106 Deutsche Reichs-Gewerbeordnung.
behörde kann in diesem Falle auf Antrag des Lehrherrn
den Lehrling anhalten, solange in der Lehre
zu verbleiben, als durch gerichtliches Urteil das Lehrverhältnis
nicht für aufgelöst erklärt ist. Der Antrag
ist nur zulässig, wenn er binnen einer Woche nach
dem Austritte des Lehrlings gestellt ist. Im Falle
der Weigerung kann die Polizeibehörde den Lehrling
zwangsweise zurückführen lassen, oder durch Androhung
von Geldstrafe bis zu fünfzig Mark oder Haft bis
zu fünf Tagen zur Rückkehr ihn anhalten.
8 131.
Wird von dem Vater oder Vormund für den
Lehrling, oder, sofern der letztere großjährig ist, von
ihm selbst dem Lehrherrn die schriftliche Erklärung
abgegeben, daß der Lehrling zu einem anderen Gewerbe
oder anderen Berufe übergehen werde, so gilt
das Lehrverhältnis, wenn der Lehrling nicht früher
entlassen wird, nach Ablauf von vier Wochen als
aufgelöst. Den Grund der Auflösung hat der Lehrherr
in dem Arbeitsbuche zu vermerken.
Binnen neun Monaten nach der Auflösung darf
der Lehrling in demselben Gewerbe von einem anderen
Arbeitgeber ohne Zustimmung des früheren
Lehrherrn nicht beschäftigt werden.
§ 132.
Erreicht das Lehrverhältnis vor Ablauf der verabredeten
Lehrzeit sein Ende, so kann von dem Lehrherrn
oder von dem Lehrling ein Anspruch auf Entschädigung
nur geltend gemacht werden, wenn der