Kreuzzug gegen die Slaven. 55
in ihrer Widerstandsfähigkeit geschwächten Christen auf die Dauer
nicht Einhalt zu gebieten. Nur. mit äußerster Anstrengung hatten
sie ihre Grenzen im Anfang behauptet: schließlich erlagen sie bald
auf dem einen, dann auf dem andern Posten, ließen es aber dennoch
an angestrengter Wachsamkeit und stets gewaffneter Kriegsbereitschaft
fehlen. So gelang es denn dem Sultan von Aleppo, Zenghi, als
er im Winter 1144 plötzlich vor das feste Edessa rückte, die Stadt
nach einer Belagerung von wenig Wochen am Weihnachtsabend zu
erstürmen. Zwar gewannen die Christen nach der im Herbst 1146
erfolgten Ermordung Zenghis das Verlorene durch List auf kurze
Zeit wieder: aber schon nach wenigen Tagen nahm Nureddin, des
Zenghi Sohn, die Stadt wieder ein und verhängte ein furchtbares
Strafgericht über sie.) .
Als die Nachricht von diesen Ereignissen nach Europa kam,
war die Bestürzung eine allgemeine: mit Recht sah man durch
den Verlust Edessas Jerusalem selbst wieder bedroht. Und so
wenig auch die Lage der einzelnen Staaten der Erneuerung einer
Unternehmung nach dem heiligen Lande günstig war, so fand doch
der Gedanke an einen neuen Kreuzzug lebhaften Beifall. Aber er
fand auch einen Verfechter, rastlos thätig, beredt und begeisternd wie
keiner: wic einst Peter von Amiens im schlichten Pilgergewande,
auf seinem Esel reitend die Lande durchzogen und Hoch und Niedrig
zur Annahme des Kreuzes gemahnt hatte, so machte sich jetzt Bernhard
von Elairvaux, ein weit sehender, kluger, die Päpste beherrschender
und in seinem streng kirchlichen Sinne lenkender Mönch, auf, um
von Neuem das Kreuz zu predigen und die Christenheit in feuriger
Rede zu begeistern für die Rettung des so schwer gefährdeten heiligen
Grabes.
Zuerst fühlte sich König Ludwig VII. von Frankreich, der eben
erst nach langem Hader mit der Kirche wieder ausgesöhnt war,
zu einer Unternehmung nach dem heiligen Lande berufen. Bernhard
von Elairvaux aber, den er um Rath fragte, bedeutete ihn,
daß eine solche Unternehmung von der gesammten Christenheit
mit vereinten Kräften ausgeführt, mithin auch ihre Anordnung
und Leitung allein dem Haupte der Christenheit, dem Papste, überlassen
bleiben müßte. Papst Eugen III. nun nahm diese Anregung
bereitwilligst auf und übertrug dem feurigen Bernhard von Clairvaux
1) Otto Fris. Chron. VII, 30.
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