Volltext : Staatsbürgerkunde.

140  Wirtschaftspflege.  Arbeiterschutz.  8  75.

(Ziff.  3)  und  die  Beschäftigung  der  jugendlichen  Arbeiter  und  der  Arbeiterinnen
(Ziff.  4).  Besondere  Vorschriften  sind  für  die  Hausarbeiter  erlassen  (Ziff.  5).

2.  Der  Arbeitsvertrag  ist  Gegenstand  freier  Vereinbarung.
Das  Verbot  der  Vereinigung  und  Arbeitseinstellung  zur  Erlangung  günstigerer
  Lohnbedingungen  ist  —  abgesehen  von  Gesinde,  ländlichen
Arbeitern  und  Seeleuten  —  aufgehoben  (Koalitionsrecht).  Die  Sonntagsarbeit,
  zu  der  keine  Verpflichtung  besteht,  ist  mehrfach  eingeschränkt.
Die  Kündigungsfrist  beträgt  in  der  Regel  14  Tage.  Vertragsbruch  macht
für  den  erwachsenden  Schaden  verantwortlich.  Minderjährige  Arbeiter
müssen  ein  Arbeitsbuch  führen,  in  das  Ein=  und  Austritt  einzutragen  sinds).
Die  Lohnzahlung  darf  nur  in  bar  —  nicht  in  Waren  (Trucksystem)
—  erfolgen.  Für  bestimmte  Gewerbe  können  Lohnbücher  oder  Arbeitszettel
  eingeführt  werden)).

3.  Die  Unternehmer  haben  alle  erforderlichen  Einrichtungen  zur
Sicherheit  der  Arbeiter  an  Leben  und  Gesundheit  und  zur
Aufrechterhaltung  von  Sitte  und  Anstand  zu  treffen:o).  Die  Rechte  und
Pflichten  der  Arbeiter  in  Betrieben  mit  mindestens  20  Arbeitern  sind  durch
Arbeitsordnungen  unter  Mitwirkung  der  Arbeiterschaft  festzustellen  u).

4.  Die  Beschäftigung  jugendlicher  Arbeiter  ist,
solange  sie  unter  13  Jahren  oder  schulpflichtig  sind,  verboten,  ferner  bis
zum  Alter  von  16  Jahren  bezüglich  ihrer  Dauer  und  Art  mehrfach  eingeschränkt.
  Dieses  gilt  auch  von  der  Beschäftigung  der  Arbeiterinnen.
  Offene  Verkaufsstellen  müssen  von  9  Uhr  abends
bis  5  Uhr  morgens  geschlossen  sein;  den  darin  Beschäftigten  ist  nach  der
täglichen  Arbeitszeit  eine  mindestens  zehnstündige  ununterbrochene  Ruhezeit
  zu  gewährent2).

s)  GewO.  5  105—114,  146,  146  a,  erg.  R.  11  Art.  3IV.  —  Über  gewerbliche
  Streitigkeiten  entscheiden  die  Gewerbegerichte  §  892  d.  W.  —  Ausstände
  §  335.  Während  die  Ausständigen  gegen  Beschränkung  ihres  Rechts  voll
geschützt  werden,  ist  der  Schutzder  Arbeitswilligen  bei  Ausständen  unzureichend.
  Sie  sind  den  schwersten  Vergewaltigungen  ausgesetzt,  werden  durch
fortgesetzte  Beobachtung  belästigt  (Streikposten),  mit  den  verschiedensten  Nachteilen
  bedroht  und  an  Gesundheit  und  Leben  gefährdet.  Ihr  Schutz  beschränkt
sich  auf  die  unmittelbare  Hilfe  der  Polizeibeamten,  die  nicht  überall  und  meist
nicht  rechtzeitig  zu  erlangen  ist  und  deshalb  ihren  Zweck  nur  unvollkommen  erreicht.
Abhilfe  kann  nur  durch  strengere  Strafvorschriften  erreicht  werden.

*)  GewO.  5#  114%—119  ,  133  8—134,  erg.  R.  08  Art.  11,  IIj1,  2  u.  R.
11  Art.  11,  II  u.  2  1.

10)  GewO.  §  120a—g8,  erg.  RG.  11  Art.  1  IV.  Pflichten  der  Arbeitgeber
  bezüglich  der  Fortbildungsschulen  Anm.  5.

11)  GewO.  8  133h,  134  a—h,  erg.  RG.  08  Art.  1  II8—.

12)  GewO.  §  135—139  a  u.  146,  erg.  RG.  08  Art.  1  II8—2  u.  RG.  11
Art.  3  I.  Kinderarbeit  §  742  d.  W.