Full text : Die Gefahren des Geburtenrückganges.

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stanten.  In  Preußen  besitzen  wir  eine  genaue  Konfessionsstatistik.
  Hier  hat  sich  in  den  rein  protestantischen
Ehen  die  Kinderzahl  von  1891  bis  1913  von  4,18  auf  2,93
Kinder  verringert,  in  den  rein  katholischen  Ehen  von  5,16
auf  4,15.  Die  Verminderung  in  den  katholischen  Ehen  ist
nicht  annähernd  so  stark  gewesen,  wie  bei  den  protestantischen.
  Wir  wollen  gleich  hinzufügen,  daß  sich  bei  den
jüdischen  Ehen  eine,  Verminderung  von  3,29  auf  2,22
erwiesen  hat.  Zahlreiche  Einzelstudien  sind  zu  demselben
  Ergebnis  gekommen.  Man  hat  auch  gefunden,  daß
die  gemischten  Ehen  am  unfruchtbarsten  sind.  In  katholischen
  Gegenden  ist  u.  a.  festgestellt  worden,  daß  z.  B.
die  sog.  Missionen  (Erweckungsversammlungen)  günstig
auf  die  Geburtenziffern  gewirkt  haben.  In  protestantischen
  Gegenden,  wo  die  religiöse  Überlieferung  noch  am
stärksten  haftet,  ist  allerdings  die  Religion  weniger  eine
Triebkraft  für  zahlreiche  Kinder.  Außer  etwa  bei
Pastoren  und  dem  alteingesessenen  Adel.

In  den  Kreisen,  wo  die  Frömmigkeit  nachgelassen
hat,  ist  kein  gleichwertiger  Faktor,  der  den  Geschlechtstrieb
  veredeln  könnte,  an  die  Stelle  getreten.  Die  rein
weltliche  Glücksmoral  leistet  äußerst  wenig.  Denn  zahlreiche
  Kinder  zu  haben  ist  zwar  auch  ein  großes  Glück.
Aber  das  liegt  nicht  so  auf  der  #berfläche  sondern  muß
aus  der  Tiefe  einer  idealen  Weltanschauung  und  eines
starken  Pflichtbewußtseins  und  Tätigkeitsdranges  geholt
  werden.  Diese  sind  ohne  Frömmigkeit  bei  der
großen  Masse  nicht  ohne  weiteres  vorhanden.  Das
Staatsgefühl,  das  ein  starkes,  sich  kräftig  vermehrendes
  Volk  verlangt,  das  das  eigene  Volk  so  zahlreich
machen  will  als  möglich,  leistet  bisher  noch  zu  wenig.

In  Zusammenhang,  mit  der  religiösen  Aufklä—
rung  hat  die  naturwissenschaftliche  ungünstig  gewirkt.
Diese  hat  bisher  den  Prozeß  der  Befruchtung  mit  sehr
unkenschen  Augen  betrachtet.  Der  Mensch  hat  die  Kußerlichkeiten
  beobachtet.  Das  rein  Sinnliche  wurde  ihm
zur  Hauptsache.  Der  wunderbare  Vorgang,  der  zur