3. September.
Bordeaux, den 3. September 1914. Der Extrazug mit dem Präsidenten Poincaré und den Ministern ist
mittags hier eingetroffen. Die Menge schrie begeistert. Vive Poincaré, vive la France. Poincaré bezog
die Präfektur. Der Dienst in den Ministerien des Krieges und des Innern ist bereits eingerichtet. Die Minister
traten unter dem Vorsitz Viviani's im Rathaus zu einer Sitzung zusammen, worin der Kriegsminister zunächst
über die militärische Lage berichtete. Es wurden hauptsächlich die Fragen der Verproviantierung beraten.
General Gallieni von Paris richtete folgenden Aufruf an das Heer und die Bevölkerung von Paris.
Die Mitglieder der Regierung der Republik verließen Paris, um der nationalen Verteidigung einen neuen Antrieb
zu geben. Ich erhielt den Auftrag, Paris gegen einen Eindringling zu verteidigen. Diesen Auftrag werde ich
bis zu Ende erfüllen.
Die Beute der Österreicher. In dem Bereich der Armeen Dankl's und Auffenberg's wurden bisher 11600
Kriegsgefangene abgeschoben. Etwa 7000 sind vorerst noch angekündigt. In der Schlacht an der Huczwa
wurden, soweit bisher bekannt, 200 Geschütze, sehr viel Kriegsmaterial, zahlreicher Train, 4 Automobile und
die Feldkanzlei des russischen 19. Armeekorps mit wichtigen Geheimakten erbeutet.
Die Zahl der Kriegsgefangenen beträgt in Deutschland 130000.— Franzosen, Russen, Belgier und Engländer.
Das Fort Amiens ist nach blurigen Kämpfen in deutschem Besitz. Der Kanonendonner dürfte von hier
aus jedenfalls in Paris vernommen werden. Daß natürlich die Pariser kopflos und in panischer Angst sind,
das kann man wohl mitfühlen.
Frankreich hat der italienischen Regierung ein Angebot auf eine Anleihe von einer Milliarde gemacht.
Der Ministerpräsident Salandra hat aber abgelehnt.
Das stellvertetende Generalkommando des 17. Armeckorpes in Danzig veröffentlicht folgenden Tagesbefehl
des kommendierenden Generals von Mackensen zum 29. August 1914.
Vorgestern, am Jahrestage der Schlacht bei der Katzbach, hat das 17. Armeekorps einen an allen Truppen
überlegenen Gegner bei Lautern geschlagen und in einer wilden starken Verfolgung über Ortelsburg wieder
nach Rußland hineingejagt. Über 50 Geschütze, zahlreiche Maschinengewehre, eine Kriegskasse und ungezählte
Heeresvorräte aller Art und mehrere Tausend Gefangene hat er in unseren Händen gelassen. Seine Rückzugsstraße
ist bedeckt von Toten. Ein voller Sieg ist von uns erfochten.
Soldaten des 17. Armeekorps! Ihr habt Euere Schuldigkeit getan. In Märschen ohnegleichen seid ihr
von einem Feinde zum andern geeilt, und mit derselben begeisterten Hingabe habt Ihr ihn angegriffen, wo Ihr
ihn fassen konntet. Ich bin stolz, solche Truppen führen zu dürfen. Ihr habt gehalten, was Euer König von
seinem 17. Armeekorps erwartete. Habt Dank für solche Treue. Neue Kämpfe stehen uns bevor, aber ich weiß,
daß ich mit Soldaten, wie mit Euch den schwersten Aufgaben entgegenstehen kann. Unser Herrgott da oben
wird mit uns sein und mit unserer guten Sache. Es lebe Seine Majestät der Kaiser, unser König und sein 17.
Armeekorps.
4. September.
Reimes ist ohne Kampf besetzt worden. Die Siegesbeute der Armeen wird nur langsam bekannt. Bis jetzt
hat nur die Armee des Generalobersten von Bülow genauere Angaben gemeldet. Bis Ende August hat sie
6 Fahnen, 233 schwere Geschütze, 116 Feldgeschütze, 79 Maschinengewehre, 166 Fahrzeuge und 12934 Gefangene
gemacht.
Im Osten unter Generaloberst von Hindenburg werden 90000 Unverwundete abtransportiert.
Das englische Hauptquartier gibt eine Verlustliste bekannt, nach welcher 18 Offiziere und 62 Unteroffiziere
als tot, 78 Offiziere, 312 Unteroffiziere und Mannschaften als verwundet und 86 Offiziere und 4672 Unteroffiziere
und Mannschaften als vermißt angeführt werden.
Die Kriegssteuer für Brüssel beträgt 200 Millionen Mark, die bereits verauslagt wurden.
Kaiser Wilhelm hat dem kommandierenden General des 14. Armeekorps unter wärmster Anerkennung
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