Volltext : Central-Blatt für das Deutsche Reich. Neunundzwanzigster Jahrgang. 1901. (29)

592  Abschnitt  IX.  Strafgesetzbuch.  Hochverrath  und  Landesverrath.

Sind  mildernde  Umstände  vorhanden,  so  tritt  Festungshaft  von  sechs
Monaten  bis  zu  drei  Jahren  ein.  ..  *2“  6

s.  87  ).  Ein  Deutscher,  welcher  sich  mit  einer  ausländischen  Regierung
einläßt,  um  dieselbe  zu  einem  Kriege  gegen  das  Deutsche  Reich  zu  veranlassen,
wird  wegen  Landesverraths  mit  Zuchthaus  nicht  unter  fünf  Jahren  und,  wenn
der  Krieg  ausgebrochen  ist,  mit  lebenslänglichem  Zuchthaus  bestraft.

Sind  mildernde  Umstände  vorhanden,  so  tritt  Festungshaft  von  sechs
Monaten  bis  zu  fünf  Jahren  und,  wenn  der  Krieg  ausgebrochen  ist,  Festungshaft
  nicht  unter  fünf  Jahren  ein.  ·  «

Neben  der  Festungshaft  kann  auf  Verlust  der  bekleideten  öffentlichen
Aemter,  sowie  der  aus  öffentlichen  Wahlen  hervorgegangenen  Rechte  erkannt
werden.

§.  88.  Ein  Deutscher,  welcher  während  eines  gegen  das  Deutsche  Reich
ausgebrochenen  Krieges  in  der  feindlichen  Kriegsmacht  Dienste  nimmt  oder  die
Waffen  gegen  das  Deutsche  Reich  oder  dessen  Bundesgenossen  trägt,  wird  wegen
Landesverraths  mit  lebenslänglichem  Zuchthaus  oder  lebenslänglicher  Festungsaft

  bestraft.
baf  ft  ildernde  Umstände  vorhanden,  so  tritt  Festungshaft  nicht  unter
fünf  Jahren  ein.  ..  —

Ein  Deutscher,  welcher  schon  früher  in  fremden  Kriegsdiensten  stand,  wird,
wenn  er  nach  Ausbruch  des  Krieges  in  der  feindlichen  Kriegsmacht  verbleibt
oder  die  Waffen  gegen  das  Deutsche  Reich  oder  dessen  Bundesgenossen  trägt,
wegen  Landesverraths  mit  Zuchthaus  von  zwei  bis  zu  zehn  Jahren  oder  mit
Festungshaft  von  gleicher  Dauer  bestraft.  Sind  mildernde  Umstände  vorhanden,
so  tritt  Festungshaft  bis  zu  zehn  Jahren  ein.

Neben  der  Festungshaft  kann  auf  Verlust  der  bekleideten  öffentlichen
Aemter,  sowie  der  aus  öffentlichen  Wahlen  hervorgegangenen  Rechte  erkannt
werden.

§.  89.  Ein  Deutscher,  welcher  vorsätzlich  während  eines  gegen  das  Deutsche
Reich  ausgebrochenen  Krieges  einer  feindlichen  Macht  Vorschub  leistet  oder  der
Kriegsmacht?)  des  Deutschen  Reiches  oder  der  Bundesgenossen  desselben  Nachtheil
zufügt,  wird  wegen  Landesverraths  mit  Zuchthaus  bis  zu  zehn  Jahren  oder  mit
Festungshaft  von  gleicher  Dauer  bestraft.  Sind  mildernde  Umstände  vorhanden,
so  tritt  Festungshaft  bis  zu  zehn  Jahren  ein.  #

Neben  der  Festungshaft  kann  auf  Verlust  der  bekleideten  öffentlichen
Aemter,  sowie  der  aus  öffentlichen  Wahlen  hervorgegangenen  Rechte  erkannt
werden.

§.  90  ).  Lebenslängliche  Zuchhausstrafe  tritt  im  Falle  des  §.  89  ein,
wenn  der  Thäter

1.  Festungen,  Pässe,  besetzte  Plätze  oder  andere  Vertheidigungsposten,  ingleichen
  Theile  oder  Angchörige  der  Deutschen  oder  einer  verbündeten
Kriegsmacht  in  feindliche  Gewalt  bringt;

2.  Festungswerke,  Schiffe  oder  andere  Fahrzeuge  der  Kriegsmarine,  ötlentliche
  Gelder,  Vorräthe  von  Waffen,  Schießbedarf  oder  andere  Kriegsbedürfnisse,
  sowie  Brücken,  Eisenbahnen,  Telegraphen  und  Transportmittel
in  feindliche  Gewalt  bringt  oder  zum  Vortheile  des  Feindes  zerstört
oder  unbrauchbar  macht;

3.  dem  Feinde  Mannschaften  zuführt  oder  Angehörige  der  deutschen  oder
einer  verbündeten  Kriegsmacht  verleitet,  zum  Feinde  überzugehen;

4.  Operationspläue  oder  Pläne  von  Festungen  oder  festen  Stellungen  dem
Feinde  mittheilt;

5.  dem  Feinde  als  Spion  dient  oder  feindliche  Spione  aufnimmt,  verbirgt
oder  ihnen  Beistand  leistet,  oder

6.  einen  Aufstand  unter  der  deutschen  oder  einer  verbündeten  Kriegsmacht

erregt.

1)  Vergl.  außer  §§.  56,  57,  61,  160  Mil.  Str.  G.  B.  das  Ges.  betr.  den
Verrath  militärischer  Geheimnisse  vom  3.  Juli  1893  (R.  G.  Bl.  S.  205).

:)  §.  11  Ges.  3.  Juli  1893.

3)  In  der  Fassung  des  §.  11  a.  a.  O.