Full text: Illustriertes Realienbuch.

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dem westlichen Gebirgssaume entspringen und in ihrem langen Laufe durch 
den ganzen Erdteil sich zu einem riesigen Wassernetze entwickeln. 
In N.-Amerika ist der St. Lorenzstrom, der Abfluß der 5 großen Seen, 
und der Mississippi, der Vater der Ströme; in S.-Amerika der Orinoko, 
der Amazonenstrom und der La Plata oder Silberstrom; alle fließen in den 
Atlantischen Ozean. 
Am wasserärmsten ist Australien. In der heißen Jahreszeit sind seine 
Flüsse breite, trockene Betten, in der nassen aber wild schäumende Ungeheuer. 
Afrika sendet nach N. den Nil ins Mittelmeer, nach W. den Oranjefluß, 
den Kongo, Senegal und Gambia in den Atlantischen Ozean, nach S. den 
Nigir in den Golf von Guinea, nach O. den Sambesi in den Indischen Ozean. 
Asien hat eine große Stromentwickelung, die von seiner Mitte ausgeht. 
Die Flüsse sind häufig Zwillinge, deren Quellen und Mündungen nahe bei 
einander liegen, deren Lauf aber weit auseinander geht. Asien hat auch 
viele Steppenflüsse, die sich in Seen oder Sandwüsten verlieren. Die größten 
Seen sind: das Kaspische Meer, der Aral= und der Baikal-See. 
Wo entspringen, in welcher Richtung laufen und wohin münden: Ob und 
Jenissei, Lena, — Amur, Hoang-ho und Jang-tse-kiang, — Brahma= 
putra und Ganges, Indus, — Euphrat und Tigris, — Syr und Amu. 
Europa hat ein reiches, vielverzweigtes Flußnetz und die meisten schiff- 
baren Flüsse. Seine Ströme haben 2 Hauptquellgebiete: a) die Alpen nebst 
den angrenzenden Mittelgebirgen, b) die Waldaihöhe im östlichen Tieflande. 
Wo entspringen, in welcher Richtung laufen und wohin münden: Po, 
Rhone, Rhein, Weser, Elbe, Oder, Weichsel, Donau und Wolga? 
6. Klima und Erzeugnisse. Europa liegt fast ganz in der nördlichen 
gemäßigten Zone; sein Klima wird durch den warmen Golfstrom sehr gemildert. 
In Hammerfest, der nördlichsten Stadt, steigt die Kälte selten über 120; 
in Norwegen wachsen bis Drontheim noch Obstbäume, und in England bleiben 
im Winter die Herden auf dem Felde. 
Asien liegt zum größten Teile in der nördlichen gemäßigten, zu einem 
kleinen Teile in der heißen, Afrika fast ganz in der heißen Zone, Australien 
u beiden Seiten des südlichen Wendekreises; Amerika streckt sich durch alle 
Bonen. In Europa und Asien bezeichnet die oben genannte Gebirgsachse 
eine schroffe Scheide des Klimas und damit der Pflanzen, Tiere und Völker. 
Jede geographische Breite hat ein anderes Pflanzenkleid; schon beim Besteigen 
hoher Gebirge kann man die verschiedenen Pflanzengürtel unterscheiden. 
Vom Aquator nach N. reisend, findet man nach einander: Palmen, Lor- 
beeren u. a. immergrüne Sträucher, Südfrüchte, Weinstöcke, blattwechselnde 
Laubhölzer, Obstbäume und Getreide, Nadelhölzer, Birken, Ebereschen, allerlei 
Beeren, Moose und Flechten. An wichtigen Tieren für den menschlichen Haus- 
halt hat der Norden: Renntiere, Walfische, Heringe und Pelztiere, der Süden 
Kamele und Elefanten, die gemäßigte Zone unsere Haustiere. 
7. Die Menschen werden in 5 Rassen unterschieden: a) die mittel- 
ländische (weiße oder kankasische) in Europa, Westasien, Nordafrika und 
Amerika, b) die weizengelbe oder mongolische in Nord= und Ostasien, 
Jc) die schwarze oder äthiopische (Neger) in Mittel= und Südafrika, 
d) die rauchbraune oder malaiische in Südostasien und Australien, 
e) die kupferrote oder amerikanische (Indianer) in Amerika (als Ur- 
einwohner). — Als Religion herrscht in Europa, Amerika und Australien 
das Christentum, in Westasien und Nordafrika der Islam, in den übrigen 
Ländern das Heidentum. Doch sind in allen Ländern Christen als Missionare 
Polack, Heimat= und Erdkunde. 2