Full text : Landeskunde des Großherzogtums Hessen, der Provinz Hessen-Nassau und des Fürstentums Waldeck. (376)

Der  Odenwald.  43

zum  Teil  schon  von  den  Römern  angelegt  wurden;  ein  Beispiel
dafür  ist  die  „Hohe  Straße“,  welche  auf  dem  Rücken  östlich  des
Mümlingtals  die  von  den  Kastellen  Hainhaus  und  Eulbach  und
vielen  römischen  Wachttürmen  bezeichnete,  aber  nicht  durch
Wall  und  Graben  befestigte  römische  Verteidigungslinie  entlangzieht.
  Die  Talstraßen  stammen  dagegen  erst  aus  der  Zeit
ver  Staufer  und  wurden  sogar  erst  unter  Napoleon  I.  ausgebaut.


Infolge  der  gesamten  natürlichen  Verhältnisse  ist  der  westliche
  Odenwald  dichter  besiedelt  als  der  östliche.  Während  dort
bis  auf  große  Höhen  hinauf  —  man  sehe  nur  die  Neunkircher
Höhe,  die  Umgegend  des  Felsbergs,  die  Gegend  von  Knoden,
Seidenbach  usw.  —  viele,  wenn  auch  nicht  große  Ortschaften
liegen,  sind  die  breiten  Buntsandsteinrücken  des  östlichen  Teils,
mit  Ausnahme  des  als  Straßenübergangsort  in  günstiger  Lage
befindlichen  Beerfelden,  von  Ortschaften  fast  leer,  nur  Einzelwohnungen
  von  Förstern,  Waldarbeitern,  Einzelgasthäuser  usw.
darauf  zu  finden.  Ja,  auch  die  Täler  sind,  abgesehen  von  dem
wegen  der  begünstigten  Verkehrslage  dicht  besiedelten  Neckartal,
  hier  viel  einsamer;  nur  das  Mümlingtal  hat  auf  seiner  breiteren
  Talsohle  einige  größere  Orte,  zum  Teil  als  standesherrliche
  Residenzen  mit  ihren  Schlössern  —  Erbach  (3000  Einw.)
und  König  —,  zum  Teil  wegen  der  früher  oder  noch  jetzt  blühenden
  Industrie  —  Michelstadt  (3000  Einw.),  Höchst  und  das  von
Burg  Breuberg  überragte  Neustadt  —.  Im  vorderen  Odenwald
tritt  besonders  die  Weschnitz-Gersprenzfurche  durch  stärkere  Besiedlung
  hervor  und  hat  dementsprechend  eine  Anzahl  etwas
größerer  Orte,  Fürth,  Lindenfels,  Reichelsheim,  letztere  beiden
malerisch  überragt  von  alten  Burgen.  Überhaupt  war  und
ist  hier  noch  der  Sitz  adliger  Geschlechter,  deren  bekannteste,
Rodenstein  und  Schnellerts  westlich  und  östlich  des  Gersprenztals,
  an  den  Sagenreichtum  des  Odenwalds  mahnen.  Reinheim
am  Ausgang  des  Gersprenztals  und  Groß-Umstadt  (4000  Einw.)