52 5. Polenfrage und Enteignungsgesetz.
Selbstverständlich bedarf sie zur Erfüllung dieser neuen Aufgaben auch
größerer Geldmittel. Hierdurch und durch die verstärkte Besiedlung erklärt
sich die Höhe der für ihren Fonds erbetenen Auffüllungt), wobei für die
Staatsfinanzen von Bedeutung ist, daß die für die Regulierung aufgewendeten
Summen sich wesentlich höher verzinsen als die in den Neuansiedlungen
festgelegten Beträge.
Uberblickt man die Tätigkeit der Kommission in den abgelaufenen zwei
Jahrzehnten, so hat sie, wie das die Denkschrift des näheren nachweist, hinsichtlich
ihrer kolonisatorischen Aufgaben die in sie gesetzten Erwartungen
durchaus erfüllt. Die gesunden Grundlagen, die sie ihren Ansiedlungen
gab, und das darauf beruhende Aufblühen der neugeschaffenen
Dörfer haben es bewirkt, daß der Zuzug Ansiedlungslustiger stetig wuchs
und seit einem Jahrfünft eine durchaus gemigende Stärke erreicht hat.
Fast scheint es, als rege sich wie in längst vergangener Zeit in allen Teilen
Deutschlands unter der Bevölkerung, die nach Grundbesitz strebt, wieder
der Zug nach dem Osten, nach dem alten Koloniallande, das seine Kultur
jahrhundertelanger deutscher Arbeit verdankt. Und auch die deutschen
Kolonien des Auslandes?), die jetzt vielfach im Nationalitätenkampf einen
harten Stand haben, geben von Jahr zu Jahr an die Provinzen Westpreußen
und Posen mehr von ihren Angehörigen ab, die sonst durch Auswanderung
nach überseeischen Ländern unserem Volke verloren gehen würden. Nimmt
man hinzu, daß auch in den national gefährdeten Kreisen der Provinzen
Pommern und Östpreußen die innere Kolonisation, von Privatgesellschaften
betrieben und vom Staat energisch gefördert, rüstig voranschreitet, und daß
auch für Schlesien Maßnahmen zum Schutz des deutschen Besitzes vorbereitet
werden,
(bravo!)
so wird man der Staatsregierung zugestehen müssen, daß sie an den am
meisten vom Ansturm des Polentums bedrohten Punkten überall bemüht
gewesen ist, die Verteidigung zu organisieren. Sicherlich sind die Erfolge,
die in der kurzen Zeit seit Einleitung unserer Ansiedlungspolitik erzielt
werden konnten, trotz der Aufwendung großer Staatsmiittel noch keine
durchschlagenden. Wer aber mit ihnen nicht zufrieden ist, der möge sich die
1) Es wurden erfordert 300 Millionen Mark zu Siedelungszwecken, 50 Millionen
zur Regulicrung größerer Güter und 50 Millionen für Domänenankäufe.
2) Damit sind gemeint deutsche Siedlungen in Rußland, bes. Wolhynien und Podolien.