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Varzin, den 13. Juli 1867.
Unterredung mit dem Geheimen Justizrat
Dr. Gustav von Wilmowski, betreffend den
Juristentag.)
Bismarck suchte durch Wilmowski im Sinne der natio-
nalen Einigung auf den Juristentag zu wirken, der im August
1867 in München zusammentrat. Wilmoweki bereitete einen
Antrag vor, der Juristentag solle seine Ueberzeugung aus-
sprechen, daß eine gemeinsame Gesetzgebung zu erstreben sei.
„Warum“, — fragte Bismarck — „soll der Juristen-
tag nur seine Ueberzeugung aussprechen? Er kann ja auch pe-
titionieren!“
· Wilmowski wendete ein, daß dies den Tendenzen des
Juristentages micht entspreche, weil er sich grundsätzlich nur
als wissenschaftliche Vereinigung ansehe. „Schaden könnte es
immer nicht,“ erwiderte Bismarck, „wenn der Juristentag bei
*) Die obenstehende und die folgenden Unterredungen Bis-
marcks mit Wilmowski sind dem Werke Gustav v. Wilmowsti:
Meine Erinnerungen an Bismarck. Aus dem Nachlaß herausge-
geben von M. v. Wilmowski, Breslau, Verlag von Eduard Tre-
wendt entnommen.
Der erste Sommer, den Bismarck in Varzin zubrachte, entlockt:
ihm die Aeußerung: am liebsten ginge er gar nicht wieder aus
Varzin heraus. Als sein Bruder, der Geheime Regierungsrat von
Bismarck, Landrat zu Naugard, welcher ihn zum ersten Besuch
nach Varzin begleitet hatte, ernsthaft erwiderte: „Jal daran
ist doch noch nicht zu denken!“, meinte er freilich: „Für jetzt
wird das allerdings noch nicht gehen!“ —
Nach der Versicherung Wilmowskis erregte es Bismarcks
Unmut, wenn er während der Erholungszeit in Varzin mit Detail-
arbeiten behelligt wurde. In großem Aerger erklärte er unter
anderem, er werde in seiner Muße unnötig vom auswärtigen Mi-
nisterium gequält; die Herren hätten nicht die Kourage, eine De-
pesche selbständig zu schreiben, und schickten ihm dicke Gortscha-
kowm'sche Depeschen zur Erledigung nach Varzin. — Als eine Folge
der Verstimmung Bismarcks über den unfreiwilligen Rückzug in
der Luxemburger Frage darf man folgende, im Sommer 1867
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