—- 60 —
den, gewollt und herbeigeführt haben, erleichtert ihre Lage nicht.
Schwierig ist nun ihre Lage sowohl den eigenen Völkern als den
neutralen Ländern gegenüber. So ist denn im Zorn über den
Stand der Dinge etwas vom eignen Stolze abhanden gekommen;
das Antlitz zeigt den Zustand der Seele und die gemachten Ausfälle
sind dazu bestimmt, Wut zu erregen, die Geister vom Gedanken
an den Frieden abzulenken, die Neutralen neuerdings durch
alte, längst widerlegte Märchen gegen die Zentralmächte aufzuregen
und aus ihrer Richterruhe herauszudrängen. Es sind Kniffe,
wie man sie mitunter vor Gerichtshöfen von Anwälten geringeren
Schlages angewendet sieht, Redensarten, die man unter leidenschaftliehen
Kontrahenten auf öffentlichen Märkten zu hören bekommt.
Es ist wohl möglich, daß da und dort niedrigere Kreise durch
so che Kunstgriffe bewegt und gewonnen werden, auf die Köpfe,
die vor dem Kriege schon oder auch erst im Krieg psychologisch
denken gelernt haben, auf die Gebildeten und Geraden der ganzen
Welt wirken solche Kniffe nicht. Des Schimpfens ist man müde
geworden. Zu ernst ist der Menschheit ihr Schicksal geworden,
Klarheit und Wahrheit und ein höchstes Gütiges, das ist es, wonach
alle Welt sich sehnt. Mit Wut und Keifen wird es England
nicht mehr gelingen, auch nur eine einzige neutrale Regierung,
ausgenommen vielleicht sein eigenes Kind, das englische
Amerika, für sich zu stimmen.
Was soll es heißen, um nur eines dieser häßlichen Worte
herauszugreifen, wenn gesagt wird, Deutschland und seine Verbündeten
versuchen durch ihr Friedensangebot schon zum voraus
vor den Augen der Welt neue Verbrechen zu rechtfertigen? Gerade
dieser Ausfall zeigt so recht deutlich, wie sinnlos wütend
der Verfasser der Note die Dinge auf den Kopf stellt. Hier geht
außer der Würde auch noch die Logik in die Brüche. Ist es etwa
als die Ankündigung neuer Verbrechen anzusehen, daß die Zentralmächte
die Bereitschaft zur Fortsetzung des Kampfes aussprechen
für den Fall, daß der Gegner das Friedensanerbieten