Metadata : Königlich-Baierisches Regierungsblatt. 1808. (3)

1703

send  ergreifen  und  fortbilden,  theils,  um  als
Staatsdiener  in  der  Staats--Arzneikunde  auftreten
  zu  koͤnnen.  Dieser  Unterricht  soll  einer
beschränkten  Anzahl  von  Schülern,  deren  Auß
nahme  durch  gewisse  narürliche  und  erworbene
F  higkeiten  bedingt  ist,  unenrgeldlich  ertheilr,

und  ihre  Vorrechte  und  Obliegenheiren,  so  wie.

ihr  Verhältniß  zu  dem  übrigen  ärztlichen  Personal
  sollen  gesezlich  bestimmt  werden.

Diesen  Unsern  allerhöchsten  Absichten  entfprechend,
  beschliessen  und  verordnen  Wir  also,
wie  folgt:

Erster  Artikel.
Die  Schule  betreffend.

#  Die  chirurgischen  Schulen  zu  München,
Bamberg  und  Innsbruck  sind  von  Ostern  1800
an  aufgehoben.  Bon  dem  Tage  der  Bekanntmachung
  des  Gegenwärtigem  an  sellen  von
diesen  Schulen  keine  Kandidaten  mehr  aufgenommen
  werden.

2.  Zu  München,  Bamberg  und  Innsbruck
sollen  von  Ostern  1o0  an  Schulen  für  Land-Aerzte
  bestehen.

3.  Der  Zweck  dieser  Schule  ist,  mit  dem
meglich  geringsten  Aufwande  von  Zeit  und
Mirneln  aller  Art  eine  besondere  Klasse  von
Aerzten  zu  bilden,  die  von  der  Medizin,
Chirurgie  und  Geburtshülfe  ausschließlich  nur
dasjenige  erlernet,  was  sich  zunächst  auf  deren
Anwendung  am  Krankenbette  bezieht;  was
naͤmlich  zur  Erkenntniß  und  zur  Heilung  der
gewoͤhnlich  vorkommenden  Krankheiten  in  diesen
  Zweigen  der  Arznei-Wissenschaft  fuͤhrt.
Hingegen  soll  von  den  Studien  auf  denselben

—  ——

1704

alles  dasjenige  ausgeschlessen  seyn,  was  der  im
höheren  Sinne  wissenschaftlich  gebildete  Arzt
wissen  muß,  um  theils  zur  Fertbildung  seiner

.Wissenschaft  thätig  mitwirken,  und  in  den

schwierigsten  und  sekrener  vorkommenden  Fallen
Rath  geben,  theils,  um  vom  Staate  in  dee
Staats-  Arzneikunde  gebraucht  werden  zu  können.
  Die  auf  diesen  Schulen  zu  bildenden
Techniker  sollen,  so  viel  als  möglich,  sinnlich
das  Material,  an  welchem  sie  ihre  Kunst  ausüben
  sollen,  und  die  Handgriffe  und  Werkzeugs
dazu  kennen  lernen,  und  sich  in  Handhabung
derselben  eine  mechanische  F.rtigkeit  erwerben,
Nach  diesem  Maßstabe  sollen  sie  mic  den  für
sie  brauchbaren  Kenmeunissen  in  folgenden
Zweigen  der  Heilkunde  unterrichtet  werden:

a)  Anatomie;

b)  Physiologie;

c)  Pathologie;

d)  Zeichenlehre;

e)  Heilmitteilehre  und  Pharmacie;

f)  Allgemeine  und  besondere  Therapie;

g)  Geburtshuͤlfe;

h)  miedizinische  und  operative  Chirurgie;

i)  Diaͤtetik;

k)  Unterricht  in  gerichtlichen  Untersuchungen

  und  Sektionen.

Bei  allen  diesen  Lehren  ist  vor  allen  Dingen
dahin  zu  sehen,  daß  die  zu  bildenden  Techniker,
den  vollen  siunlichen  Eindruck  von  allen  Gegenstaͤnden,
  uͤber  die  sie  unterrichtet  werden,  erhalten;
  daß  also  auf  dem  anatomischen  Theater,
wie  in  den  Krankensälen  unablässig  auf  die
Beebachtung  der  Natur  hingewiesen,  und  dem
Gedaͤchtnisse  durch  so  oft,  wie  möglich  wieder-