Full text : Also sprach Bismarck. Band II. 1870 - 1888. (2)

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Wiedergewinn  dieser  verlorenen  italienischen  Landesteile  an—
zustreben.  Ich  für  meine  Person  lege  auf  Erhaltung  des
Friedens,  wenigstens  für  Deutschland,  den  größten  Wert
und  das  größte  Gewicht,  und  ermuntere  niemanden,  seine
Hand  nach  fremdem  Besitz  auszustrecken.  Nicht  die  harten
Kämpfe  auf  dem  Balkan  noch  die  betises,  Mac  Mahons
und  seiner  Minister  sind  es,  die  mir,  was  leider  so  oft
der  Fall  ist,  schlaflose  Nächte  bereiten,  obwohl  ich  gestehen
muß,  daß  die  letzteren  Kämpfe,  hinter  welchen  ich  die  Hand
des  Vatikans  und  der  Jesuiten  gewahre,  mich  näher  berühren
als  die  Kämpfe  um  Plewna.““)

Als  das  Gespräch  auf  die  Beziehungen  Deutschlands  zu
Frankreich  kam,  und  Crispi  dem  Kanzler  die  Absicht  zuschrieb,

*")  Nach  der  in  Kohls  Bismarck-Regesten  unerwähnten
Broschüre:  „Graf  Andrassy  auf  der  Anklagebank  der  Delegation“,
München  1878.  Der  Verfasser  der  erwähnten  Broschüre  bemerkt:
Sollten  vielleicht  einige  deutsche  oder  italienische  Blätter  geneigt  sein,
den  Inhalt  dieser  Unterredung  in  gewohnter  diensteifriger  Weise
zu  dementieren,  so  würde  der  Verfasser  nicht  Anstand  nehmen,
aus  seiner  Anonymität  herauszutreten  und  die  Quelle  (Andrassy?)
ungescheut  zu  nennen,  welcher  er  diese  schätzenswerte  Mitteilung
verdankt.  Bedeutsam  ist  noch  folgende  Stelle  der  Broschüre:
Wiederholt,  besonders  nachdrücklich  aber  anfangs  Herbst  1877,
ließ  Fürst  Bismarck  das  Kabinett  Melegari-Nicotera,  mit  dem
er  eigentlich  niemals  so  ganz  zufrieden  war,  warnen,  die  Agitation,
welche  die  Annexion  des  Trentino  und  Triests  sich  zur  Aufgabe  gestellt
  hatte.  ja  nicht  zu  begünstigen,  da  es  sich  sonst  Verlegenheiten
  bereiten  möchte,  welche  das  Deutsche  Reich  nicht  zu  verhindern
  imstande  wäre.  Denn  niemals  würde  es  letzteres  gutheißen
  oder  gar  dazu  behilflich  sein,  daß  gewisse,  früher  zum
ehemaligen  Deutschen  Bunde  gehörige  Länder  und  Teile  Oesterreichs
  von  Italien  beansprucht  und  seinem  Besitze  einverleibt
werden  sollten.  Der  Vorwand,  daß  ein  großer  Teil  dieser  Gebiete
  italienisch  spreche  und  dem  Anschluß  an  das  Königreich
geneigt  wäre,  könne  nicht  als  stichhaltig  befunden  werden.  Herr
v.  Keudell  war  beauftragt,  auf  die  Sprachverschiedenheit  der
polnischen  Provinzen  Preußens  hinzuweisen  und  zu  betonen,  daß
das  Deutsche  Reich  niemals  diese  Teile  herausgeben  würde.