Full text: Das Königreich Württemberg. Zweiter Band_1. (2)

Körperliche Beschaffenheit. 51 
Ich werde für die Beantwortung dieser Frage nachher noch weitere 
Momente in Betracht ziehen. Vorher möchte ich nur kurz noch etwas 
von den Größeverhältnissen der württembergischen Frauen 
sagen. Bis jetzt haben sich alle Größebestimmungen nur auf die Militär— 
musterungen, also auf einen bedeutenden Theil der männlichen Bevölkerung 
beschränkt. Die Frauen sind noch nie in größerer Zahl gemessen worden. 
So bleibt also nichts übrig, als für die Frauen die Größe auszurechnen, 
welche sich aus dem gewöhnlichen Größeverhältnis zwischen Männern und 
Frauen ergibt. Quetelet gibt für dieses Verhältnis die Proportion 
16: 15 an. Bei einer Mittelgröße der zwanzigjährigen Männer von 
165,1 cm würde sich also für die württembergischen Frauen ähnlichen Alters 
ein Mittelmaß von 154,8 cm ergeben. Bis auf Weiteres dürfte diese Zahl 
wenigstens als eine wahrscheinliche zu bezeichnen sein. Bei diesen Schätz- 
ungen ist immer in Betracht zu ziehen, daß die Körperlänge der germani- 
schen Stämme auch noch über das zwanzigste Jahr hinaus etwas zunimmt. 
Nächst der Körpergröße hat in neuerer Zeit besonders die Form 
des Kopfes, des Schädel= wie des Gesichtstheiles bei der 
Untersuchung und Beschreibung der verschiedenen Volksstämme die Auf- 
merksamkeit der Forscher auf sich gezogen. Für Württemberg hat Hölder 
durch seine ausgedehnten und werthvollen Schädelmessungen den Grund 
gelegt. Er ist durch diese zu der Annahme gekommen, daß ein größerer 
Längedurchmesser des Schädels, also die langschädlige oder dolichocephale 
Form des Kopfes immer mit bedeutenderen Körpermaßen verbunden ist 
und immer auf germanischen, speziell auf alemannischen Ursprung hinweist, 
während die breiteren, brachycephalen Schädel zusammen mit geringerer 
Körpergröße den Nachkommen anderer Volksstämme angehören. In Unter- 
schwaben finden sich nach ihm vorwiegend germanische Bevölkerungen nur 
in der Baar, am Fuße der Alb bis Rottweil, dann über Gmünd hinaus 
und auf einem kleinen Theile der Filder. Diese Landestheile tressen fast 
genau zusammen mit dem vorhin umschriebenen Landstriche, welcher Körper- 
maße von besonderer Größe aufweist, und wo diese unabhängig erscheinen 
von der Bodengestaltung und von der Lebensweise. Auch im Allgäu trifft 
eine bedeutende Körpergröße mit dolichocephalem Schädel zusammen. Aber 
in anderen Theilen der von Hölder entworfenen Karte widersprechen sich 
mehrfach die beiden Momente. Im württembergischen Franken ist der 
dolichocephale Schädel häufiger bei einer kleineren Bevölkerung. Zu beiden 
Seiten der Donau liegt trotz vorwiegend brachycephalen Schädels die 
Körpergröße über dem Mittel. Nur im Schwarzwald trefifen Vrachncephalie 
und geringe Körpergröße zusammen. 
Nächst der Schädelform verdient die Farbe der Augen, der 
Haut und der Haare eine besondere Berücksichtigung. Ueber die