Abstammung. 21
Eine direkte Vergleichung der Farbe der Haare, Augen und der
Haut mit den Schädelformen ist bis jetzt, mit Ausnahme der in meiner
Abhandlung über die württembergischen Schädelformen S. 5 gegebenen,
nicht möglich gewesen. Sicher ist, daß beide Eigenschasten einander nicht
vollständig decken. Es kann dies unter einer so gemischten Bevölkerung
wie der württembergischen auch gar nicht anders sein. Bei der Aufnahme
der Schulkinder konnten die dem germanischen und die dem brünetten Typus
näher stehenden Mischformen nicht auseinander gehalten werden; ohne
Schädelmessung war dies ja nicht möglich. Aber auch in diesem Fall
hätte man kein vollständiges Ergebnis erhalten, weil die Körpergröße ge-
fehlt hätte. Allein aus meinen früheren alle typischen Eigenschaften um-
fassenden und aus den vorliegenden Untersuchungen geht, wie sich später
noch ergeben wird, mit Bestimmtheit hervor, daß die Farbe der Augen
und Haare um so heller wird und die Körpergröße zunimmt, je näher
man in den Mischformenreihen dem germanischen Typus kommt.
Wie sich die Schädelform der Erwachsenen etwa zu der Farbe der Haare und
Augen der Schulkinder verhält, wenn es erlaubt ist, zwei so verschiedene Beobachtungs-
reihen zu vergleichen, geht aus der Vergleichung der Schädel des Schelzkirchhofes
in Eßlingen und der Pfarrkirche von Nußdorf mit dem bei den Schulkindern
dieser Gemeinden Gefundenen hervor.
Eölingen hatte 22,59, germanische, 216 % brüneite, 55,9 /% gemischte Schulkinder,
12.0% " 30,2 % brachncephale, 51,9% orthocephale und
diesen verwandte Schädel.
Nußdorf „ 16.7% 9 32,7 % brünette, 59,6// gemischte Schulkinder,
15,7% 256.8 % brachucephale. 48.67% orthocephale und
verwandte Schädel.
Unter den germanischen und brachycephalen Schädeln sind auch die ihnen nahe-
stehenden Mischformen begriisfen, welche nach meiner Erfahrung vorwiegend helle oder
dunkle Haare und Augen haben.
Für das Studium der Mischformenreihen muß ich auf meine Abhandlung
über die württembergischen Schädelformen verweisen. Es versteht sich von selbst,
daß die Typen mit ihren Mischformen zunächst vom morphologischen Standpunkt
aus geordnet werden mußten, denn dieser ist die unentbehrliche Grundlage aller
weiteren Untersuchungen. Ihr genealogisches Zustandekommen aus den einzelnen
Elementen konnte dort nur an einjzelnen Beispielen dargelegt, nicht aber voll-
ständig bis ins Einzelne verfolgt werden, weil diese große Arbeit massenhafte, von
einem Einzelnen kaum ganz zu bewältigende, Beobachtungen voraussetzt. Daß dies
genealogische Moment ein Hauptfaktor bei dem Zustandekommen der Mischformen=
reihen ist, bezweifelt indeß Niemand, der mit der nöthigen Unbefangenheit eine
größere Reihe von Beobachtungen gemacht hat.
Eine bequeme und jedem, dem die nöthigen geschichtlichen und kranio-
logischen Kenntnisse abgehen, auch am nächsten liegende Erklärung ist die,
daß die Typen und ihre Mischformen Abänderungen einer und derselben
Schädelsorm durch äußere Einflüsse seien. Da diese Einflüsse aber immer
und überall wirken, so ist es gar nicht möglich, diese Form näher zu