Gegnerschaft der Welfen. 35
nach Mainz, das ja damals seines Erzhirten entbehrte, und wußte dort alle
wahlberechtigten Kleriker und Laien so zugunsten der staufischen Sache zu
stimmen, daß sie sämtlich beschlossen, den Bruder von Friedrichs II. Gemahlin
Agnes, Grafen Albert von Zweibrücken, zu ihrem Erzbischof zu wählen").
Als an dem Ausfalle der Wahl kein Zweifel mehr herrschen konnte, benachrichtigte
Friedrich seinen Bruder, den König, der nun von Cöln aufbrach und
unter dem Zujauchzen der ganzen Einwohnerschaft in Mainz einzog; hier
forderte auch er zur Wahl Alberts auf, die ohne irgendeinen Widerspruch
unter allgemeiner Beteiligung vollzogen wurde'*). Außer den zu Cöln schon
Erschienenen warteten zu Mainz Bischof Sigfrid von Speyer und Friedrich,
der sechzehnjährige vielverheißende Sohn des Herzogs von Schwaben, dem
Könige auf'“).
So konnte Konrad sich wirklich als den König der Deutschen ansehen. Von
allen Stämmen, mit Ausnahme des bayrischen, war ihm Anerkennung zuteil
geworden. Ganz Westdeutschland hatte sich entschieden auf seine Seite gestellt.
In Ostdeutschland hatten freilich die Dinge ein finstreres Aussehen. Zwar
konnte Konrad auf seinen Stiefbruder von Osterreichf) und den Markgrafen
Albrecht von Brandenburg mit Sicherheit zählen, aber von den eigentlichen
bayrischen Großen war niemand, von den weltlichen ostfälischen nur einer
erschienen: es war klar, daß sie zunächst an dem schwer gekränkten Heinrich
dem Stolzen hingen.
Wie groß mußte der Zorn Heinrichs sein, als er sich so überlistet und die
List so gut gelungen sahl Ihm, der das Königtum schon in Händen zu haben
geglaubt, war es unerwarteterweise auf das keckste entwunden, und die Fürsten
Westdeutschlands, ja Bischöfe des eigenen Herzogtums scheuten sich nicht,
den Krondieben zuzujubeln. Noch mehr wurde der Grimm des Herzogs durch
Erzbischof Konrad von Salzburg genährtif). Diesem war eigentlich weder
an den Welfen noch an den Staufern etwas gelegen; aber in den fortgesetzten
tumultuarischen Königswahlen — erkhatte sich auch anfangs gegen Lothar III.
ausgesprochen — sah er eine Beeinträchtigung des fürstlichen Rechtes und
der allgemeinen fürstlichen Macht. Ihm stimmten nun die meisten sächsischen
und bayrischen Fürsten zu: das sei ja keine gesetzliche, sondern eine heimliche,
hinterlistige Wahl, die keine Gültigkeit besitzen könnef f#). So unternahm die
antistaufische Partei zwar keine offene Gewalttat gegen den neuen König,
aber sie verharrte in schweigendem, ablehnendem Trotze.
Auf der anderen Seite scheuten Konrad und seine Umgebung den offenen
Konflikt mit dem Welfen und dessen Anhange keineswegs; sie wollten nur
% Otto Fris., G. F. ump., I. 22.
%) Otto Fri, Cbr. L. c. — An. S. Disib., l. o.
½% ) Jaffé, Konr. III., S. 9, Anmerkung 27.
1) Leopold V. Siehe Stammtafel S. 18.
t) #W# *** greniepiscohtr alzburgensis, M. G. Se. XI, p. 66.
f#l) Otto Fris., Chr. 1.0
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