Kriegssteuerpolitik. 229
verträge von Brest-Litowsk und Bukarest sollten uns wirtschaftliche
Vorteile sichern, von denen wir uns gleichfalle versprechen konnten, daß
sie uns Verzinsung und Amortisation der Kriegesanleihen in nicht unbeträchtlichem
Maße erleichtern würden.
In der Amtszeit Dr. Helfferichs begnügte sich das Reich — nicht durch
Verschulden des Reicheschatzamtes, sondern auf Drängen aus Mehrheitekreisen
des Reichstage — mit Abgaben von den durch die Kriegsgewinne
neu entstandenen Vermögen und mit einigen indirekten Steuern, die
als durchaus provisorisch und widerruflich bezeichnet wurden. Auch
Dr. Helfferichs Nachfolger, Graf Rödern, blieb zunächst im Rahmen dieser
Politik. Unter ihm wurde die Kriegegewinnsteuer verschärft und auch
ein weiterer Ausbau der indirekten Steuern vorgenommen. Ee geschah
dies nach Helfferichs Steuergesetzen von 1916 durch die zweite Periode
der Krieges bung im JZahre 1917. Erst im Frühjahr 1918,
gleichfalls unter dem Grafen Rödern, wurde zu wesentlich erweiterten
Kriegssteuerforderungen übergegangen. Die im Jahre 1916 eingeführten
indirekten Steuern sollten im Beharrungezustand 650 Millionen Mark
jährlich erbringen. Die Gesetzgebung von 1917 belegte die Kohle und
den Verkehr mit einem geschätzten Betrage von rund 800 Millionen Mark.
1918 kamen dazu an indirekten Abgaben Getränkesteuern, Postabgaben
und Warenumsatzsteuer, die mit einigen 2 Milliarden angesetzt wurden.
An direkten Steuern liefen während des Krieges zunächst noch die Raten
der vor dem Kriege bewilligten Warenumsatzsteuer. Dann kam im Jahre
1916 die Kriegesteuer vom Vermögenszuwachs und 1917 ein 20% iger
Zuschlag hierauf und 1918 eine durchgreifende Reform der Kriegsgewinnsteuer.
Bei Einbringung der letzten Steuervorlage im Krieg errechnete
der damalige Reichsschatzsekretär Graf Rödern für die fünf Etatsjahre
1914/18 an indirekten Steuern insgesamt 4, an direkten Steuern
7½⅞ Milliarden.
Die Kriegesteuerpolitik in Deutschland ist nach ihren Formen und
Grundsätzen auch im Vergleich mit der Kriegesteuerpolitik des feindlichen
Auslandes zusammenhängend dargelegt worden in der Rede des Reichsschatzsekretäre
Graf Rödern bei Einbringung der letzten Steuervorlagen,
mit denen sich der Reichstag in erster und zweiter Lesung am 23. und
25. April 1918 beschäftigte. Das Wesentliche aus dieser Rede sei im nachstehenden
wiedergegeben:
„Bei einer Betrachtung unserer Steuerpolitik ergibt sich zunächst ganz von selbst
die Frage: waren wir auch in unserer Steuerpolitik allen unseren Gegnern voran? Da
möchte ich bel dieser Beantwortung eine kleine Einschaltung machen. Die Frage wäre der
volkewirtschaftlichen Untersuchung meines Erachtene wert, ob man zu gleicher Zeit eine
Anleihepolitik und eine beroische Steuerpolitik treiben kann. Unsere bieherige Steuer-