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gewalt sind grundverschieden. Die politische Gewalt
entsteht aus dem Vertrag, dem freien Übereinkommen,
wenn die einzelnen ihre natürlichen
Rechte der Gesamtheit übertragen und die Gesamtheit
oder das Volk einen Richter und Souverän
erwählt (V 391) zum Schutze von Leben
und Eigentum. Die Bewahrung der Gesellschaft
ist somit das gemeinsame Gesetz für alle Staatsformen.
Im Staatsvertrage verpflichtet sich der
einzelne zur Unterwerfung unter die Beschlüsse
der Mehrheit, soweit dieselben gerecht, d. h. mit
dem natürlichen Gesetz im Einklange sind. Die
Teilung der Gewalten im Staate, die Zuweisung
von Gesetzgebung und Exekutive an gesonderte
Träger ist das oberste Gesetz des Gedeihens für
den Staat. Das Volkswohl ist das leitende
Prinzip jeder Staatsform. Sobald der Gesetzgeber
oder Souverän dieses Wohl verletzt, hat
das Volk das Recht, seine Selbsterhaltung gegen
den Gesetzgeber geltend zu machen, d. h. das Recht
der Revolution. In seiner Erörterung des Eigentums
endlich, das er ganz und gar auf die Arbeit
begründen will, und der damit zusammenhängenden
Begriffe der Volkswirtschaft erscheint er als
der Wegbahner Adam Smiths.
Im Jahre 1690 erfolgte die Ausgabe des
Essay concerning Human Understanding,
welcher im Verlaufe der Zeit neue Zusätze und
manche Abänderungen erfuhr. Es ist dies das
philosophische Hauptwerk Lockes. In ihm hat er
eine Reihe von Untersuchungen über die Art und
Weise der Gedankenbildung, des menschlichen
Erkennens niedergelegt. Neben Bacon wird
Locke als Begründer der Erfahrungswissenschaft
genannt. Er unterscheidet eine äußere und eine
innere Erfahrung. Die erstere kommt ausschließlich
durch die Sinneswahrnehmung, die letztere
durch Reflexion zustande. Locke bekämpft die von
Cartesius vertretene Annahme angeborner Ideen
und bezeichnet die Seele als leere Tafel. Die
Wissenschaft besteht nach Locke echt nominalistisch
nicht in dem Erfassen der Sache selbst — Locke
ist der heftigste Gegner des Sachbegriffs oder der
Substanz —, sondern lediglich in einer subjektiven
Verbindung oder Trennung unserer Vorstellungen.
Dieser Nominalismus auf dem Boden der Wissenschaft
ist für die Rechts- und Staatswissenschaft
im Sinne Lockes von folgenschwerer Bedeutung.
Soweit die Wahrheit nichts Objektives, sondern
lediglich das Produkt menschlicher Gedankentätigkeit
ist, hat auch der Unterschied von gut und bös,
die Voraussetzung der Ethik und der Rechts= und
Staatslehre, lediglich subjektive Bedeutung, beruht
auf Übereinstimmung oder Nichtübereinstimmung
a) mit den göttlichen, b) den bürgerlichen,
IP) den sittlichen Gesetzen der öffentlichen Meinung.
So mündet seine Staatslehre in einen
subjektiven Liberalismus aus. Die Stützen des
Staates selbst sind die schwankende öffentliche
Meinung und die Ubereinstimmung der Bürger
(contrat social).
Locke.
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Der Brief über Toleranz rief eine Reihe von
Gegenschriften hervor, so daß Locke sich genötigt
sah, zu seiner Verteidigung einen zweiten und
dritten nachfolgen zu lassen. Nebenbei befaßte sich
Locke mit Fragen der Nationalökonomie,
vor allem mit Reformen des auch in England daniederliegenden
Münzwesens. Er schrieb an John
Somers einen Brief: The Consequences of the
Lowering of Interest and Raising the Value
of Money (Works V). Die Höhe des Zinsfußes
wird durch das Bedürfnis, d. h. durch die Nachfrage
nach Kapital bestimmt, ebenso wie der Wert
des Geldes selbst nach dem Verhältnis des Geldmarktes,
d. h. des Angebotes und der Nachfrage
sich reguliert. Geld ist selbst nach dieser Seite
Ware. Den Reformen des Münzwesens sind gewidmet
die Schriften: Observations on Silver
Money; Further Considerations on Raising
the Value of the Money. Locke galt als eine
Autorität auf diesem Gebiete. Er wurde 1696
Mitglied des board of trade.
Die Briefe, welche Locke an S. Clarke von Holland
aus über Erziehung seiner Kinder schrieb,
ließ er 1693 unter dem Titel erscheinen: Some
Thoughts concerning Education (Works IX).
Dadurch hat Locke sich in der Geschichte der
neueren Pädagogik eine Stellung erworben.
Rousseau ist auch hier von Locke abhängig. Was
Locke im Anschluß an spezifisch englische Verhältnisse,
ausgehend von dem Grundsatze der freien
Individualentwicklung und der Ausbildung der
Selbsttätigkeit über das spielende Lernen, die
freien Leibesübungen, über Gedächtnisbildung,
über das Erlernen der neueren Sprachen, über
Anschauung und Ubung sagt, hat die moderne
Pädagogik zu einem wertvollen Bildungsmittel
aufgenommen (Works IX 169s).
Locke ließ 1695 die Schrift Reasonableness
of Christianity as Delivered in Scriptures erscheinen.
Dieselbe zielt auf eine Vereinigung sämtlicher
christlichen Konfessionen und Sekten auf dem
Grunde der in der Heiligen Schrift niedergelegten
Fundamentallehren, mit Darangabe alles dessen,
was die Konfessionen zu trennen geeignet wäre.
Natürlich ist der philosophische Standpunkt Lockes
der Schlüssel des Verständnisses der Schrift und
der Grund, weshalb sich dagegen ein Sturm von
Streitschriften erhob. Gegen John Edwards und
John Norris, einen Schüler von Malebranche,
wendete sich Locke in ausführlichen Streitschriften.
Unterdessen hatte John Toland, ein irischer Freidenker
und fanatischer Gegner der katholischen
Kirche, in einer Schrift Christianity not Mysterious
manche Partien des Lockeschen Essay konslemen
im Sinne des Antichristentums gedeutet.
Nun erhob sich der Bischof von Worcester, John
Stillingfleet. 1696 in seiner Vindication of the
Doctrine of the Trinity. Die Spitze der Polemik
des Bischofs gegen Locke ging dahin, daß der
Lockesche Empirismus notwendig in Skeptizismus
ausmünde, daß, wenn der Zweck des Lockeschen