nach
Wiedererlangung  seiner  Freiheit  strebte,  war  doch  kein  todeswürdiges  Verbrechen.
  Aber  so  war  Heinrich:  wenn  er  sein  Recht  gekränkt,  wenn  er  seine

 

*)  Helm.  II,  100.

½)  Helm.  II,  100  sagt  einmal:  LDuxl  congregavit  exercitum  grandem  et  vocavit.
Adelbertum  marchionem  orientalis  Slaviae  et  omnes  fortissimos  totius  Saxzoniae  im
auxilium.  Also  hat  Heinrich  bei  dieser  Gelegenheit  nicht  nur  die  unmittelbaren  herzoglichen
  Vasallen  aufgeboten,  sondern  auch  die  ganze  sächsische  Ritterschaft,  die  unter
den  unabhängigeren  sächsischen  Fürsten,  den  Bischöfen  und  großen  Grafen  stand.
5%  )  Krit.  Erört.  IV  f.

f0  Theod.  Mon.  Palid.,  p.  93.  —  Ann.  Egmund.,  p.  463.

KSaxo  Gramm.,  p.  152b,  153a.

ff  0  Heim=  I.  100.  —  Theod.  Mon.  Palid.,  p.  93.

5)  Vgl.  Helm.  I,  93.