28
stanten. In Preußen besitzen wir eine genaue Konfessionsstatistik.
Hier hat sich in den rein protestantischen
Ehen die Kinderzahl von 1891 bis 1913 von 4,18 auf 2,93
Kinder verringert, in den rein katholischen Ehen von 5,16
auf 4,15. Die Verminderung in den katholischen Ehen ist
nicht annähernd so stark gewesen, wie bei den protestantischen.
Wir wollen gleich hinzufügen, daß sich bei den
jüdischen Ehen eine, Verminderung von 3,29 auf 2,22
erwiesen hat. Zahlreiche Einzelstudien sind zu demselben
Ergebnis gekommen. Man hat auch gefunden, daß
die gemischten Ehen am unfruchtbarsten sind. In katholischen
Gegenden ist u. a. festgestellt worden, daß z. B.
die sog. Missionen (Erweckungsversammlungen) günstig
auf die Geburtenziffern gewirkt haben. In protestantischen
Gegenden, wo die religiöse Überlieferung noch am
stärksten haftet, ist allerdings die Religion weniger eine
Triebkraft für zahlreiche Kinder. Außer etwa bei
Pastoren und dem alteingesessenen Adel.
In den Kreisen, wo die Frömmigkeit nachgelassen
hat, ist kein gleichwertiger Faktor, der den Geschlechtstrieb
veredeln könnte, an die Stelle getreten. Die rein
weltliche Glücksmoral leistet äußerst wenig. Denn zahlreiche
Kinder zu haben ist zwar auch ein großes Glück.
Aber das liegt nicht so auf der #berfläche sondern muß
aus der Tiefe einer idealen Weltanschauung und eines
starken Pflichtbewußtseins und Tätigkeitsdranges geholt
werden. Diese sind ohne Frömmigkeit bei der
großen Masse nicht ohne weiteres vorhanden. Das
Staatsgefühl, das ein starkes, sich kräftig vermehrendes
Volk verlangt, das das eigene Volk so zahlreich
machen will als möglich, leistet bisher noch zu wenig.
In Zusammenhang, mit der religiösen Aufklä—
rung hat die naturwissenschaftliche ungünstig gewirkt.
Diese hat bisher den Prozeß der Befruchtung mit sehr
unkenschen Augen betrachtet. Der Mensch hat die Kußerlichkeiten
beobachtet. Das rein Sinnliche wurde ihm
zur Hauptsache. Der wunderbare Vorgang, der zur