Der Odenwald. 43
zum Teil schon von den Römern angelegt wurden; ein Beispiel
dafür ist die „Hohe Straße“, welche auf dem Rücken östlich des
Mümlingtals die von den Kastellen Hainhaus und Eulbach und
vielen römischen Wachttürmen bezeichnete, aber nicht durch
Wall und Graben befestigte römische Verteidigungslinie entlangzieht.
Die Talstraßen stammen dagegen erst aus der Zeit
ver Staufer und wurden sogar erst unter Napoleon I. ausgebaut.
Infolge der gesamten natürlichen Verhältnisse ist der westliche
Odenwald dichter besiedelt als der östliche. Während dort
bis auf große Höhen hinauf — man sehe nur die Neunkircher
Höhe, die Umgegend des Felsbergs, die Gegend von Knoden,
Seidenbach usw. — viele, wenn auch nicht große Ortschaften
liegen, sind die breiten Buntsandsteinrücken des östlichen Teils,
mit Ausnahme des als Straßenübergangsort in günstiger Lage
befindlichen Beerfelden, von Ortschaften fast leer, nur Einzelwohnungen
von Förstern, Waldarbeitern, Einzelgasthäuser usw.
darauf zu finden. Ja, auch die Täler sind, abgesehen von dem
wegen der begünstigten Verkehrslage dicht besiedelten Neckartal,
hier viel einsamer; nur das Mümlingtal hat auf seiner breiteren
Talsohle einige größere Orte, zum Teil als standesherrliche
Residenzen mit ihren Schlössern — Erbach (3000 Einw.)
und König —, zum Teil wegen der früher oder noch jetzt blühenden
Industrie — Michelstadt (3000 Einw.), Höchst und das von
Burg Breuberg überragte Neustadt —. Im vorderen Odenwald
tritt besonders die Weschnitz-Gersprenzfurche durch stärkere Besiedlung
hervor und hat dementsprechend eine Anzahl etwas
größerer Orte, Fürth, Lindenfels, Reichelsheim, letztere beiden
malerisch überragt von alten Burgen. Überhaupt war und
ist hier noch der Sitz adliger Geschlechter, deren bekannteste,
Rodenstein und Schnellerts westlich und östlich des Gersprenztals,
an den Sagenreichtum des Odenwalds mahnen. Reinheim
am Ausgang des Gersprenztals und Groß-Umstadt (4000 Einw.)