Die Armee
in England.
134 Meuterei- Bill.
König, erst Wilhelm lII., dann Anna, dann das Haus
Hannover auf den Thron berufen wurden. Zu diesen
Königen hatte die englische Armee, klein wie sie war, keine
innere Beziehung, und die englischen Verfassungsgesetze, die
damals gegeben wurden, sorgten dafür, daß auch eine
staatsrechtliche Form das zum Ausdruck brachte. Das geschah
in der sogenannten Meuterei- Bill, d. h. dem Gesetze, das die
Disziplin der Armee begründete. Es gibt keine Armee
ohne disziplinarische Gewalt. Wenn der gemeine Mann
sich herausnähme, seinem Hauptmann eine Ohrfeige zu
versetzen und dieser müßte dann hingehen ans Schöffengericht
und jenen verklagen, dann würden wir sagen, die
Armee existiert nicht mehr. Die Armee als solche kann
nur existieren vermöge einer besonderen in der Kommandogewalt
verkörperten, organisierten Disziplin. Nun machte
man in England ein Gesetz über militärische Meutereien,
das diese wirkliche Gewalt schuf. Aber dieses Meutereigesetz
galt nur für ein Jahr und mußte jedes Jahr erneuert
werden. Damit glaubte der Parlamentarismus sich
die Macht geschaffen zu haben, dem König jedes Jahr,
wenn er ihm gefährlich zu werden schien, die Macht entreißen
zu können, indem er die Meuterei- Bill nicht verlängerte,
und Staatsrechtslehrer möchten daraus die Folgerung
ziehen, das sei der Weg, wie man das Königtum,
wenn es despotisch zu werden drohe, ohnmächtig mache.
Ein solches Gesetz ist aber doch nur eine juristische Form.
Eine Armee, die einmal diszipliniert ist, die bleibt auch in
der Hand des Offizierkorps, mag das Parlament Meutereigesetze
geben oder nicht, und wenn also der König das
Offizierkorps hinter sich hat, dann hat er auch die Armee
hinter sich, und dann helfen keine Meutereigesetze. Aber eben
der wahre König existierte ja in England nicht mehr. Es ist jetzt