Nr. 108. 1914. 633.
WiensWinikteris d2 Berlin, den 5. September 1914.
Finterbliebenenversorgung aus Aulaß des Frieges 1914.
Mit Beziehung auf Ziffer GllI, 12V, VI, 17, 191, 24 der Ausführungsbestimmungen
zum Militärhinterbliebenengesetz vom 17. Mai 1907 und gifer 71, 10 der Ausführungsbestimmungen
zum Beamtenhinterbliebenengesetz vom 17. Mai 1807 (A. V. Bl. S. 242 uff.
sowie S. 315 uff.) wird bestimmt: ·
1. Die Anträge auf Bewilligung der gesetzlichen Versorgungsgebührnisse für die
Hinterbliebenen von Angehörigen der mobilen und neu errichteten
immobilen Formationen sind durch diejenigen Bezirkskommandos vorzubereiten
und weiter vorzulegen, in deren Bezirk die Hinterbliebenen wohnen
oder sich anläßlich des Krieges aufhalten. ·
Besteht für mehrere Bezirkskommandos in einem Standort eine
Geschäftseinteilung nach Waffengattungen usw., so gilt diese auch für den vorliegenden
Fall.
Die stellvertretenden Generalkommandos werden ermächtigt, den Bezirkskommandos
erforderlichenfalls Hilsspersonal von den Ersatztruppen zu überweisen.
3. a) Die Anträge auf Bewilligung von Witwen= und Waisengeldern sowie
von Kriegswitwen= und Kriegswaisengeldern sind zu vereinigen und auf
Grund der von den Zirilbehörden eingehenden Unterlagen nach den
Mustern nebst Bemerkungen auf Seite 263 bis 272 des Armee-Verordnungsblattes
für 1907 aufzustellen. Liegen schon derartige
Anträge der Zioilbehörden vor, so sind diese nur nachzuprüfen und
zu ergänzen.
b) Ein Dienstlausbahnzeugnis für Offiziere (A. V. Bl. für 1907 S. 266
Ziffer 1 4) ist nicht beizufügen.
c) In den Antragsmustern (siehe oben Ziffer 3 a) ist in den Spalten
„Betrag des jährlichen Witwengeldes — Waisengeldes“ einzuschalten:
b. Kriegswitwengeldes —
b. Kriegswaisengeldes.
d) Außer den Ausführungsbestimmungen zum Militär= und zum Beamtenbinterbliebenengesetz
sind auch zu beachten die ergänzenden Erlasse vom
26. Mai 1908 — Nr. 1002/5. 08. C. 2 — (A. V. Bl. S. 179),
25. April 1910 — Nr. 703/4. 10. C. 2 — (A. V. Bl. S. 131),
23. Mai 1912 — Nr. 235/5. 12. C. 2 — (A. V. Bl. S. 125 uff.)
sowie das Gesetz Über die Kriegsversorgung von Ziovilbeamten vom
4. August 1914 nebst Ausführungsbestimmungen (A. V. Bl. G. 299, 300).
wo
537 Schwiele — Schwierigleit.
vgl. unter schwäher), altengl. sweger, ahd. swigar,
mhd. swiger, urverwandt zu griech. gleichbed. hekyrä,
lat. soerus; im älteren Nhd.: zu erregen. .die schnur
wider jre schwiger Matth. 10, 35; unsern schwehr und
schwiger meinetwegen zu begutigen Simpl. 1, 339; und
noch bei Schiller: sie lernt“ es ihrer sehwieger ab
Piec. 4,6; seit 17. Ih. in der verdeutlichenden Zusammensetzung
schwiegermutter, woran sich dann die
Namen für ähnliche Verwandtschaftsverhältnisse, schwiegervater,
-sochn, —tochter anschließen.
Schwielc, f. harte Hantstelle; älter doppelgeschlechtig
als Mase. und Neutr., ahd. swilo und swil, mhd. swile
und swil; zu sehwellen gehörig; Nebensormen: calus
swel, sweel, swehl Dief.; ein dicke haut, als achte
mans fur ein schwulle des leibs Eppendorff Plin.
122; fnger . durch schwülen verderhet Herder zur
Pbil. 4, 161; das beutige Fem., schon im 16. Ih. vorhanden:
die schwillen an der hand von vil werkens,
oder sn eim füsz von hüftigem gon, caklus Maaler,
hat sich aus dem Plur. des alten Masc. herausgebildet,
Schottel unterscheidet der schwiel, eallus und die
schwiele, lünglichte druse, tumor inguinunt. Als
Frucht der Anstrengung: trägt er schwiclen von der
last der wallen am arm Ramler 2, 206; ritt sieh
manche schwiele Hölty 30; kleine hand, die auch
schon schwielen hatte Rosegger Waldh. 2, 331; von
Mißhandlung: einen prugeln, dasz er schwielen bekommt;
peitscht in die pferde, dasz die armen thiere
mit schwiclen dbedeckt sind Freytag Soll 2, 285;
natürliche: mit dem fusz voll schwielen .. der dromedar
Freiligrath 1, 93; zusammenziehung (der
Kronenblätter bei Rosen) wird von einer kleinen schwiele
bewirkt Goetheös, 13; — dazu schwielenvolle hand
Weiße kom. #- 3, 2059. — schwielig, älter schwielicht,
mit Schwielen behaftet: schwielichte hände Stieler;
ihre schwieligen harten hände Keller Werke 1, 255;
die schwielgen ftinger Droste 263.
Schwierig, mit Schmerz, Beschwerde, Anstrengung
verknüpft; mhd. swirig, mnd. swerich, mit Schwären
behaftet (uleerosus swirig, swerecht Dies. nov. gloss.),
woraus sich im älteren Nhd. die Bed. des peinlich empfindlichen,
unzufrieden widerstrebenden abzweigte; ein
schwieriges gemütbe, onfmus e-rulceralus Steinbach;
schwierig werden, moleste, degre serre, desicere, desciscere,
rebeflore, schwierig sein, skomachari, mur-Murare.
einen schwierig machen, ad deseetionem sollieitare
Stieler; wir sind doch nur ihres gleichen,
das fuhlen sio und werden schwierig Goethe Götz 5;
in andrer Form: (als sie) schwurig wurden, jbn und
die scinigen uberfielen Zinkgref 1, 398; als alles
schwürig war und voller aufruhr steckte Hagedorn
Od. 1, 3; später zu der Bed. bedenklich und darum
widerstrebend abgeblaßt: wenn du so schwierig sein
willst Lessin 9 Nath. 4, 4; dasz auch die Russen
schwieriger wurden Häusser d. Gesch. 4, 274; konnte
. Oesterreich schwierig machen 3, 195; — auf Dinge
bezogen und vom Sprachgefühl mit schwer in Bejiehung
gesetzt, erst in neuerer Spr. (aber durch schwierigeil,
s. d., vorbereitet), noch Adelung bezeichnet eine
sehwicrige sache als im Hochdeutschen ungewöhnlich,
Campe hat schon schwierige sache, schwicriges unternehmen
ohne Bemerlung; jetzt die Hauptbed. des Worts:
in den schwierigsten momenten Busmarck Brief to66;
schwicrige arbeit (Red. 5, 231), stellung (10, 217), erziehung
(CFMeyer Jenatsch 88), schwieriger auftrag
(Moltke 6, 100); sie kounte nur schwierig gedrucktes
lesen Keller Werle 1, 60. Dazu Schwierigleit. (.
schwierige Art; in älterer Spr. nach der ersten Bed.
des Adjectivs, in einzelnen Beispielen aber schon den
Ubergang zu der heutigen Bed. zeigend: einen zur
schwierigkeit bringen, ad rebellium ineitare pocatum,
schwierigkeit der narung, disfieultas annondc, anguslia
schwimmen. 538
rei samiliaris, schwierig keit der zeiten, kemporum
accröflar, ealamitas Stieler; — Bedenllichkeit: bei
einem geschäfte, einer sache schwierigkeiten finden,
cine schwicrigkeit haben, einem viele schwierigkeiten
machen Adelung; — schwere Art, schwerer Zustand,
Hindernis: wie er (der Knoten) aufzulösen sci, da
liegt die sehwierigkeit Wieland Ob. 4, 61; die
schwierigkeit, die fehlenden dooumente . wieder zu
erlangen Freytag Soll 2, 332; schwierigkeiten uberwinden
( oltle 5, 45), besiegen (Treitschke 1, 295).
Schwimmen, sich anf dem Wasser oben halten, nicht
sinken; in der uhd. Form vorzugsweise westgermanische
Bildung, altengl. altsächf. ahd. swimman, mhd.wimmen,
mnud. swemmen, swommen, swummen, dem altnord.
svima, svimma, Imsja entsprechend, goth. nicht nachgewiesen,
aber dem Subst. svumist Teich zu Grunde
liegend, ohne urverwandte Entsprechung. Die starken
Formen sind bis heute erhalten; zu dem Prät. mhd.
swam, welches sich uhd. als sehwamm hält (ich schwamm,
du sehwummest, er schwamm Schottel 595), hat sich
vereinzeltschwomm eingefunden (Plur. die ideen schwommen
verwirrt umher Göckingk 3, 194); der Plur.
mhd. swummen setzt sich zunächst als sehwummen sort
(noch im 17. Ih. wir sehwummen Schottel), geht aber
dann in schwammen über; der Conj. älter schwumme
in Fortsetzung des mhd. swumme, dann auch schwömme,
jetzt sehwämme (schon bei Brockes: waaren schwämmen
auf dem mcer 9, 587); Part., mhd. geswummen, älter
nhd. geschwummen, später geschwommen (bei Schottel
beide Formen). Das umschriebene Prät. mit haben,
wenn mehr die Thätigkeit, mit sein, wenn mehr der
Zustand hervorgehoben werden soll: ieh habe heute
eine stunde geschwommen; wir sind auf dem meere
geschwommen (vgl. dazu fahren 4, reiten 1). Bed. 1) im
zigenrlichen engeren Sinne, ursprünglich nur von der
entsprechenden libung der Menschen (die Thätigkeit der
Wassertiere heißt noch mhd. vliezen, vgl. fliesren 1):
Petrus sär des sindes bigonda swimmannes Otfrid
5, 13, 25; die da schwimmen kundten Ap. Gesch. 27, 43;
er schwimmt gut, schlecht; er lernt schwimmen; ich
.. sehwimm unterm wasser fort Schiller Räub. 2, 3;
mit dem strome, gegen den strom schwimmen; auch
als Redensart: man musz mit dem strome schwimmen;
sprichwörtlich: wer nicht schwimmen kann, gehe nicht
ins wasser. man lernt nicht schwimmen bis einem das
wasser ins maul läuft. neben dem schiff ist gut schwimmen
Simrock 509; sie werden immer so schwimmen,
dasz sie dabei auf dem wasser hleiben Bismarck Red.
15, 42; dann von Tieren, die ähnliche Bewegungen
machen, wie der Mensch: hirsch, der durch den strom,
pudel, der im wasser schwimmt; hunde im aufgerürten
schneemeer schwimmen Droste 321; von
Tieren die im Wasser leben: fische schwimmen im
wasser; was fleugt, was kreucht, was schwimmet
Königsb. Dichterkr. 126; endlich von Dingen, die auf
der Oberfläche des Wassers treiben: holz sehwimmt auf
dem wasser; da schwam das eisen (als ein Wunder)
2. Kön. 6, 6; ein schiff, kahn schwimmt auf dem strome;
begrifftauschend von denen die damit sahren: er schwimmt
schon auf dem wasser, ist schon zu Schiff abgegangen;
fett, 61 schwimmt auf dem wasser; schwimmende cisberge,
inscln; ein eiland Scheint gegen dic fluten
zu schwimmen Er Kleist Frühl. 391; schwimmende
batterie, auf einem schwimmenden Fahrzeuge ruhend;
schwimmender sinter, wie Eis auf dem Wasser treibend,
in den Grundwassern der Bergwerke. 2) in mannigfacher
Weise uneigentlich und bildlich; schon ahd. in
wunno swimman Notker bei Graff; nhd. er schwimmet
dar recht in dem ungluck Stieler; in einem meer
von genussen, in freuden, im glucke schwimmen; ibr
ist, sie athme, schwimme in lauter liebo Wieland
Geron 898; vom Auge: die trunkenen augen schwimmen