Full text: Illustriertes Realienbuch.

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71.Walfisch(1120»nat.Gköi-e). 
sammeln sie sich herdenweise. Bald fahren sie in ruhiger Majestät durch die 
Tiefe, bald segeln sie mit der Schnelligkeit des Dampfers an der Oberfläche, 
bald spielen sie wie lustige Riesenkinder umher, bäumen sich hoch auf wie Rosse, 
stellen sich auf den Kopf und strecken die Schwanzfinne gen Himmel, bald 
peitschen sie das Meer zu Schaum oder schwimmen schlafend wie Leichen auf 
dem Meere. Länger als 10 bis 15 Minuten halten sie's selten unter dem 
Wasser aus. — 4. Die Walfischkost besteht in allerlei kleinen Meertieren; für 
große ist der Schlund zu eng. Will das Ungetüm tafeln, so nimmt es ein Maul 
voll Wasser mit all seinen zappelnden Bewohnern, stößt das Wasser durch die 
Lippen, fängt aber die Tierlein zwischen den Fransen der Barten wie in einem 
Siebe. — 5. Um Thran und Fischbein zu gewinnen, segeln alljährlich Hunderte 
von Walfischfängern in die kalten Meere und machen Jagd auf die Riesentiere. 
Ist ein Walfisch entdeckt, so nähert sich ihm vorsichtig ein bemanntes Boot. 
Plötzlich saust eine Harpune daher, dringt tief ins Fleisch des Tieres und hakt 
sich mit den Widerhaken darin fest. Wie ein Pfeil schießt das getroffene Tier 
senkrecht in die Tiefe und rollt dabei das Seil der Harpune von einer Winde 
ab, oft so schnell, daß man das Seil zerhauen muß, um nicht mit dem Boote in 
die Tiefe gerissen zu werden. Blutig färbt sich das Meer. Nach einigen 
Minuten kommt der verwundete Wal wieder an die Oberfläche, um Luft zu 
schöpfen. Neue Harpunen fliegen auf ihn und böören sich ein; immer schwächer 
wird das Tier durch den Blutverlust, bis es zuletzt verendet und am Schiffe 
festgeankert wird. Mit Axten wird der Speck herausgehauen, in Kesseln aus- 
getocht und der Thran in Fässer gefüllt. — 6. Der Walfisch ist dumm und feig. 
ein Plätschern im Wasser und der sausende Flug eines Vogels scheuchen ihn in 
die Tiefe. Rührend ist die Liebe zu seinem Jungen; lieber rennt er ins Ver- 
derben, als daß er dasselbe in Gefahr verläßt. Ein neugeborenes Walfischlein 
ist größer als ein Ochs, saugt aber an seiner Mutter wie ein Kälblein. In den 
Rücken des Walfisches bohren sich allerlei Schmarotzer ein. Seevögel begleiten 
ihn, um ihn von den Plagegeistern zu befreien, verraten ihn aber dadurch nicht 
selten seinen Feinden, den Walfischfängern. 
Der Delphin ist der kleinste, aber raublustigste Wal. Er hat eine blau- 
schwarze, unten weiße Haut und ein schnabelförmiges Maul mit vielen Zähnen. 
Er folgt herdenweise den Schiffen. 
84. Der Hering. 
1. Der Hering gehört zu den Grätenfischen, die ein inneres Knochengerüst 
haben. — 2. Er wird bis fußlang, ist oben bläulich grau und unten silber-