Full text : Königlich-Baierisches Regierungsblatt. 1807. (2)

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Virrichtungen  eines  Baders  und  Barbiers;
ohne  irgend  einen  medizinischen  Unterricht  erhalten
  zu  haben,  erdreusten  sich  die  meisten,
ob  sie  sich  sleich  nicht  an  die  Sehandlung
eines  Be.  bruchs  oder  eine  Verrenkung  wagen,
weil  ein  krun  #  Bein  ihre  Ignoranz  überall
zur  Schau  trat,  würde,  gleichwohl  die
schwersten  und  gesät,  chsten  innerlichen  Krankheiten
  zu  behandeln;  ind  indem  sie  nun  einerseits
  gerade  das  nicht  sind,  was  sie  seyn  sollten,
  nämlich  Wundärzte,  andererseits  aber
sich  anmaßen,  Aerzte  zu  seyn,  sind  sie  anstatt
nüzliche,  wirklich  schädliche  Staatsgli.der.

Die  öffentliche  Wohlfart  erheischt,  deß
in  Zukunft  keine  Wundärzte  mehr  ausgenommen
  werden,  von  denen  man  nicht  die  verläßigsten
  Beweise  hat,  daß  sie  die  erfoderliche
  theoretische  und  praktische  Vildung  erhalten
  haben,  und  demnach  im  Stande  seyen,
in  ihrem  bedeutenden  Kreise  anstatt  Boses,
Gutes  zu  wirken.

Zu  diesem  Zwecke  findet  man  folgende
Verfügungen  nöthig:

1).  Nirgends  darf  in  Zukunft  die  Orts-Polixey
  einem  Wundarzte  die  Ausübung  seiner
Kunst  erlauben,  wenn  er  sich  nicht  durch  ein
Zeugniß  von  der  unterzeichneten  Stelle  ausweisen
  kann,  daß  er  geprüft,  und  approbirt
sey,  und  die  Erlaubniß  erhalten  habe,  sich
in  dem  Orte  niederzulassen.

3)  Dersenige  Wundarzt,  der  zur  Prüfung
  zugelassen  zu  werden  wünscht,  muß
burch  einen  Advokaten  oder  Prokurator  bey
unterzeichneter  Stelle  darum  schriftlich  an- 



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suchen  lassen;  seiner  Bittschrift  die  Unterrichts-Zeugnisse
  anlegen,  und  angeben,  wo
er  sich  ansäßig  machen  moöchte.

3)  Der  die  Erlaubniß  erhalten  hat,  zur
Prüfung  zu  erscheinen,  hat  sich  am  ersten
Tage  des  Monats  bey  den  Räthen  der  2ten
Sektion  der  rien  Deputation  zu  melden,  welchesodann
  den  Prüfungs-Tag  bestimmen  werden.

4)  Die  Prüfung  ist  zweyfach,  nämlich
eine  schriftliche,  und  mündliche;  nur  derjenige,
der  in  beyden  Genüge  leistet,  wird  approbirt.

*75)  Jeder  Chirurg,  der  geprüft  und  approbirt
  werden  will,  muß

à)  zugleich  auch  Geburtshelfer  seyn,

b)  die  Schuzpocken  Impfung  auszuüben
  verstehen.

6)  Da  die  aufgestellten  Aerzee  unmöglich
allen  Erkrankenden  zu  jeder  Zeit  den  nöthigen
schleanigen  Beystand,  zumal  auf  dem  Lande,
leisten  können,  so  muß  derjenige  Chirurg,  der
sich  auf  dem  Lande,  oder  in  einer  Landstadt  ansähig
  machen  will,  auch  Medizinal-Gehilfe
seyn.  Diejenigen  medizinischen  Kenntnisse,
die  er  deshalb  in  der  Pruͤfung  an  den  Tag
legen  muß,  sind  unter  dem  12.  Juuh  1805,
im  XXV.  Stuͤcke  des  Schwaͤbischen  Regierungsblattes
  bestimmt  worden.

7)  Keine  Behoͤrde  darf  zugeben,  daß  ein
Wundarzt  eine  sogenannte  Baders=  oder  Barbiers=
  Gerechtigkeit  kaufe,  bevor  er  sich  nicht
ausgewiesen  hat,  daß  er  geprüft,  und  approbirt
  sey.