Full text : Gesetz- und Verordnungsblatt für das Königreich Sachsen vom Jahre 1894. (60)

—  119  —

II.
Andere  Vergehungen,  welche  sich  auf  Forst-,  Feld-,  Garten-,  Jagdund
  Wassernutzung  beziehen.

Art.  7.
Forstvergehungen.

1.  Wer  mit  einem  zum  Fällen,  Roden  oder  Beschädigen  des  Holzes,  zum  Streurechen,
  zum  Abbringen  von  Moos  oder  Gras  oder  zum  Harzreißen  dienenden  Werkzeuge
in  einem  fremden  Walde  außerhalb  eines  gestatteten  Weges  sich  betreffen  läßt,  ohne  einen
erlaubten  Zweck  nachweisen  zu  können,  wird  mit  Haft  bestraft  bis  zwei  Tage.

2.  Wer  das  Recht  oder  die  Erlaubniß  hat,  dürres  in  den  Waldungen  liegendes
Holz,  nebst  solchen  dürren  Aesten,  welche  ohne  Schaden  der  Bäume  abgebrochen  werden
können  (Leseholz),  zu  erholen,  und  zu  diesem  Zwecke  Bäume  besteigt  oder  eiserne  Werkzeuge
  anwendet  oder  die  ihm  hierbei  sonst  in  Hinsicht  auf  Zeit,  Ort  oder  Maß  der  Erholung
  auferlegte  Beschränkung  überschreitet,  bis  vier  Tage.

3.  Wer  aus  fremder  Waldung  erholte  Streu,  zu  deren  Entnehmung  er  nur  für
seinen  Wirthschaftsbedarf  berechtigt  ist,  oder  Leseholz  an  Andere  verkauft  oder  abläßt,
mit  drei  Mark  bis  neun  Mark.

4.  Wer  eine  Anweisung  zur  Erholung  von  Leseholz  oder  Stren  erhalten  hat  und
solche  an  Andere  abtritt,  mit  einer  Mark.  «

5.  Wer  bei  dem  Streurechen  eiserner  Werkzeuge  sich  bedient,  mit  drei  Mark.

6.  Wer  an  stehendem  oder  gefälltem  Holze  das  Waldzeichen,  die  Nummer  oder
sonstige  Bezeichnung  beseitigt  oder  auf  irgend  eine  Weise  unkenntlich  macht,  mit  einer
Mark  bis  drei  Mark.

7.  Wer  aufgesetzte  Klaftern  oder  Schocke,  sowie  Holz-  oder  Torfhaufen  einreißt  oder
umwirft,  mit  einer  Mark  bis  drei  Mark.

Art.  8.
Sonstige  Vergehungen  in  Hinsicht  auf  Forst-,  Feld=  und  Gartenkultur.
1.  Wer  ohne  Befugniß  über  fremde  Grundstücke  reitet  oder  fährt  oder  den  Pflug
daselbst  wendet,  mit  einer  Mark  bis  drei  Mark.
2.  Ist  durch  Handlungen  der  vorstehenden  Art  oder  durch  unbefugtes  Betreten

solcher  Grundstücke  ein  Schaden  angerichtet  worden,  so  kann  die  Strafe  ansteigen  bis
dreißig  Mark.
3.  Wer  unbefugt  auf  fremden  Grundstücken  Schutt,  Steine,  Unkraut  oder  Abfälle
anderer  Art  abwirft  oder  ausschüttet,  mit  einer  Mark  bis  fünfzehn  Mark.
1894.  18