Auf diese Weise wurde das römische Reich zu einer
noch nicht dagewesenen großen Einheit verbunden,
deren Bedeutung dann erst recht hervortritt, wenn man
sie mit der Masse der unabhängigen Nationalitäten ver:
gleicht, welche früher bestanden hatten. Also auch hier
begegnet man in großartiger Weise, wie bei der Literatur
und dem Rechte, der Erscheinung, daß aus dem
Partikulären sich allmählich etwas Allgemeines entwickelt.
An der Spitze dieser Einheit stand der Prinzeps,
dessen Erblichkeit, wenn sie auch nicht geradezu ausgeschlossen
war, doch nicht als herkömmlich betrachtet
wurde.
Fragt man am Schlusse dieser Betrachtung, ob der
Orient auf die Bildung der Monarchie Einfluß hatte, so
läßt sich zwar nicht verkennen, daß einige Attribute
derselben, z. B. das Diadem, von dort herstammen : aber
der Kern dieser Institution ging aus der Macht der Verhältnisse
und dem Bedürfnisse des Landes hervor.
4.Gründung der Weltreligion
Nachdem im ersten Jahrhundert die römische Eroberung
vollzogen war, im zweiten Jahrhundert die Weltliteratur
sich entwickelt, im dritten Jahrhundert die Aus:
bildung des römischen Rechtes und zu Ende des dritten
und im vierten Jahrhundert die Ausbildung der Monarchie
in einigermaßen haltbarer Form stattgefunden
hatte, so trat nun auch die Begründung einer Welt:
religion als die größte in die Reihe der welthistorischen
Produktionen ein.
Konstantin basierte seine Würde: 1. auf seinen Sieg
und die Waffen, 2. auf die Reform der Verwaltung,
3. auf die Religion. Die welthistorische Frage ist aber
die: worauf beruht es, daß das Christentum im römischen
Reich begründet werden konnte, und hat das römische
Reich seiner Natur nach etwas hierzu beigetragen ?
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