Bauernkrieg.
nicht durch Kauf Eigentum geworden sind,
fallen von den Herrschaften an die Gemeinden
zurück; die Zehnten und 77
werden vermindert, Fronen abges
Der Verfasser dieser Artikel ist unbekannt;
nach einigen war es Christoph Schappeler
in Memmingen, nach andern Hubmeier
in Waldshut.
Während die Aufständischen, an deren
Spitze Hans Müller von Bulgenbach
trat, täglich an Zahl wuchsen, war der
Schwäbische Bund, dessen Truppen der
Hauptmann Georg Truchseß von Waldurg
führte, im Krieg mit dem Herzog
Ulrich begriffen, der Württemberg wiedererobern
wollte. Im März 1525 empörten
sich auch die Bauern * besonders
im Odenwald, unter Georg Metzler
und Oippler und zwangen die Grafen
von Hohenlohe und viele Adligen die
zwölf Artikel anzunehmen. Wer sich weierte,
verlor Gut und Leben. Berüchtigt ist
onders der Überfall von Weinsberg (im
April), wo der Graf von Helfenstein mit
vielen Rittern den Tod in den Spießen
der entmenschten Bauern fand. Selbst
mächtige Städte, wie Heilbronn, schlossen
sich jetzt aus Furcht den Bauern an. Diese
wählten auf Hipplers Vorschlag den Ritter
Götz v. Berlichingen zum Feldhauptmann
und zwangen ihn, die Führung wenigstens
für einen Monat zu übernehmen.
Zu Anfang Mai waren die Bauern in
ganz Süddeutschland im Üübergewicht, und
geistliche wie weltliche Fürsten mußten sich
u Verhandlungen mit ihnen herbeilassen,
in denen sie Abschaffung der Mißstände
verhießen. Die revolutionäre Bewegung
teilte sich auch den Städten mit und versuchte
hier die Vorrechte der Geistlichkeit
einzuschränken. Die Aufständischen faßten
sogar eine Anderung der Reichsverfassung
ins Augc, und in Heilbronn sammelten
sich Abgeordnete aus vielen Gauen
und berieten einen Entwurf, der manchen
fruchtbaren Gedanken enthielt, wie Säkularisation
der geistlichen Güter zur Entschädigung
der weltlichen Fürsten und Herren,
Stärkung der Macht des Kaisers, Einit
von Münze und Gewicht, gemeinames
Schiedsgericht. Doch so schnell, wie
die Bewegung um sich gegriffen, ward sie
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auch unterdrückt. Der Truchseß von Waldburg
schlug die Bauern Württembergs bei
Sindelfingen, vereinigte sich mit dem Kur-.fürsten
von Trier und Pfalz und rückte
gegen die Bauern in Franken, von denen
ein Teil vergeblich das feste Schloß bei
Würzburg bestürmte. Am 2. Juni stießen
die vereinigten Fürsten auf den Odenwälder
Haufen bei Königshofen an der Tauber
und vernichteten ihn. Eine falsche
Siegesnachricht lockte auch die in Würzburg
zurückgebliebenen Haufen herbei,
denen nun ein gleiches Schicksal bereitet
wurde. Schonungslos wurden die Bauern
niedergemetzelt und auch die Städte, die
mit ihnen gemeinschaftliche Sachegemacht,
wie vor allen Würzburg, hart bestraft.
Götz v. Berlichingen wurde zwei Jahre
in Augsburg gefangen gehalten und dann
nach seiner Burg Hornberg verwiesen.
Schwerer war es am Oberrhein und in
den Gauen am Bodensee, des Aufstands
Herr zu werden. Doch fand der Truchseß
von Waldburg an Georg Frundsberg und
den Schweizern thatkräftige Unterstützung.
Inzwischen war auch die Empörung in
Thüringen, wo sie einen mehr religiösen
Charakter trug, unterdrückt. Hier war
Thomas Münzer (s. d.) in Mühlhausen
als Prophet aufgetreten, riß die Herrschaft
in der Stadt an sich und verleitete das
Landvolk zum Aufstand. Vergebens hatte
Luther, dem die Bauern die zwölf Artikel zuschickten,
zum Frieden gemahnt, wenn er
auch manche ihrer Horderungen für billig
erklären mußte. Als dann die Kunde von
Münzers Greuelthaten zu ihm drang,
verdammte er in seiner Schrift »Wider
die räuberischen und mörderischen Bauernden
Aufstand auf das entschiedenste. Schon
15. Mai wurde der thüringische Haufen
unter Münzer bei Frankenhausen (s. d.)
vom Landgrafen Philipp von Hessen, dem
Kurfürsten Johann von Sachsen und den
sächsischen Herzögen Georg und Heinrich
vernichtet, und Münzer büßte seinen Frevel
mit dem Tode. Die Folge des Bauernkriegs
war fast überall eine noch größere Unterdrückung
des Bauernstands, und der Fortgang
der Reformation, die als Deckmantel
für jene Greuel hatte dienen müssen,
wurde in manchen Gegenden gehemmt.