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Geld an Bord hat? — Wenn er das häit', dann
würd es ihm den Deubel was nützen, wenn er
auch seine Sachen wieder rauskriegte!“
Marie wurde dunkelrot.
„Na ja!l — Laß einen doch bloß in Frieden!
Na jal — Was weiß ich von Malten? — Man
kann doch mal 'n Wort zusammen reden!"
Gustav schielte ihr unter den Helgoländer und
dann wieder zu Boden.
„HmlI — und ich kann, wenn ich will, das
Boot behalten und auf die andere Seit als sein
Mietsmann zieh'n!“ grunzte er, „das hat sich
der große Herr ja recht ne't ausgedacht!“ —
Jetzt zitterte das Mädchen am ganzen Leibe.
„Was du nur immer so giftig auf Malten bist?!
— Aber so bist du immer gewesen!“
„Das hat noch kein Mensch gesagt. Bloß dul“
— Das „bloß du!“ hatte traurig geklungen.
Aber unbewußt wehrte Marie sich gegen diesen
Eindruck.
„Ja, weil du solch Inheimscher bist und die
andern nichts merken läßt!“ rief sie grausam.
„So? bin ich?“
Marie wandte sich ab und stieg schnell die
Schlucht bis zur Kante des Puttgartener Weges
empor.
Gustab tat noch ein paar tappende Schritte hinter
ihr drein. Doch sie drehte sich nicht um. Da
gab er sein Vorhaben auf.
Eine kleine Weile sah er ihr unter dem
abgeränderten Strohhut nach.
Sie ging nicht im Fahrweg, sondern auf dem
höher gelegenen Fusssteg. Und so geschwind gina
sie, dan der leichte Sommerrock um sie her flog und
ihre Pantoffeln nur so klapperten. Sie hatte eine
dralle und doch zierliche Gestalt.
Auf einmal war sie in der Tiefe verschwunden.
Er horchte, denn ihm war, als höre er sie
singen.
Ohne recht zu wissen, was er tat, stieg er auf
die Kapellenhöhe.
Neßen der Kavelle stand schief auf einem Bein
ein kleiner, schwarz angestrichener, aber trotzdem
stark wurmstichiger Opferstock.
Fremde, oft ausländische Schiffer, die bei widrigem
Wind in der Vitter-Bucht vor Anker gingen,
pflegten ihm kleine Kupfer= oder Silßbermünzen
anzuvertrauen, um sich dadurch vom Lenker der
Wogen eine glückliche Ausfabrt und Weiterreise zu
erkaufen. Und manchmal verirrte sich auch das
größere Dankopfer eines aus Sturmesnot Geretteten
unter die geringen Spenden.
Daß auch Einheimische in den Stock opferten,
fam selten vor.
Aber es kam doch vor. Besonders an der
Grenze von Glauben und Aberglauben.
Gustav Piper zäßlte nicht zu den Einfach-Gläuhigen.
Daf'r beschlich ihn — als wolle das
Schicksal das Höhnische seines eigenen Mesens gegen
ihn ausspielen — bisweilen der Aberglaube.
halb
Unser Dommerland
Ein Aberglaube, von dem er sich keine Rechenschaft
ga'; sonst hätte er ihn selbst verlacht.
Einige Augenblicke klapperte er mit der Hand
in der Hosentasche. Am Ende mußte er doch ene
andere heiraten!
Aber ihm siel keine ein. Ihm war nie eine
andere zum Heiraten eingefallen, als Marie Beethmann.
Plötzlich griff er energisch zwischen Nägeln und
Schlüsseln in die Tiefe und hielt auch gleich darauf
ein Nickelstück zwischen den Fingern.
Dann sah er sich scheu, beinah feindselig ringsum.
Er stand
Höhe.
Auf einmal hörte er seine zehn Pfennige in den
Opferstock fallen.
Sie fielen hart auf, und der Klang hallte ihm
noch lange im Ohr nach, denn er war sonst ein
sparsamer, ja fast mehr als sparsamer Mensch. —
Was wollke er eigentlich? Wollte er, daß sein
Bruder Malte Havarie habe?
Er schob den Hut weit aus der Stirn und
dann wieder tief hinein. Der sonst blaßgesich'ige
Mann war kirschrot. — Und laut pfeifend kehrte
er ins Dorf zurück.
Er pfiff sonst nie. Aber wenn
wollte er auch einmal pfeifen.
- e
Längst waren die Strandpredigten vorüber.
Blumen und Kräuter in der Schlucht hatten abgemutterseelenallein
auf der sonmmigen
Marie sang,
bl'iht und die letzten zerrissenen Fähnchen des Altweibersommers
hingen, in schmutzige Knäuel zusammengepeitscht,
an braunen Grashalmen. Die
Laubreste in den Obstbäumen waren schwarz vom
Regen, und ganz vereinzelt leuchtete noch einmal
ein rötliches oder goldgelbes Blatt aus dem dunklen
Gezweig.
In den Aesten knackte und heulte der Sturm.
Gröhlend pfiff er um Stall= und Häuserecken und
in unregelmäßigen Atemstößen trug er die Brandung
der tief aufgewühlten, oft mikfarbenen See
ans Land.
In den Hütten wurden früh die kleinen Petroleumlampen
angezündet, aber aus Sparsamkeit
so niedrig wie möglich geschraubt.
Ein Tag verging wie der andere.
Nur Ansang Oktober hatten die Vitter eines
Nachmittags ein Ereignis zu verzeichnen gehabt.
„Marieken!“ hatte Vater Beethmann zweimal
durchs Vorderfenster gerufen.
durchs Vorderfenster.
Sie war nicht in der Stube. Doch rief er so
hastig, daß sie im Stall darauf aufmerksam wurde
und geschwind um die Ecke kam.
Der alte Beethmann mit dem runden, noch immer
rosigen Gesicht und den bellen munteren Augen
war lebhafter als die übrigen Vitter, sonst wöäre
es ihm nicht eingefallen, seine Tochter zu rufen,