Full text : Das Deutsche Reich in gesundheitlicher und demographischer Beziehung.

11.  6.  Bekämpfung  der  Krankheiten.  109

Bise  nbahnverkehre')  ausgearbeitet,  in  der  alle  einschlägigen  Bestimmungen,
nämlich  die  auf  die  Beförderung  ansteckender  Kranker  mittels  der  Eisenbahn  bezüglichen
  Bestimmungen  der  Eisenbahnverkehrsordnung‘),  des  Reichs-Seuchengesetzes
und  der  Ausführungsbestimmungen  hierzu  zusammengestellt  sind.  Sie  handelt  ausser
von  den  gemeingefährlichen  Krankheiten  (Pest,  Aussatz,  Cholera,  Fleckfieber,  Gelbfieber

  und  Pocken)  von  Unterleibstyphus,  Diphtherie,  Scharlach,  Ruhr,  Masern  und
Keuchhusten  und  zerfällt  in  vier  Abschnitte:

I.  Allgemeine  Bestimmungen,

II.  Massnahmen  im  FEisenhahnverkehre  beim  Auftreten  gemeingefährlicher
Krankheiten,

Il.  Behandlung  der  Eisenbahnwagen  beim  Auftreten  gemeingefährlicher  Krankheiten
  und
IV.  Desinfektionsanweisung.

In  den  Allgemeinen  Bestimmungen  wird  zunächst  der  Wortlaut  der

einschlägigen  Vorschriften  der  Eisenbahnverkehrsordnung  ($  20  Abs.  2)  wiedergegeben.
Dieselben  lauten:

„Die  Beförderung  von  Pestkranken  ist  ausgeschlossen.  An  Aussatz  (Lepra),  Cholera  (asiatischer),  Fleckfieber
  (Fleckiyphus),  Gelbfieber  oder  Pocken  (Blaitern)  erkrankte  oder  einer  dieser  Krankheiten  verdächtige
Personen  werden  nur  dann  zur  Beförderung  zugelassen,  wenn  die  beizubringende  Bescheinigung  des  für  die  Abgangsstation
  zuständigen  beamteten  Arztes  dies  gestattet;  sie  sind  in  besonderen  Wagen  zu  befördern;  für  Aussätzige
  und  des  Aussatzes  Verdächtige  genügt  eine  abgeschlossene  Wagenabteilung  mit  getrenntem  Aborte  An
Typhus  (Unterleibstyphus‘,  Diphtherie,  Scharlach,  Ruhr,  Masern  oder  Keuchhusten  leidende  Personen  sind  in  abgeschlossenen
  Wagenabteilungen  mit  getrenntem  Aborte  zu  befördern,  Bei  Personen,  die  einer  dieser  Krankheiten
verdächtig  sind,  kann  die  Beförderung  von  der  Beibringung  einer  ärztlichen  Bescheinigung  abhängig  gemacht
werden,  aus  der  die  Art  ihrer  Krankheit  hervorgeht.  Für  die  Beförderung  in  besonderen  Wagen  oder  Wagenabteilungen
  sind  die  tarifmässigen  Gebühren  zu  bezahlen.“

Die  übrigen  Bestimmungen  dieses  Abschnitts  betreffen  die  Befugnis  der  Ärzte
zur  Ausstellung  von  Bescheinigungen,  die  Bestimmungen  des  Begriffs  der  abgeschlossenen
  Wagenabteilungen  mit  getrenntem  Aborte,  die  Beförderung  mehrerer
Kranker  und  der  Krankenbegleiter  sowie  die  Kenntlichmachung  der  Krankenwagen
und  Krankenabiteile.

In  Abschnitt  II:  Massnahmen  im  Eisenbahnverkehre  beim
Auftreten  gemeingefährlicher  Krankheiten,  ist  zunächst  auf  die
Errichtung  von  Arztstationen  und  Krankenübergabestationen  hingewiesen.  Beim  Auftreten
  der  Pest,  der  Cholera,  der  Pocken  oder  des  Fleckfiebers  findet  eine  allgemeine
und  regelmässige  Untersuchung  der  Reisenden  nicht  statt,  jedoch  werden  dem  Eisenbahnpersonale
  bekannt  gegeben:  a)  die  Stationen,  auf  denen  Ärzte  sofort  erreichbar
und  zur  Verfügung  sind  (Arztstationen),  b)  die  Stationen,  bei  denen  geeignete  Krankenhäuser
  zur  Unterbringung  der  Kranken  bereit  stehen  (Krankenübergabestationen).
Auf  diesen  Stationen  und,  falls  eine  ärztliche  Überwachung  der  Reisenden  an  der
Grenze  angeordnet  ist,  auf  den  Zollrevisionsstationen  sind  zur  Vornahme  der  Üntersuchung
  Erkrankter  die  erforderlichen,  entsprechend  auszustattenden  Räume,  soweit
sie  der  Eisenbahnverwaltung  zur  Verfügung  stehen,  herzugeben.  Bei  Cholera  müssen
die  Räume  tunlichst  mit  einem  besonderen  Aborte  verbunden  oder  mit  einem  abgesonderten
  Nachtstuhle  ausgerüstet  sein.  Die  auf  Durchwanderer  und  Erkrankungen
während  der  Fahrt  bezüglichen  Vorschriften  geben  den  Wortlaut  der  einschlägigen
Vorschriften  der  Anweisungen  zur  Bekämpfung  der  gemeingefährlichen  Krankheiten
wieder.  In  demselben  Abschnitte  sind  ferner  geregelt:  die  Verpflichtung  der  Eisenbahnbeamten
  gegenüber  den  Polizeibehörden  und  Ärzten,  die  Belehrung  des  Eisenbahnpersonals
  über  Seuchen,  die  Desinfektion  der  Aborte  bei  Cholera,  die  Ausserdienststellung
  der  Wagen  behufs  Desinfektion,  die  Mitteilungen  über  ergriffene  Massnahmen
  an  die  Gesundheitsbehörden,  die  Anzeigepflicht  für  den  Stationsvorsteher,  die
Schutzmassregeln  gegen  Seuchenverbreitung  durch  das  Eisenbahnpersonal  (Beobachtung,
Absonderung)  und  endlich  sind  die  auf  internationalen  Vereinbarungen  (Abschnitt  II

i)  Vgl.  VeröfKGA  1905  8.  838.  2)  Desgl.  1904  8.  256.