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Becken mit Leuchtgas gesammelt hat und bei Bohrungen nun in reicher Fülle
zutage springt. Der Bernstein ist ein versteinertes Baumharz an der Ostsee.
Er ist meist gelb, durchscheinend, schließt häufig Insekten ein, verbrennt mit
angenehmem Geruche und wird zu allerlei Schmucksachen verarbeitet. — Der
Schwefel ist gelb, entzündet sich leicht, brennt mit blauer Flamme und er—
stickendem Geruche und wird zu Schießpulver, Schwefelsäure, Schwefelhölzchen,
zum Bleichen und zu Arzneien verwandt.
74. Das Eisen.
1. Das Eisen ist das unentbehrlichste Metall. Weil es heutzutage bei
Bauten, Gewerben und im Kriege die Herrschaft führt, hat man unser Zeitalter
das eiserne genannt. — 2. Das Eisen ist schwarzgrau, hat Metallglanz,
schmilzt schwer, erweicht und dehnt sich aber in der Feuersglut und läßt sich
hämmern und zusammenschweißen. Es ist 7—8 mal so schwer als ebensoviel
Wasser, wird durch Bestreichen mit einem Magnet magnetisch, d. h. zieht wie
ein Magnet Eisen an, und rostet, d. h. verbindet sich bei Feuchtigkeit mit dem
Sauerstoff der Luft und bildet einen neuen Körper, den Rost. — 3. Es findet
sich fast in allen Ländern, besonders in England, Schweden und Deutschland,
meist als Erz, d. h. mit anderen Mineralien verbunden, aber auch in Meteor-
steinen, Stahlbrunnen, in den Pflanzen und im Blute. Bleichsüchtige haben zu
wenig Eisen im Blute. — 4. Zahllos sind die eisernen Gerätschaften; sogar
Teile von Häusern und Schiffen gießt man aus Eisen. Aus Stahl, d. h. Eisen
— ———+ mit mehr Kohlenstoff, als das Schmiede-
1 eisen enthält, werden die feinsten und
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flchärfsten Instrumente verfertigt.
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* 5. Das Eisen wird in Bergwerken ge-
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wonnen. Durch den Schacht steigt man
senkrecht in die Tiefe; in den wagerechten
Stollen schlagen die Bergleute die Erze
los und fördern sie durch die Schachte
ans Licht. In Pochwerken werden sie
erstampft und in Trögen gewaschen,
in Hochöfen geschmolzen. Letztere sind
wohl 13 m hoch, haben Auffahrten,
und man schaut in sie wie in einen tiefen
Brunnen. Abrwechselnd schichtet man
darin eine Lage Kohlen und eine Lage
Erz auf und befördert das Schmelzen
durch beigemengten Flußspat oder
Quarzfsand, je nach den natürlichen Ge-
— — mengteilen der Eisenerze. Gewaltige
63 Hochofen. Blasebälge schüren unten das Feuer, bis
zuletzt der Ofen voll eines glühenden Erzbreies ist. Mit eisernen Stangen wird
nun die Thür unten geöffnet und das glühende Erz mit großen Schöpflöffeln
in die Gußformen im feuchten Sande gegossen, die es gleich feurigen Schlangen
durcheilt und ausfüllt. Die Gemengteile bilden mit dem zugefügten Zuschlag
ein Glas, das unter dem Namen Eisenschlacke bekannt ist und zu Mauerwerken
verwendet wird. Durch abermaliges Schmelzen, Glühen und Hämmern wird
das Gußeisen in Stab= und Schmiedeeisen verwandelt. In einer Eisen-
hütte herrscht ein betäubendes Getöse von dem Rauschen des Wassers,
dem Achzen der Räder, dem Donnern der Hämmer und dem Zischen des Eisens.