495 Schurzfell — Schuß.
gurtct sich Joh. 13, 4; als Schonkleidung und Abzeichen
verschiedener Gewerke, schurz eines Maurers
(auch eines Freimaurers), Schlossers, Anfladers u. s. w.;
gärtnerschurz Wieland Ob. 10, 53; blumenbut und
schurz . die zeichen eines lausers Immermann
Münchh. 1, 93; legt ab nun schurz und kelle (ihr
Bauleute) Freiligrath 2, 145; selten als Frauenlleidung
Bürger Graf Walter; — in mannigsacher
Bed. als technisches Wort: bei Maurern Schornsteinmantel
eines Rauchfanges; an Salzloten unterster Teil
des Kotdaches; im Bergwerk Bezeichnung verschiedener
Ketten; in der Landwirtschaft bestimmter, nach dem
Alter abgeteilter Haufe Schweine. Dazu Schurzfell, n.
Fell, Leder, das einen Schurz bildet, cincoriun, subligaculum
Stieler, mhd. schurzvel; der handwerker
mit seinem schurzsell Freytag Bild. 1, 273.
Schürze, k. tuchähnliche Belleidung unterer Leibesteile,
Nebensorm zum Masc. schurz, dem mud. schorte
Teil der Rüstung die den Unterleib deckt, altnord. skyrta
Hemd entsprechend, gewöhnlich auf einen bestimmten
Teil der Frauenkleidung eingcengt: blauc, weisze, grohe
schurze Stieler; schurze mit latz, latzschurze; schurze
umthun, vorbinden; von Kindern sich an die schurze
der mutter anklammern, sich hinter der schüurze verstecken;
ctwas in der schürze bringen, balten; spottend:
ihr wiszt, wärum die sehurze sich so zur ungebühr
dem armen Lenchen kurze Voß 6, 174; schurze für
Frau oder Mädchen selbst: einen menschen, der nicht
in den fesseln der schürzen steekt Benedix Lustsp.
3, 8; wenn wir eine hubsche schurze treffen, musz sie
gekuszt werden zärtl. Verw. 1, 4; — schurze eines
Mannes: um dic lenden hatte er eino weisze schurze
geschlagen Schiller 4, 214; knabe der eine frisirschurze
umgegurtet. hatte Goethe W. Meister 2, 4;
bader erkennt man an der schurze Götz 1; — bei
Jägern übertragen auf einen langen Zopf weißer Spieß-=haare,
den das Rehwild hinten statt des Schwanzes
hat Jacobsson; im Bergwerk sind schurzen, fangschürzen
eine Art kurzer Ketten am Wassergöpel ebd. —
schürzen, gürten, in die Höhe befien mhd. schurzen,
Ableitung vom Adj. ahd. scurz (vgl. unter dem Masc.
schur), mit der weiteren Bed. des Kürzens überhaupt
G. B. rede Martina 17, 60); in engerer Bed. von dem
Ausnehmen und damit Kürzen eines Kleides: sasccungere
schurzen, schurzen, schirzen, schorzen Dies. (vgl. auch
aufschurzen); rock, kleid; schuürzt das röckchen Hölty
132; begrifftauschend: oft schürzt sie . den schlanken
schwanenweiszen arm Wieland Ob. 8, 45; refl.:
schurze dich und diene mir Luc. 17, 8; das mudchen
.. schürzte sich hastig Heyse 5, 209; im Part.: die
zuo der fluhte sint geschurzet Kv Würzburg vied.
385, 31; nach nymfenart geschurzt Wieland urteil
des Paris 121; — übertragen: scine lippen schurzte
cin erhabener unmuth Immermann Münchh. 3, 39;
— gewendet auf das Schlingen und dadurch Kürzen
eines Fadens, Gewebes: ein seil man ouch ddG schurzte
umbe sinen bals Passional 218, 94; bei Webern schurzen,
Faden durch Schleise oder Knoten zusammen binden;
bildlich: den faden . zum knoten, Zzum dramatischen,
zu schurzen Heyse 3, 152; lösung desjenigen knotens,
den jene herren mit mehr leichtigkeit als geschick
schurzten Bismarck Red. 2, 118; des cignen loebens
räthscl mir zu schurzen Leuthold Ged. 177; vgl. auch
unter knoten; dazu: schurzung des knotens (bei einem
Trauerspiel) Schiller 3, 180.
Schuß, m. Zustand und Handlung des Schießens,
ahd. scuz. mhd. schuz. wonchben auch die Form schuz,
schutz erscheint, die sich landschaftlich fortsetzt: der erste
schutz der war vollendt Grob Ausreden der Schützen
in Haupts Zeitschr. 3, 244, und sich bairisch und alemannisch
bis heute hält; nach den verschiedenen Bed.
des Verbums; schnelle Bewegung (vgl. schieszen 1):
Schußfeld — Schußgeld. 496
des blitzen schuz Minnes. 3, 168:: der pfeilgerade
schusz der schlangen Schiller Zerst. Trojas 36; schusz
des wassers (schneller Fluß) Adelung; besonders noch
in den Formeln im schusse sein: das wasser, der vogel
ist im schusse ebd., und in den schusz kommen: die
lawiue kam in schusz Freiligrath 3, 156; ich sah,
wie es (ein Blatt) gemüchlich von welle zu welle
schlupfte, auletzt kam es in schusz und schwamm
siott dahin Keller Werke 1, 285; übertragen: schon
herr Walter bedarf der ermahnerin, gleieh dem papa
dort, kommt er in schusz Voß Lnise 1, 520; auch:
die schollen rollten, schusz auf schusz Bürger Lied
vom brav. Manne; von Pflanzen, — Emporschießen,
und soviel in einem Jahre emporwächst (im Wechscl
mit schosz 1, s. d.): frühlingsschusz der tannen, des
tazus; der stolze königliche wuchs des ersten schusses
Goethe Clav. 4; beim Pressen von Saft und Wein,
= was dabei mit Macht hervorfließt: den ersten schusz
vom räfel oder sndern edlen suszen trauben Hohberg
1, 356; unsinnlicher — plötzlicher, rheumatischer Schmerz,
pgl. auch hexenschusz: kraut und wurzel (vom Baldrian)
.stillet das hauptwoehc, legt die schusz Bock Kräuterb.
49; — nach schieszen 2 und 3, Handlung des Schießens
und das geschleuderte Geschoß: schusz mit dem bogen,
der flinte, kanonc; einen schusz thun, der schusz gebt
los, sitzt, steckt im ziele, im körper u. s. w.; scharte,
blinde (Freytag Soll2, 153) schusse; (sie sollten)
schieszen, ir ieglicher nut me denne drige schutze
D. Städtechr. 9, 916; meine schussc abgebend und mein
gewehr wioder ladend Keller Werke 1, 156; dasz er
seinen schusz selbst lade Nachl. 296; mit Sing. zu
Plur., wie bei andern Zahlbestimmungen (vgl. stuck):
geschahen .. zween schusz Simpl. 2, 282; es heißt
einem in den schusz rennen (Schiller Räub. 2, 3),
laufen, auch übertragen: soll mir der dintenkleckser
einmal in den schusz laufen Kab. 2, 4; sprichwörtlich,
weit vom schusz Wieland Ob. 3, 47; das (daß es)
gut sei weit vom schusz Fischart podagr. Trostb. B22;
keinen schusz pulver woert sein, vgl. unter pulver; als
Maß der Entfernung buchsenschusz (s. dort); frei und
bildlich: dasz wir gleich auf den ersten blinden schusz
daron lausen Bismarck Red. 1ll. 71; Amors schusz;
(ein Unbekannter, der! unf den ersten schusz ihr
herz so tick verwunden musz Wieland Klel. 2, 217;
einen schusz haben, nicht recht im Kopse sein; auch
Ausschneiderei, im Wortspiel mit der eigentlichen
Bed.: ein grat erzchlte cinen scltzamen schusz, den
er auf einer jagt gethan . . und fragt die zuhörer:
ob das nicht cin guter schusz gewesen? deren einer
antwortet jhm: fürwar ja, gnädiger herr. ein gewaltiger
schus! Zinkgref 1, 363; — nach schieszen 1, in
gewerklicher Spr.: bei Bäckern schusz, so viel man auf
einmal in den Ofen schiebt, bei Webern der Einschlag,
vgl. auch einschusz; bei Bienenzüchtern Ersatz der Bienen
für das Ausgefschnittene, der bienenstock stcht im schusse,
wird von den Bienen wieder zugebaut Adelung; bergmännisch
Sprengloch und Sprengladung, u. a.; bei
Pferden heißt schus der vordere, abschüssige Teil des
Hufes. — Zusammensetzungen: Schußfeld, n Feld,
freier Raum für Schüsse: dic böhen gewährten freies
schusafeld Moltle 3, 316. — schußsertig, zum Schusse
fertig: standen 98 geschütze schuszlertig Moltke
3, 353. — schußsest, durch Schuß nicht verwundbar:
dasz er schusz- und degenvest war Schiller 4, 251.—
schußfrei, sicher vor Schüssen: schuszlreier stand eines
zielers bei schiesznbungen. — Schußgarn, n. bei Webern,
Garn zum Einschlag. — Schußgatter, m. u. niederschlagendes
Gatter vor einem Thor, Wasserlauf u. a.:
plerd, welches ein fallender schuszgatter entzwei gethcilet
Garg. 199. — Schußgeld, u. Geld als Belohnung
für Abschießen von Raubzeug: wo dem erleger das
schuszgeld gezahlt wurde Freytag Erinn. 21. —