22.—29.
Mais-)
36 Erstes Buch. Einleitung.
vor allem klar sein über die Stellung, die jene zu ihnen einnehmen würden.
In der Tat hatten die Staufer bei dem gegenwärtigen Stande ihrer Macht
einen Kampf mit den Welfen nicht zu fürchten, vielmehr versprach er ganz zu
ihren Gunsten auszufallen und ihnen sogar Gelegenheit zu erwünschter Vermehrung
ihrer Familienmacht zu gewähren. Deshalb beschlossen Konrad und
die Fürsten, die sich um ihn befanden, daß zu Pfingsten in Bamberg ein allgemeiner
Reichstag abgehalten werden, Herzog Heinrich dort ebenfalls erscheinen
und in Gegenwart aller Mitfürsten die Abzeichen der königlichen
Würde, die er noch inne hatte, dem Könige überliefern solle.). Zu Bamberg
mußte sich also entscheiden, ob eine Versöhnung zwischen dem staufischen
Königtume und dem welfischen Herzogtume möghlich sei, oder ob der Kampf
auf Leben und Tod zwischen beiden entbrennen müsse.
Der Glanz des Reichstages zu Bamberg übertraf alle Erwartungen. Eine
sehr große Anzahl von Fürsten hatte sich versammelt, um — durch ihr bloßes
Erscheinen oder durch ausdrückliche Zustimmung, das ist ungewiß — die Wahl
Konrads zum deutschen Könige zu bestätigen. Fast alle großen Reichsvasallen
waren dort gegenwärtig: die Herzoge Friedrich von Schwaben, Konrad von
Zähringen, Ulrich von Kärnten, Pfalzgraf Wilhelm bei Rhein, Markgraf
Leopold von Osterreich, die Erzbischöfe von Mainz und Trier, die Bischöfe
von Bamberg, Worms, Speyer, Utrecht, Eichstädt, Regensburg. Und Sachsen
hatte jeden Widerstand aufgegeben. Kaiserin Richenza hatte wohl erkannt,
daß die Wahl Konrads nicht wieder rückgängig gemacht, daß der Staufer zunächst
von ihren Freunden nicht würde besiegt werden können. Aus diesem
Grunde strebte sie nur danach, ihrem Schwiegersohne seme zahlreichen Besitzungen
und Würden zu erhalten, und deshalb, glaubte sie, sei schnelle Unterwerfung
nötig, um den König sich günstig zu stimmen. Da die Sachsen nun
nicht aus Anhänglichkeit an den Bayern Heinrich, sondern an das Andenken
des sächsischen Kaisers Lothar sich auf die Seite jenes gestellt hatten, folgten
sie jetzt dem Beispiele der Kaiserin. Richenza selbst, mit ihr der Exzbischof
von Bremen, die Bischöfe von Naumburg, Paderborn und Osnabrück sowie
Markgraf Konrad von Meißen erkannten den staufischen König an. Neben
ihnen war auch Richenzas Gegner, Albrecht der Bär, erschienen, um seine
Ansprüche bei dem Könige aufrecht zu erhalten und seine jüngsten Verdienste
um die staufische Sache zu rechter Anerkennung zu bringen?“).
So war fast das ganze Deutschland in seinen wichtigsten Vertretern um den
deutschen König versammelt, dessen Herrschaft durch die Billigung der un-#
Otto Fris., Chr. I. C. — Canonici Wissegradensis Continuatio Cosmae, M. G. Ss.
144.
5½# K das Datum und die Besucher dieses Reichstages sehe man Otto Fris., Chr.
en. 22, 23; Ann. S. Petri (Monumenta Erphesfurtensia ed. Osw. Holderger,
Hannover p. 193; Canon. Wissegr. Cont. Cosmae, p. 144; An.
.q isib., p. 25; die bei Jaffé, Konr. III., S. 10 f., Anmerk. 32 und 35, angeführten
Urkunden.
*“% . 30.