58 Das Deutsche Reich und seine einzelnen Glieder. (März 6.)
Beamtenkategorien aufgestellt sind. Ich freue mich aber, daß trotz dieser
Grundsätze erhebliche Gehaltsverbesserungen eingeführt sind. Zunächst soll
für die Bahnmeisterstellen ebenso wie im Abfertigungsdienst eine Dreiteilung
stattfinden. Von solchen Stellen sind 150 im neuen Etat vorgesehen.
Die Rangiermeister und Weichensteller I. Klasse sowie die Haltestellenaufseher
sollen das Höchstgehalt jetzt nach 15jähriger Tätigkeit erhalten.
Für die Stationsvorsteher II. Klasse konnte eine Gehaltsaufbesserung
nicht stattfinden, für diese Beamten ist aber eine Aufbesserung in den
Stellenzulagen eingetreten. Zwei neue Stellen sind außerdem eingesetzt,
auf die ich besonderen Wert lege, das sind die Rottenführer und Schirrmänner,
um dadurch einen ständigen Stamm von Arbeitern heranzubilden,
daß wir ihnen die Vorteile des Beamtentums geben. Ferner ist vorgesehen
die Schaffung von 779 Stellen für Lokomotivführer und Maschinisten,
569 Zugführerstellen, 1650 Stellen für Schaffner und Bremser,
766 Lokomotivheizer, also eine Vermehrung, wie sie vom Personal nicht
größer verlangt werden kann. Auch das Wohnungswesen ist gefördert
worden. Gegenwärtig verfügt die Staatseisenbahnverwaltung über 39000
eigene Wohnungsgebäude, 2700 mehr als im Vorjahre. Unsere Unterstützungsfonds
sind auch wieder verbessert worden. Gegenwärtig stehen
uns 5723000 Mark zur Verfügung. Die neugegründete Krankenkasse hat
sich schnell entwickelt. Im ganzen sind an Ausgaben für die Beamten
10 1/3 Millionen Mark mehr vorgesehen als im Vorjahre. Natürlich würde
es unmöglich sein, bei einem so großen Beamtenheer jeden einzelnen zufrieden
zu stellen. Allen Beamten und Arbeitern muß ich das Zeugnis
ausstellen, daß sie mit außerordentlicher Pflichterfüllung ihr Amt versehen
haben, daß sie allen Ansprüchen, die an sie gestellt worden sind, in noch
so schwieriger Zeit genügt haben. Es ist unbedingt nötig, daß wir uns
alle als ein einheitliches Korps fühlen, um die Fühlung mit unseren Beamten
und Arbeitern zu behalten. (Bravol) Die zweite Aufgabe der
Eisenbahn ist, gute Einnahmen zu erzielen. Die Einnahmen aus den
Eisenbahnen betragen ungefähr 20 Millionen Mark mehr als die gesamte
Einkommensteuer beträgt. (Hört, hört!) Diese glänzende Gestaltung der
Eisenbahnverwaltung ist zweifellos im wesentlichen auf eine Steigerung
des Erwerbslebens zurückzuführen, aber auch eine Folge der ausgezeichneten
Organisation, die mein Amtsvorgänger vor zehn Jahren eingeführt
hat. Wenn heute in unserem Betriebe weniger Beamte beschäftigt sind
als damals, so sind diese nicht dem äußeren, dem Betriebsdienst entzogen,
sondern den Schreibereien und den Bureaus. Mindestens 60 Millionen
sind an Verwaltungskosten erspart durch Verminderung dieser Verwaltungsbeamten.
Trotzdem ist der Geschäftsgang ein flotter geblieben. Je weniger
Schreiber an einer Sache sitzen, desto schneller geht sie. (Sehr richtig!)
Die Verwaltung hat natürlich die Pflicht, alle Fortschritte auf technischem
Gebiet sich angelegen sein zu lassen. Drei große Verkehrsfragen beschäftigen
uns jetzt: die Umleitung im Güterverkehr, die Bildung einer Betriebsmittelgemeinschaft
und die Personentarifreform. Die Verhandlungen über
die Umleitung im Güterverkehr sind abgeschlossen. Preußen ist zugestanden,
daß es sich in loyaler Weise in dieser Angelegenheit benommen hat und
seine Hauptstellung in keiner Weise ausgenutzt hat, um seine Nachbarn zu
schädigen. Was die Betriebsmittelgemeinschaft angeht, so werde ich bei
der Spezialdiskussion darüber Rede stehen. Die Personentarifreform beschäftigt
mich besonders. Ich bin der Ansicht, daß es unmöglich ist, das
jetzige System beizubehalten. Ich muß aber wiederholen, daß ich nur für
meine Person und nicht für das Staatsministerium spreche. Ich halte
das jetzige System für fehlerhaft, veraltet und ungerecht. Es ist eine Qual