Full text : Regierungsblatt für das Königreich Württemberg vom Jahr 1836. (13)

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Art.  23.
Fortsetnunag.

Zu  augenblicklicher  Aufsagung  des  Lehrvertrags  ist  sowohl  der  Lehrmeister,  als  der
Gewerbelehrling  berechtigt:

1)  wenn  einer  derselben  an  einer  Krankheit  leidet,  die  schon  über  ein  Vierteljfahr
  gedauert  har  oder  nach  dem  ärztlichen  Urtheil  über  ein  Vierteljahr  dauern
wird;

2)  wenn  der  Lebrmeister  nach  dem  Stande  seiner  Gewerbe=  oder  persönlichen  und
häuslichen  Verhältnisse  verhindert  ist,  den  Lehrling  in  dem  zu  erlernenden  Gewerbe
  zu  beschäftigen  oder  selbst  zu  unterrichten;

5)  wenn  der  Lehrmeister  in  eine  andere  Gemeinde  überstedelt.

Wird  der  Lehrvertrag  durch  eine  solche  Aufsagung,  oder  durch  den  Tod  des  Lehr
meisters  oder  des  Lehrlings,  oder  durch  die  von  dem  Meister  aus  einem  rechtsgenügen
den  Grunde  (Art.  21)  verfügte  Verabschiedung  des  Lehrlings  vor  dem  Ablaufe  der
Lehrzeit  aufgelder,  oder  ist  bei  einer  auf  andere  Art  herbeigeführten  vorzeitigen  Aufloͤsung
  die  angebliche  Verschuldung  des  einen  oder  des  anderen  Theils  (Art.  18,  19
nicht  vollstaͤndig  erwiesen,  so  wird  das  Lehrgeld  nur  insoweit  entrichtet,  als  es  zur
Zeir  der  Auflösung  des  Lehrvertrags  verfallen  war  (Art.  16).  Die  Meisterswittwe,
wenn  sie  auch  das  Handwerk  ihres  verstorbenen  Ehemanns  mit  Gesellen  fortseßt,  ist
weder  zu  einem  Anspruch  auf  Fortsetzung  des  mit  dem  verstorbenen  Ehegatten  geschlolsenen
  Lehrvertrags  berechtigt,  noch  zu  Fortsetzung  desselben  wider  ihren  Willen  verpflichtet.


Art.  24.
Besondere  Bestimmungen.
a)  Fuͤr  den  Fall  einer  statt  des  Lehrgeldes  bedungenen  Verlängerung  der  kehrzeit.

Wird  statt  des  Lehrgeldes  ein  Zusaß  zu  der  eigentlichen  Lehrzeit  bedungen,  #e  wuß
in  dem  Lehrvertrage  sowohl  die  Dauer  dieses  Zusaßes,  als  die  Lehrgeldssumme  an
deren  Stelle  der  Zusatz  tritt,  genau  bezeichnet  werden.  Fuͤr  diesen  Fall  treten  sofori
folgende  Vestimmungen  ein:

1)  durch  Bezahlung  der  ausgedrückten  Lehrgeldssumme  wird  dar  Lehrling  von  der

Verbindlichkeit,  den  bedungenen  Lehrzeitzusaß  zu  leisten,  befreit;