Full text: Königlich-Baierisches Regierungsblatt. 1810. (5)

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Aufruf 
zur Unterstäzung der durch einen Blizstrahl ihrer 
Häuser und Fahrnisse verlurstigten 95 Famillen 
des Städtleins Weilheim. 
  
Am 3. des vorigen Monats zündete ein 
Blizstrahl in dem Städichen Weilheim drei 
Hüuser zugleich, und legte bei einem heftigen 
Winde 85 Häuser in die Asche. Da die mei- 
sten Einwohner in Geschäáften abwesend wa- 
ren, so wurde selbst ihre Fahrniß ein Opfer 
der Flammen. — Der ganze Schaden belauft 
sich ouf 97,406 fl. 
Schon im Jahre 1744 brannte das ganze 
Städtlein ab, und die Söhne und Enkel 
fühlten und sahen nun in dem Leben der 
Wirklichkeit, was sie nur in dem Bilde Dder 
Erzählung ihrer Vaäter gesehen hatten. 
Wenn es bieblinge des Gläckes gibt, so 
scheint das Ungluck die Bürger von Weilheim 
zu den Seinigen gewählt zu haben. 
In den beiden verflossenen Jahren raubte 
Mißwachs und Hagelwerter ihnen den Segen 
der Aerndte. — Während des lezten Krieges 
kamen bei ihrer Lage an der Grenze des in 
Aufruhr gestandenen Tirols über die treuen, 
ofr der stärkern Wehre entblößten, Angrenzer 
viele Uund vielerlei Bedrängnisse, deren An- 
denken jezt nicht aufgeregt werden darf; — 
selbst nach abgeschlossenen Frieden weilte auf 
ihren Fluren noch der Tummelplaz des Krie- 
ges, und das Städtchen allein trug, neben 
den stärksten Lieferungen, eine Quartierlast 
von 092,000 Mann. 
Epidemische Krankheiten folgten nach, wel- 
che vorzüglich alle Bewohner der oberen Vor- 
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stadt ergriffen, und viele zu ihrem Opfer 
machten. 
Endlich wagten die Genesenen sich des neuen 
Lebens, alle sich des Friedens und des Gedei- 
hens der Fruͤchte ihrer friedlichen Erde zu 
freuen, als am 3. des verflossenen Monats 
jener Blizstrahl ihre Wohnungen, und am 
23. der Hagel wieder die Hoffnung der Aerndte 
zerstörte. — Und die Sonne des Friedens 
schien für Weilheim nur darum aufgegangen 
zu seyn, um die Brandstätte ihrer Wohnun- 
Fen, die Verwüstungen ihrer Felder, und die 
Grabhügel ihrer schwächeren Gefährten des 
Unglücks zu beleuchten. 
Tief gerührt von diesem Elende haben Sei- 
ne königliche Majestär in Ihrer Milde, wel- 
che, wenn sie Grenzen findet, diese nur nicht 
in dem königlichen Herzen finden kann, unter 
andern Bitten auch die um die öffentliche 
Ausschreibung einer Sammlung wobleh tiger 
Gaben gewährt, und dem unterzeichneten Ge- 
neral-Kommissariate den gemässen allergnädig- 
sten Auftrag ertheilt. 
Freundlichst ladet daher Dieses saͤmtliche 
königliche Behörden ein, an ihre Amtsunter- 
gebenen das Wort der Liebe, die Hoffnungen 
und das religisse Vertrauen der Unglücklichen 
auf die Wohlthätigkeit ihrer glücklicheren Brü- 
der zu bringen, die Gaben einzusammeln, und 
an dasselbe einzusenden. 
Die wieder aufstehenden Häuser werden die 
Denkmale des Dankes seyn; schönere und un- 
vergänglichere werden sich die Geber in den 
betenden Gefühlen der Empfänger stiften, 
und die schönsten in ihren eigenen Herzen,
	        
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