l. Das Heidentum, das überall in Deutschland geschlagen
und mit großer Gewalttätigkeit ausgerottet worden
war, zogsichin den höchsten Norden zurückundkonzentrierte
sich dort bei den Normannen mit der fortwährenden
Tendenz, gegen das Christentum vorzudringen.
2. Ein anderes wichtiges Moment war, daß die Nor»
mannen jetzt die Seefahrt am besten ausübten!) und dadurch
imstande waren, die entferntesten Küsten mit
Leichtigkeit zu beunruhigen. Sie richteten ihre Raubzüge
an die Elbe, an die Schelde, an die Mündungen der französischen
Flüsse usw. An der Elbe wurden sie im Jahre 880
geschlagen und konnten sich seit dieser Zeit in Deutschland
nicht mehr recht festsetzen. Desto mächtiger wur:
den ihre Angriffe auf Frankreich und England, welch
letzteres Land sie schon ganz in Besitz hatten, bis sie
durch Alfred besiegt und mit Gewalt zum Christentum
bekehrt wurden. Dieser Kampf mit den Normannen beherrschte
überhaupt das ganze Jahrhundert und war von
der größten Bedeutung, weil die Normannen zu mächtig
waren, als daß sie nicht in die große europäische Völker:
familie hätten aufgenommen werden müssen. Die glücklichen
Kämpfe Heinrichs des Finklers und Ottos I. gegen
die Normannen und Dänen waren auch insofern von
Wichtigkeit, als sie dazu beitrugen, eine gewisse Ober>
hoheit des Deutschen Reiches über seine Nachbarn zur
Anerkennung zu bringen.
Wenn wir nun unsere Aufmerksamkeit auf Frankreich
richten, so sehen wir dort die ohnehin ohnmächtigen
Karolinger noch dazu auf das heftigste von den Nors>
mannen bedrängt, so zwar, daß sich 911 Karl der Einfältige
genötigt sah, eine Provinz an der nördlichen
Küste Frankreichs (die Normandie) an den Normannenherzog
Rollo abzutreten. Unter diesen Kämpfen war besonders
das Haus eines gewissen Grafen Robert erstarkt,
der sich am besten darin hervorgetan hatte und der
1) Sie waren es auch, welche im 10. Jahrhundert bereits Amerika
entdeckten, welches sie Vinland, d.i. Weinland nannten.
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