— 120 — III'
Bei geringerer Entfernung, z. B. in Zimmern, fallen hin= und hergehende
Schallwellen zusammen und verstärken den Ton. In großen Sälen und Kirchen
bilden sie den unangenehmen Nachhall. Wenn die Entfernung größer als 36 m
ist, so entsteht ein meh'ilbiges Echo. Wenn sich verschiedene Wände in gehöriger
Entfernung und Stellung die Schallwellen zuwerfen, so entsteht ein
mehrfaches Echo, z. B. auf dem Königsplatz in Kassel ein 9 faches, am Loreleyfelsen
ein 17faches, auf einem Schlosse bei Mailand ein 40— 50 faches.
Der Ton ist um so höher, je
— — — nehr Schwingungen er hat. Sei
. . . . Saiteninstrumenten schwingen die
144. Die Schwingungen einer Saite. Saiten 144) ! Blainstrumenten
und Orgelpfeifen die eingeschlossenen Luftsäulen, beim Sprechen die
Stimmbänder. (Vergl. S. 93.)
· c)WieentstehtderPeitschenknall?WiederDonner?WarumistderSchall
in der Nähe stärker, in der Ferne schwächer? Warum sieht man die Axt eines
fernen Holzhauers früher niederfallen, als man den Schall hört? Warum hört
man fernen Kanonendonner und Hufgetrappel besser, wenn man das Ohr an
die Erde legt? Warum trägt das Sprachrohr den Schall vernehmlich in die
Weite, selbst bei Sturmgebrüll und Wogenrauschen auf dem Schiffe ? Woher
rührt die Taubheit? Warum geben dicke und lange Saiten tiefere Töne als
kurze und dünne? Warum hört man eine Spieluhr oder Weckerglocke nicht mehr
unter der luftleeren Glasglocke der Luftpumpe? Warum kann man mit einer
ausgeschnittenen Gänsegurgel noch Töne hervorbringen, wenn man hineinbläst?
VI. Das Sicht.
22. Das Auge und das Sehen. a) Vergl. S. 89 den Bau des
Auges! b) Das Licht ist eine Erscheinung, welche durch die Schwingungen des
Athers entsteht. Der Ather, wohl auch Weltenäther genannt, ist ein unsichtbarer,
unwägbarer, feiner Stoff, der das ganze Weltall und alle Körper
durchdringt. Das nimmt uns wunder, daß etwas, das wir nicht sehen, da
sein soll — und doch ist es so. Wir sehen ja auch die Elektricität nicht, und
doch ist sie da, denn wir sehen sie wirken, den Wagen treiben und die Depesche
schreiben. Auch die Elektricität ist Ather, und zwar fließender. Alles das,
was den Ather so in Schwingungen versetzen kann, daß Licht entsteht, nennt
man Lichtquellen. Lichtquellen sind: die Sonne sowie alle Fixsterne,
brennende Körper, die Elektricität; außerdem können genannt werden phosphoreszierende
Körper und leuchtende Tiere (Johanniswürmchen). Phosphoreszierende
Körper sind solche, welche, wenn sie von irgend einer starken
Lichtquelle beschienen worden sind, im Dunkeln nachleuchten. Am stärksten
phosphoresziert die sogenannte leuchtende Materie, ein Stoff, der auf chemischem
Wege hergestellt wird. Das Licht verbreitet sich gradlinig nach allen
Seiten. Man spricht von Lichtstrahlen, und zwar versteht man unter
einem Lichtstrahl alle die schwingenden Atherteilchen, welche in einer geraden
Linie liegen. Nur dann wird ein Körper sichtbar, wenn er Lichtstrahlen in
unser Auge sendet. Nach ihrem Verhalten zu den Lichtstrahlen teilt man
sämtliche Körper ein in durchsichtige, durchscheinende und undurchsichtige.
Durchsichtige Körper sind solche, welche das Licht so vollkommen hindurchlassen,
daß man die dahinter stehenden Gegenstände deutlich sehen kann.
(Glas, klares Wasser, Luft). Durchscheinende Körper sind solche, welche
das Licht so unvollkommen hindurchlassen, daß man die dahinter stehenden
Gegenstände nicht deutlich sehen kann, vielleicht nur in Umrissen (Milchglas der